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Erste Konzerte

Zurück auf die Bühne: Wie sich Karlsruher Musiker nach den Lockdowns fühlen

Zwischen Lampenfieber und erstem Schultag: Wer nach der langen Pause des Konzertlebens wieder vor Publikum tritt, muss sich oft erst wieder daran gewöhnen. Während einige Karlsruher Musiker ihre ersten Konzerte schon hinter sich haben, bereiten sich andere gerade darauf vor.

Ihre Fans blieben trotz schlechtem Wetter: Die Band „Mess up your DNA“ aus Karlsruhe trat im August beim Festival „Toujours Kultur“ auf dem Gelände des Alten Schlachthof auf. Foto: Paul Needham

Mit steigender Impfquote kommt auch das Konzertleben langsam aber sicher zurück. Nun wurde schon oft gefragt: Wie geht es dem Publikum nach einem Jahr weitgehender Isolation mit der Rückkehr der Veranstaltungen?

Dass die Musikerinnen und Musiker nach der langen Spielpause souverän wie eh und je auf der Bühne abliefern, scheint selbstverständlich zu sein. Doch auch sie stehen vor neuen Umständen und Herausforderungen.

„Jeder Auftritt, den wir gerade spielen, fühlt sich an wie der erste Schultag“, sagte Sandie Wollasch vor kurzem bei einem Konzert. Es war einer der wenigen warmen und trockenen Sommerabende in diesem Jahr und die Karlsruher Sängerin saß auf einem Hocker auf einer improvisierten Bühne bestehend aus einem Perserteppich mit einer Stehlampe darauf.

Mitsingen im Publikum bei Auftritt von Karlsruher Sängerin nicht erlaubt

Sie wirkte tatsächlich wie ein Kind bei der Einschulung: aufgeregt, hoffnungsfroh und gespannt auf alles, was kommt. Matthias Hautsch begleitete sie an der Gitarre.

Zusätzlich übernahm er an diesem Abend die Backing-Vocals, denn das Publikum durfte nicht mitsingen, um die Anzahl der Aerosole in der Luft möglichst gering zu halten. Als der Queen Song „Don’t Stop Me Now“ erklang, fand die Menge aber trotzdem einen Weg, sich am Konzert zu beteiligen: Die Leute fingen leidenschaftlich an zu summen.

Verunsicherung bei ersten Konzerten nach den Lockdowns ist spürbar

Oft ist die Verunsicherung bei den Konzertbesuchern noch groß, insbesondere darüber, wie viel Bewegung und Mitsingen erlaubt ist. Aber auch die Musiker auf der Bühne zweifeln häufig daran, welches Verhalten angebracht ist. „Wir wissen gar nicht, wie viel wir die Leute animieren dürfen“, sagt der Karlsruher Singer-Songwriter Toni Mogens.

Newcomer Toni Mogens veröffentlicht im Januar sein Debüt-Album. Foto: Ksenia Shileer

Das letzte Konzert, das er gespielt hat, war ein Sitzkonzert. Das allein ändert die Atmosphäre laut Mogens schon sehr deutlich. Die Leute würden mehr zuhören, so der Sänger, aber das unmittelbare Feedback vom Publikum fehlt. Niemand tanzt oder singt mit – Reaktionen auf seine Songs bekommt der Newcomer, der im Januar sein Debüt-Album veröffentlicht, erst nach den Auftritten.

Ich habe auf jeden Fall mehr Respekt vor den Auftritten als früher.
Toni Mogens, Singer-Songwriter aus Karlsruhe

Dabei wäre Feedback für Mogens vor allem wichtig, weil er nach der langen Pause nun einige Songs zum ersten Mal vor Publikum spielt. Das sorgt bei dem Karlsruher für Nervosität: „Ich habe auf jeden Fall mehr Respekt vor den Auftritten als früher.“

Zwischen Stream und Live-Auftritt: Karlsruher Musikerin erlebt deutlichen Unterschied

Die Schlagzeugerin Leonie Klein hatte ihren letzten Live-Auftritt im Oktober vergangenen Jahres. Nun steht, nach einer auskurierten Knieverletzung, im Oktober der erste Live-Auftritt dieses Jahres an. Klein sieht in der fast einjährigen Spielpause aber auch einen Vorteil: „Die viele Zeit hat mir die nötige Ruhe gegeben, um intensiv mit den Komponisten zu arbeiten.“

