Kinderkram
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Neues aus dem Elternalltag

Kinder, trinkt ihr auch genug?

Ihr Deutschen seid komisch“, sagt meine Freundin mit Migrationshintergrund immer. „Ständig tragt ihr Wasser- oder Teeflaschen mit euch rum. Habt ihr Angst zu verdursten, oder was?“ Die Türkin hat recht. Obwohl tödliche Austrocknung in der Top Ten der häufigsten Todesursachen in Westeuropa nicht mal auftaucht, wird Dehydrierung von vielen hierzulande offenbar als reale Alltagsbedrohung empfunden.
„Dürfen die Kinder während Ihres Unterrichtes trinken?“ Bei Grundschulelternabenden gehört die Frage zum Pflichtprogramm. Ganz nebenbei dient sie nämlich auch der Persönlichkeitseinschätzung der neuen Lehrerin. „Jederzeit“, flötet die flotte Jungpädagogin und damit ist allen klar: „Fähige Lehrerin.“ Die Kollegin, die darauf besteht, dass bei ihr nur in den Pausen zwischen den Stunden getrunken und gegessen werden darf, wird den „old-school“-Stempel dagegen nie mehr los. Mehr als einmal wird bei Elternzusammenkünften fortan offen über den Moment ihrer Berentung nachgedacht.
Dass kleine Kinder und ältere Leute ein eingeschränktes Durstempfinden haben, liest man ja immer wieder. Diese Bevölkerungsgruppen zum Trinken zu animieren, hat also durchaus seine Berechtigung. Aber spätestens beim Übergang in die weiterführende Schule sollte jeder Mensch für seinen Flüssigkeitshaushalt selbst verantwortlich sein.
Manche Eltern können es aber einfach nicht lassen. Beim (gottlob!) letzten Elternabend der Abiklasse ereignete sich jüngst folgende Szene: Nachdem der ganze Abend im Zeichen einer permanent und penetrant scheppernden Alu-Trinkflasche gestanden hatte, meldete sich die kräutertee-trunkene Flaschenbesitzerin endlich zu Wort: „Erinnern Sie die Schüler auch daran, dass sie viel trinken sollen?“, fragte sie besorgt. Kurzes Schweigen. Darauf der Pädagoge vom Dienst: „Äh. Nein. Und ich habe noch keinen Abiturienten erlebt, den ich ans Saufen erinnern musste.“
Gelacht hat außer der Türkin und mir keiner. Aber: Super Lehrer, oder? Wirklich schade, dass er in Rente geht.