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Investor und Stadt im Clinch

Wird der Biergarten am Rhein doch noch verhindert? So steht es um das Karlsruher Gastronomieprojekt

Einen Biergarten direkt am Karlsruher Rheinufer will ein bei der Stadt ungeliebter Investor neben seinem geplanten Eventlokal nahe der Maxauer Rheinbrücke eröffnen. Im Prinzip ist die Rathausspitze vom gastronomischen Freiluftangebot für Ausflügler begeistert. In der Praxis aber blockieren mehrer Ämter die Genehmigung, so lange niucht mehrere Auflagen erfüllt sein. Nun droht das Projekt zu scheitern.

Zur neuen Macht am Rhein der Karlsruher Gastronomie bauen Antje Knaack-Weber und Siegfried Weber und Sohn Sebastian Weber das Traditionslokal „Rheinterrassen“ als Eventlocation für Privatfeiern aus. Daneben wollen sie einen Biergarten einrichten. Foto: jodo

Ein kühles Bier am Rhein auf der Radtour an einem heißen Sommertag durch Karlsruhes Auen nach Maxau: Davon träumen auch Beamte im Rathaus. OB Frank Mentrup „begrüßt den Biergarten“. Doch das Bekenntnis gegenüber den BNN zu einer neuen Bierdeckel-Geselligkeit direkt am Wasser schlägt sich nicht in der Wirklichkeit zwischen den Aktendeckeln nieder.

Das Biergarten-Projekt des bei der Stadtverwaltung unbeliebten Karlsruher Großgastronomen und Immobilienkäufers Siegfried Weber kommt seit über zwei Jahren entgegen aller Beteuerungen aus der Rathausspitze auf dem Genehmigungsweg nicht vom Fleck.

Weber will die Freiluftschwemme für Ausflügler neben der geplanten Event-Gaststätte im früheren Fischlokal Rheinterrasse einrichten. Aber der Gang durch die Behörden bis zur Baugenehmigung und zur Schank-Konzession droht für den so umtriebigen wie hemdsärmeligen Weber im bürokratischen Labyrinth zu enden.

Viele Einwände gegen Projekt

Da beschwören die Rathausspitze und die Parteien Karlsruhes Sehnsucht, mittels neu belebter Attraktionen in Maxau und Rappenwört die Fächerstadt endlich an den Rhein zu bringen. Bereits im Herbst 2018 fragten die BNN: „Warum ist das Bierzapfen am Rhein keine leichte Sache?“

Seitdem ebbt die Flut von Einwänden gegen Webers Vorstellung und Vorgehen draußen am Strom nicht ab. Vielleicht schaukelt sich der Konflikt zwischen dem Rathaus und dem Gastro-Investor noch so hoch, dass aus dem Allgemeinwunsch nach einem Biergarten direkt am Rhein gar nichts wird.

Das Eventlokal für Privatffeiern mit b is zu 400 Gästen ist per aufwendigem Umbau aus dem Fischlokal Rheinterrassen entstanden. Foto: jodo

Weber hat viele Jahre mit selbst autorisiertem Baubetrieb für seine AAAA-Hotelwelt Kübler und das Badisch Brauhaus samt Tiefgarage zwischen Bismarck- und Stephanienstraße das Bauordnungsamt geärgert. Bis die Behörde dahinter kam, hatte Weber stets schon gebaggert und betoniert.

Letztlich kam er damit auch noch vor Gericht gegen die Stadt durch. Bei dieser Konstellation kann der Gedanke aufkommen, dass die in ihrer Amtsehre gekränkte Verwaltung alle Papier-Muskeln gegen den unbotmäßigen Karlsruher mobilisiert, um immer neue Einwände gegen sein neues Projekt zu erheben.

Immer neue kostspieligeGutachten, die völlig unnötigsind, das sehe ich nicht ein.
Siegfried Weber

Schon zwei Mal habe er auf Anweisung der Stadt den Bau einstellen müssen, klagt der Investor. „Da habe ich die Lust verloren“, bekennt er. Er denke, dank eines positiven Zwischenbescheids alle Punkte erfüllt zu haben. Doch schon stellten sich wieder Nachforderungen ein.

Gutachten, die völlig unnötig

Verhinderungsstrategie aus dem Rathaus?

So habe das Rathaus zwischenzeitlich für einen kleinen Teich im Biergarten ein Planfeststellungsverfahren einleiten wollen. Immerhin seien diese beiden Hürden inzwischen wieder abgeräumt, erklärt der Investor und rastlose Bauherr, der am liebsten selbst den Bagger fährt.

