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Tag der offenen Moschee

Besucher der Bruchsaler Ahmadyya-Gemeinde sind von der Freundlichkeit angetan

Zuerst wollte er Fußballer werden, doch dann erfolgte die Berufung zum Imam. Beim Tag der offenen Moschee stellt Ikram Aslam seine neue Arbeitsstelle, die Ahmadyya-Gemeinde in Bruchsal, vor.

Männerrunde: Jugendleiter Farhan Kahlon, Präsident Musharaf Ahmad und Imam Ikram Aslam im Gespräch mit BNN-Redakteur Hansjörg Ebert. Die Frauen der Ahmadyya-Gemeinde, die am Sonntag am deutschlandweiten Tag der offenen Moschee teilnahmen, wollten nicht mit aufs Bild. Foto: Tom Rebel

Die Gastgeber haben sich viel Mühe gegeben: Im Gebetsraum haben sie eine regelrechte Ausstellung aufgebaut. Auf Rollups informieren sie in Wort und Bild über die Eigennamen Gottes, den Propheten Muhammad und die Kalifen.

Auch die fünf Säulen des Islam sowie seine Friedenslehre und die Bedeutung des Dschihad werden erklärt. Herzstück der Ausstellung ist allerdings die Präsentation des Koran, der in mehr als 30 Übersetzungen gezeigt wird.

Doch vor dem Betreten des Gebetsraum muss man die Schuhe ausziehen und im Holzregal verstauen. Der Versammlungsraum ist mit einem weichen Teppich ausgelegt, dessen Ornament Arkaden gleicht: Jeder Torbogen weist einem Beter seinen Platz zu. In Corona-Zeiten darf nur jeder dritte Platz besetzt werden.

Nur wenige Besucher beim „Tag der offenen Moschee“

Zum Tag der offenen Moschee sind nur wenige Besucher gekommen. „Bislang waren es immer 50 oder 60“, informiert Ikram Aslam, der neue Imam der Bait-ul-Ahad Moschee in der Bruchsaler Eisenbahnstraße. Diesmal nicht.

Vielleicht wegen der Pandemie, vielleicht, weil die Einladung sehr kurzfristig erfolgte. Erst seit wenigen Wochen ist der 25-Jährige in Bruchsal, zuvor hatte er 14 Semester islamische Theologie in der Nähe von Darmstadt studiert. Es ist seine erste Stelle als Imam. Aufgewachsen ist er in Heidelberg und religiös sozialisiert in der Ahmadyya-Gemeinde, der auch seine Eltern angehören.

Weltoffener Islam

Diese Gemeinde vertritt einen weltoffenen, friedfertigen Islam und wird in der muslimischen Welt nicht überall anerkannt. In Pakistan wurden Ahmadyya, die mit dem Slogan „Liebe für alle, Hass für keinen“ werben, sogar verfolgt.

Aus diesem Grund haben Aslams Eltern seinerzeit das Land verlassen und sind nach Deutschland gekommen. Hier hat die Gemeinde rund 40.000 Anhänger, rund 400 sind es in Bruchsal. Zum Freitagsgebet kommen derzeit 60 bis 70.

Meine Aufgabe ist es, den Gemeindemitgliedern spirituelle Nahrung zu geben.
Ikram Aslam, Imam

„Meine Aufgabe ist es, den Gemeindemitgliedern spirituelle Nahrung zu geben und den heiligen Koran zu lehren“, sagt Ikram Aslam, der eigentlich einmal Fußballprofi werden wollte, ehe er die geistliche Berufung verspürte.

An seiner Seite begrüßt Musharaf Ahmad die Besucher. Der gelernte Fliesenleger ist der Präsident der Gemeinde und als solcher für sämtliche Bereichsleiter und alle organisatorischen Fragen zuständig. Der 22-jährige Farhan Kahlon, ein waschechter Bruchsaler, leitet die Jugendorganisation.

Kritische Fragen gestellt

In der durch mobile Stellwände abgetrennten zweiten Hälfte des Gebetsraums treffen sich die Frauen. Dort sitzen zwei Besucherinnen aus Östringen mit einer Gruppe von Frauen der Gemeinde zusammen.

„Ich habe schon viele Moscheen in dieser Welt gesehen und wollte mir jetzt auch mal eine in Deutschland anschauen“, sagt Ursula Klasen.

Die Freundlichkeit und Herzlichkeit der Frauen beeindruckt die frühere Lehrerin. „Ich schaue gerne über den Tellerrand“, sagt ihre Freundin, auch sie ist angetan von der angenehmen Atmosphäre.

„Wir haben auch über kritische Fragen gesprochen“, bekundet Bechberger. Die Vorstellungen von Gleichberechtigung seien doch schon sehr unterschiedlich. Besonders ansprechend und inspirierend empfand sie allerdings die Friedfertigkeit und Toleranz, die die Muslima ausgestrahlt haben.

„Man könnte so einfach und friedlich religionsübergreifend zusammenleben, wenn alle so eine Einstellung hätten“, so lautet ein Fazit der Östringerin, die keine Berührungsängste mit Muslimen hat. So hat sie in der Vergangenheit auch schon eine Ditib-Mosche in Walldorf besucht und am Fastenbrechen teilgenommen.

Auch kulinarisch geben sich die Gastgeber Mühe: Am Ende des Besuchs gibt es ein pakistanisches Reisgericht mit Kichererbsen und gefüllten Teigtaschen.

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