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Fragen und Antworten

Wie exakt sind Gentests zur Ahnenforschung eigentlich?

Mit Spucke einen Vorfahren finden? DNA-Analysen zur Herkunftsforschung erfreuen sich großer Beliebtheit. Datenschützer und Biologen sind allerdings nicht gerade begeistert.

Ein wenig Speichel auf einem Teststäbchen soll die eigene Herkunft enthüllen - funktioniert das? Die Tests erfreuen sich jedenfalls großer Beliebtheit. Foto: A3472 Frank May

Die Geschichten gehen ans Herz: Geschwister, durch Adoption getrennt, liegen sich zum ersten Mal in den Armen, ein überzeugter Brite, der nach eigenem Bekunden die Deutschen nicht mag, wird geläutert als er erfährt, dass er zu fünf Prozent deutsche Wurzeln hat und eine junge Kurdin erhält Kenntnis davon, dass einer der vielen Unbekannten im Raum, ihr türkischer Cousin ist. „Diese Tests sollten Pflicht sein“, jubelt eine junge Französin, die eben noch die Briten hasste und die sich - dank ihrer soeben entdeckten englischen Gene - plötzlich als Botschafterin der Völkerverständigung sieht.

Im Internet finden sich solche Videos zuhauf. Sie werben für DNA-Tests zur Erforschung der eigenen Herkunft. In den USA, Australien und vielen anderen klassischen Einwanderungsländern sind derartige Herkunftsanalysen sehr beliebt. Aber auch in Deutschland wächst der Markt. Wie funktionieren die Tests, was kosten sie und welche Vor- und Nachteile haben sie? Diesen Fragen geht unser Redaktionsmitglied Sibylle Kranich hier nach.

Wie funktioniert so ein Test?

Wer sich für einen Anbieter entschieden hat, bestellt via Internet sein Set zur Probenahme. Nach wenigen Tagen ist die kleine Box dann im Briefkasten. Darin enthalten sind die nötigen Utensilien und sehr einfache Gebrauchsanweisungen. Je nach Firma schickt man dann ein Wattestäbchen mit einem Abstrich der Mundschleimhaut oder ein Reagenzglas, in das man etwas Speichel gegeben hat, zurück. Die Rücksendung ist bereits frankiert.

Welche Anbieter gibt es?

Weltweit gibt es sehr viele unterschiedliche Unternehmen. Auf dem deutschsprachigen Markt sind vor allem zwei aktiv: „Myheritage“ und „Ancestry“. Natürlich ist es auch möglich, ein Test-Kit von anderen Unternehmen zu kaufen. Deren Webseiten sind aber meist nur auf Englisch und es gibt noch ein paar andere Unterschiede.

Welche zum Beispiel?

In Amerika und anderen Ländern bieten die Unternehmen auch Untersuchungen der kompletten DNA eines Probanden an. Er kann dann zum Beispiel auch Auskunft über genetische Defekte oder Veranlagungen zu bestimmten Krankheiten erfahren. In Deutschland ist das nicht erlaubt. Im Gendiagnostikgesetz ist genau geregelt, welche Untersuchungen erlaubt sind und welche nur unter ärztlicher Betreuung gemacht werden dürfen.

Was kostet so ein Test?

Das ist sehr unterschiedlich. Man kann aber mit Kosten zwischen 50 und 100 Euro rechnen. Häufig – gerade jetzt zur Weihnachtszeit – gibt es spezielle Sonderangebote. Tests aus dem Ausland, die umfangreichere Analysen bieten, können bis zu 1.000 Euro kosten.

Was passiert dann mit meiner Probe?

Im Labor wird das Erbgut aus den Zellen isoliert und mittels sehr genauer Verfahren die Abfolge der chemischen Buchstaben gelesen, aus denen alle Gene aufgebaut sind. Durch den Vergleich der Buchstabenabfolge lassen sich unterschiedliche Gene und Veränderungen in einem Gen genau erkennen.

Wie lange dauert die Auswertung?

Das kommt auf den Anbieter an. Der eine spricht von drei bis vier Wochen, der andere von sechs bis acht. Die Analyse übernimmt ein Labor. Nach der Auswertung sind die Ergebnisse online einsehbar. Dazu muss man sich mit dem bereits zur Bestellung erstellten Profil einloggen.

Wie sieht das Ergebnis aus?

Sehr übersichtlich bekommt der Nutzer eine Aufschlüsselung nach Prozenten präsentiert. Da steht dann beispielsweise: Deutschsprachige Regionen Europas 64 Prozent, England und Nordwesteuropa 18 Prozent, Norditalien 12 Prozent und so weiter. Auf einer Weltkarte sind zudem die Herkunftsregionen farbig markiert.

Was beinhaltet das Paket sonst noch?

Beim Test werden zwei Dinge untersucht. Mittels einer Herkunftsanalyse wird versucht, herauszufinden, woher die Vorfahren der Kunden stammen und wo auf der Welt mögliche Verwandte leben. Zusätzlich wird überprüft, ob es weitere Übereinstimmungen mit anderen DNA-Proben gibt, die in der Datenbank des Anbieters vorhanden sind. Wenn sich signifikante Ähnlichkeiten im Erbgut erkennen lassen, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass es sich um einen direkten Verwandten handelt.

Wie aussagekräftig sind die Tests?

Genetiker warnen davor, die Ergebnisse allzu ernst zu nehmen. Die Tests analysieren ausgewählte DNA-Segmente und gleichen sie mit Referenzdaten ab. Für enge Verwandtschaftsverhältnisse – bis zu einer Cousine vierten Grades etwa – funktioniert das sehr gut. Wenn es allerdings darum geht zu erkennen, wo genau die eigene DNA in der Vergangenheit unterwegs war, wird es schwierig. Man kann nämlich nur sehen, wo bestimmte Varianten wie häufig vorkommen und so zuordnen, welchen Regionen das eigene heutige Genom wie sehr entspricht.

„Wir ordnen es so zu, wie es am wahrscheinlichsten ist. Die Prozentangaben sind nur eine ungefähre Einschätzung“, erklärte es der Humangenetiker Mark Stoneking in einem Interview. Mark Thomas, Professor für evolutionäre Genetik am University College London, wird noch deutlicher: In einem Artikel für den englischen „Guardian“ vergleicht er die Aussagekraft der Tests zur Ahnenforschung mit der von Horoskopen.

Wer profitiert von den Tests?

Das Geschäft mit der genetischen Herkunftsforschung ist für die Anbieter sehr lukrativ. Dabei sehen sie sich häufig dem Vorwurf ausgesetzt, doppelt zu kassieren. In dem sie nämlich die Daten ihrer Kunden sammeln und dann an andere Firmen verkaufen. Mindestens eine amerikanische Firma stellt die Daten auch der Polizei zur Verfügung. In ihren Datenschutzbestimmungen versichern MyHeritage und Ancestry, dass persönliche Daten bei ihnen sicher sind. Deutsche Datenschützer haben da erhebliche Zweifel.

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