Kinderkram
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Neues aus dem Elternalltag

Lob des Teens

Es ist an dieser Stelle schon viel über das Leben mit Halbwüchsigen gejammert worden. Von gebrauchtem Geschirr war zu lesen, das sich in den Zimmern stapelt, von durchwachten Nächten im bläulichen Schein des PC-Monitors und von der – aus Sicht der Erziehungsbeauftragten – verschwendeten Lebenszeit in virtuellen Welten. Die Rede war auch vom Talent unserer Teens, vielköpfige Monster in dreidimensionalen Welten zu entsorgen einerseits, und ihrer Unfähigkeit andererseits, das Prinzip der Mülltrennung zu begreifen. (Kleiner Hinweis: organische und schleimige Substanzen in den Eimer mit dem grünen Deckel, Rüstungsteile aus Metall – eher so Wertstoff und Reste atomarer Sprengmunition unbedingt zur Sondermüllstelle im Wertstoffhof.)

Aber halt! Eigentlich sollte an dieser Stelle, wie es die Kolumnenüberschrift verspricht, das Lob des Teens angestimmt werden. Los geht es also, denn Teens sind toll! Warum? Erstens: Sie schlafen viel. Allein damit machen sie vieles von dem wett, was ihre Versorger in den ersten Lebenswochen und -monaten schier verzweifeln ließ. Wer dachte, er habe von der Geburtsklinik ein Kind mit defektem Schlafmodul mit nach Hause bekommen, kann spätestens nach 14 Jahren ganz beruhigt sein. Jedes Kind kann schlafen lernen. In der Tat – man muss nur lange genug warten.

Zweitens: In Sachen CO2-Ausstoß sind Teens – sofern sie noch keinen Führerschein besitzen – vorbildlich. Wenn überhaupt Strecken zurückzulegen sind, werden diese mit dem Fahrrad oder – bei widrigen Wetterlagen, sagen wir leichter Bewölkung – mit dem ÖPNV zurückgelegt. Auch was Nahrung angeht, sind sie äußerst genügsam und verzichten auf Treibhausgemüse zu Gunsten von regional erzeugten, fein filetierten und frittierten Kartoffelscheiben. Zeit- und kostensparend ist darüber hinaus ihr Verzicht auf die Zubereitung warmer Speisen, von getoastetem Weißbrot abgesehen.

Ganz allgemein ist die Effizienz eines Teenagers zu bewundern. Dazu eine kleine Episode: Neulich überraschte Sohn 1 mit der Erklärung, dass er nun gedenke, freiwillig eine Orange zu verzehren. Sprach’s, schnappte das ungeschälte Frischobst und verschwand im Badezimmer. Was er denn da mit der Orange wolle, erkundigte sich mild amüsiert die Erziehungsbevollmächtigte. „Essen!“ Unter der Dusche? „Klar. Macht weniger Sauerei.“ Bestechend, oder? Und so praktisch gedacht. Manchmal weiß man als Mutter einfach nicht, ob man nun stolz oder doch besorgt sein soll.