Streit gibt es auch um das Entsiegeln einer Betonfläche für die Biergartenwiese und das Anschütten von Erde für geforderte Autostellplätze oder um Bäume im Graben zwischen dem flachen Straßendamm und dem total umgebauten Traditionslokal. Weber hat den Eindruck, „dass man im Rathaus gezielt nach Argumenten für die Verhinderung des Biergartens sucht“.

Den BNN liegen interne Schriftwechsel zwischen Gartenbauamt sowie Stadtplanungsamt und Bauordnungsamt auf E-Mai-Ausdrucken vor, die diese Annahme stützen können: Dort heißt es beispielsweise, dass man „ganz ganz viele Vorbehalte“ gegen das Weber-Projekt sammeln wolle, „am besten so viel, dass es sich nicht lohnt“. Dort heißt es auch „grundsätzlich nein“. Dabei wird erwogen, dass nur die Möglichkeit zum Verhindern bestehe, „indem wir behaupten, dass die Erweiterung nicht angemessen sei“.

Das ist alles sehr dünn

Es wird beim Sammeln von Argumenten gegen das Weber-Projekt eingeräumt, „das ist alles sehr dünn“. Im Zusammenhang mit der möglichen Erweiterung der Gastronomie in Maxau wird auch der Begriff „Krebsgeschwür“ verwendet. Selbst der Hochwasserschutz wird ins Feld geführt. Dabei wird vor einer Überflutung des Biergartens gewarnt.

Allerdings herrscht auch bei den von Radausflüglern stark frequentierten Biergärten am Rhein in Neuburgweier und Leopoldshafen bei Hochwasser Land unter, was ihrer Beliebtheit keinen Abbruch tut. Weber vermutet eine seit über zwei Jahren angewandte „Verhinderungsstrategie“.

Man legt uns immer neue Steine in den Weg

Das Regierungspräsidium hat als Gewässerbehörde übrigens „keine Einwände“ gegen den Biergarten. Wenn die Stadt den Biergarten verhindern wolle, dann mache er eben das Rheinterrassen-Gelände zwischen Rheinbrücke und Yachthafen zum Bauhof für seinen Maschinenpark. Aber im Interesse seines Sohns Sebastian gebe er doch nicht so leicht auf, beteuert der vermögende Geschäftsmann. „Man legt uns immer neue Steine in den Weg“, meint die Eignerin der Immobilie am Rhein, Antje Knaack-Weber.

Hinter der Mauer am Rheinuferweg ist der Biergarten geplant. Foto: jodo

Dagegen versichert Monika Regner, die Chefin des Bauordnungsamts, gegenüber den BNN, überhaupt nichts gegen Weber geschweige einen Biergarten am Rhein zu haben. Aus zwei Gründen aber sei die Sache immer noch nicht vom Tisch: Zum einen erfülle Weber trotz wiederholter Aufforderung einfach nicht die nötigen Auflagen, zum anderen schaffe er vollendete Tatsachen, die unzulässig sind.

„Es ist ein schwieriges Projekt“, sagt Regner. Für die Baugenehmigung müssten im Außenbereich auch für den Landschaftsschutz hohe Hürden gelten. „Wir haben schon so viele Gesprächstermine mit dem Projektbetreiber gehabt“, unterstreicht sie das Engagement der Stadt für den Biergarten.

Aber wir brauchen noch Unterlagen

„Aber wir brauchen noch Unterlagen “, ergänzt sie. „Der Problemteil ist der Biergarten“, betont sie. Das Eventlokal mit der Terrasse könne von Amtswegen „ohne Probleme“ rasch öffnen. Wegen des von der Fachbehörden verfochtenen Umwelt- und Naturschutzes aber stocke der Genehmigungsprozess beim neuen Biergarten. Da gehe es eben unverändert um Bäume und Hochwasser, um Versiegelung und Lärm.

Für Weber bilden die Eventlocation für Betriebsfeiern oder Hochzeiten und der Biergarten „ein Gesamtpaket“. Keinesfalls wolle er nur den mietbaren Feierpalast realisieren. „Das soll nicht elitär sein, nicht snobistisch wirken – die Rheinterrassen sollen für alle da sein“, sagt Weber.

Bis zu 400 Privatgäste können in dem mit einer Glasfront für den freien Blick auf die Schiffe ausgebauten Fischlokal feiern. Die Traditionsadresse für die Karlsruher hat nun auch eine große Terrasse mit Markise und Windschutz. „Mit dem Eventlokal könnten wir am 1. Mai beginnen“, meint Webers Sohn Sebastian auf der Baustelle am Rhein. Doch ein Eröffnungstermin für den Biergarten ist nicht abzusehen.

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