Kinderkram
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Neues aus dem Elternalltag

Anschluss dringend gesucht

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Zu Hause ist es in den vergangenen Jahren stiller geworden. Es hat eine Weile gedauert, der Ursache auf den Grund zu kommen. Aber eines Tages fiel der Groschen: Das Festnetztelefon! Es läutet kaum noch. Wann genau die Verstummung begann, lässt sich im Nachhinein nicht mehr genau feststellen. Tatsache ist, dass in Zeiten älter werdender und Stück für Stück mit Smartphones nachgerüsteter Kinder der alte Fernsprechapparat auf seinem Ecktischchen links vom Sofa kaum noch mehr als eine rein dekorative Funktion hat.

Der stumme Fernsprechapparat

Die Zeiten, in denen das melodiöse Läuten des Kästchens die ganze Familie samt dem Hund, mehrmals am Tag, auf eine muntere Jagd nach dem schnurlosen Hörer durchs ganze Haus schickte, sind längst vorbei. Still steht es nun da, das gute Gerät. Leise rieselt der Staub auf die Basisstation. Der für das Mobilteil vorgesehene Parklatz ist verwaist, die silbernen Kontakte sind schwarz angelaufen.
Kein Familienmitglied kann (oder will) sich mehr erinnern, wo der blöde Hörer hingekommen ist. Nicht mal mehr der Hund kann seine Fährte aufnehmen. Irgendwer muss das Mobilteil irgendwann, irgendwo abgelegt und damit dem großen Vergessen anheimgegeben haben.

Wo ist der blöde Hörer?

Aber anders als die hochexplosiven Lithium-Ionen-Akkus moderner Smartphones haben die alten Batterien ja zum Glück noch Durchhaltevermögen. Neulich, die ganze Familie saß zum Abendessen um den Tisch vereint, war aus den oberen Räumen dumpf ein seltsam vertrauter Ton zu vernehmen. Fünf, sechs, sieben Mal läutete es, bevor der Groschen fiel. Das Festnetztelefon! Es klingelt!
Der Hund war als Erster im Kinderzimmer und bellte den Schreibtisch der Jüngsten an. Dort, unter einem Stapel von Bio-Arbeitsblättern („Wolltest Du die mal abheften?“) und den Rückseiten abgezogener und längst eingeklebter Panini-Bildchen („Kannst Du das nicht wegwerfen?“) förderte die junge Dame das Gerät zu Tage.

Hurra – ein Anruf!

Es läutete noch immer. Die Luft knisterte vor Aufregung. Ein Festnetz-Anruf! Wer kann das sein? Kopernikus, der mit uns über das heliozentrische Weltbild diskutieren will? Christopher Kolumbus, der die Entdeckung Indiens meldet? Der Nachlassverwalter eines vergessenen, reichen Anverwandten aus Montevideo? Natürlich nicht. Die Telefongesellschaft war’s. „Guten Tag. Ihre Anrufgewohnheiten haben sich verändert. Brauchen Sie einen neuen Vertrag?“