Schlagzeugerin Leonie Klein spielt nach einem Jahr Pause im Oktober ihren ersten Auftritt vor Publikum. Foto: Friedrich Georg Hoepfner

Die Schlagzeugerin spielt im Oktober mehrere Uraufführungen. „Der Stern an Deutschlands Perkussionshimmel“, wie die FAZ sie nennt, hat sich der Neuen Musik verschrieben. Konzerte spielt die Absolventin der Hochschule für Musik Karlsruhe aber am liebsten wie schon zu Mozarts Zeiten: live und vor Publikum.

Bei Auftritten per Video-Stream fehlt ihr der Kontakt zu den Menschen und das direkte Feedback. Live-Auftritte haben für Klein aber noch einen weiteren entscheidenden Vorteil: „Bei einem Stream entscheidet die Kamera, wann das Konzert losgeht. Wenn ich vor Publikum auftrete, entscheide ich das mit dem Schritt auf die Bühne. Das ist eine ganz andere Vorbereitung aufs Konzert.“

Kleine Bands konnten auch während des Lockdowns üben

Auch die Nachwuchsband „Jønson X Phil“ steht kurz vor ihrem ersten Auftritt nach dem zweiten Lockdown. Ihr Glück im Unglück war laut dem Saxophonisten Jonas Zachenbacher, dass sie nur eine Zwei-Mann-Band sind. So konnten er und der Schlagzeuger Philipp Binder trotz der Kontaktbeschränkungen proben.

Freuen sich auf ihren ersten Auftritt nach dem Lockdown: Jonas Zachenbacher (rechts) und Philipp Binder von „Jønson X Phil“. Foto: Fenja Wippler

Diese Möglichkeit hatten größere Bands nicht. „Teilweise haben die ein Dreivierteljahr nicht geprobt. Deshalb wollten die Bands, selbst wenn es Angebote für Auftritte gab, die nicht annehmen“, sagt Chris Marmann aus dem Booking-Team des Jubez Karlsruhe. Auch war die Ausgangssperre, die zeitweise schon um 20 Uhr in Kraft trat, selbst für kleine Bands wie „Jønson X Phil“ ein Problem.

„Das ist eigentlich genau die Zeit zum Proben“, sagt Zachenbacher. Vor dem ersten Live-Auftritt macht er sich keine Sorgen. „Klar ist man zeitweise ein bisschen aus der Auftritts-Routine gekommen, aber die ist sofort wieder da, sobald ich auf der Bühne stehe.“

Karlsruher Band nutzte die Lockdown-Zeit für neue Songs

Für Philipp Wilhelm von der Alternative Metal Band „Mess up your DNA“ heißt Auftrittsroutine auch, Konzerte überhaupt durchhalten zu können. „Wir toben uns auf der Bühne schon gerne aus, da hat man gerade bei den ersten Konzerten gemerkt, dass die körperliche Fitness nicht ganz so da ist.“

Die Zeit ohne Auftritte hat die dreiköpfige Band produktiv genutzt. „Als wir uns wieder treffen durften, haben wir erstmal nicht geprobt, weil keine Auftritte anstanden. Stattdessen haben wir zusammen neue Songs geschrieben“, erzählt Wilhelm. Eines ihrer ersten Konzerte spielte die Band in diesem Jahr bei „Toujours Kultur“.

Dabei ist dem Bassisten die besondere Wertschätzung des Publikums aufgefallen. „Wir mussten kurz abbrechen, weil es angefangen hat zu regnen, aber die Leute sind trotzdem dageblieben, obwohl einige im Regen saßen.“

Kommende Auftritte

Jønson X Phil spielen am 11. September im Rahmen von Eckkultur Dörfle vor dem Jubez am Kronenplatz. Sandie Wollasch spielt am 12. September mit der Brass and Fun Bigband bei „Kultur im Klappstuhl“ in Bühl. Leonie Klein spielt am 23. Oktober beim ZeitGenuss-Festival Karlsruhe. Toni Mogens spielt am 14. Januar im Jubez Karlsruhe.

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