Skip to main content

Kritik an zunehmender Ellbogen-Gesellschaft

Ausstellung „In bester Verfassung!?“ in Maulbronn zeigt „typisch deutsche“ Exponate

Das im Mai 1949 beschlossene deutsche Grundgesetz war ein Wegweiser in ein neues, erfolgreiches Gemeinwesen. Eine Erlebnisausstellung in Maulbronn zeigt mit „typisch deutschen“ Exponaten die Geschichte der demokratischen Lebensform.

Wackelig: Die Berührung der schlichten Dreiecksplatte zeigt, wie schnell das Gleichgewicht gestört werden kann. Aus der Schale in der Mitte kann sich jeder Teilnehme eine Ausgabe des Grundgesetzes mitnehmen. Foto: Foto: Eva Filitz

Von Eva Filitz

Maulbronn. „Wir müssten stolz sein – doch leider verliert das Grundgesetz in der Gesellschaft seit Jahren an Glanz“, sprach Bürgermeister Andreas Felchle Klartext in seiner Ansprache zur Eröffnung der Erlebnisausstellung zum deutschen Grundgesetz mit dem Titel: „ In bester Verfassung!?“ Man beachte zum einen das bestätigende Ausrufezeichen, aber auch das Fragezeichen und dieses schlüsselte der Bürgermeister bei seiner Eröffnungsrede am Freitagabend in der Stadthalle Maulbronn auf.

„Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt‘, zitierte Felchle den Artikel 1 aus dem Grundgesetz, Er umriss den geschichtlichen Wandel, begonnen mit den Demokratiebestrebungen in der Weimarer Republik.

Kritik an fehlendem Interesse an der Demokratie

Er streifte das dunkle Kapitel der Hitler-Herrschaft und den totalen Zusammenbruch des Dritten Reiches bis hin zum demokratischen Staatswesen der neue Bundesrepublik Deutschland, für das das im Mai 1949 beschlossenen Grundgesetz Wegweiser in ein neues, und wie sich zeigen sollte, erfolgreiches Gemeinwesen war.

„Wir müssten eigentlich bewusst auf das Erreichte stolz sein“, betonte er. „Doch im Laufe der sieben Jahrzehnte ist vieles selbstverständlich geworden, wird nicht mehr als Wert geschätzt. Demokratie lebt vom Mitmachen, aber das interessiert heute viele einen Dreck“, formulierte Felchle drastisch seine Kritik an einer zunehmenden Ellbogen-Gesellschaft, in der viele nur ein Ich, aber kein Wir mehr kennen. Wir sind in Deutschland in einer guten Verfassung - aber wir müssen ständig daran arbeiten, dass es so bleibt“, so seine eindringliche Mahnung.

Die Stadthalle war geteilt in einen kleinen Empfangsraum mit einer erheiternden offenen Ausstellung „Typisch deutsch“. Hinter geschlossenen Vorhängen lagerten die eigentlichen Exponate, die von einer Reisegruppe unter Führung von Kurator Tim Behrensmeier Ort für Ort angesteuert wurden. Die Vernissage am Freitagabend war gut besucht.

Eine wohlklingende musikalische Umrahmung boten Erika Budday am E-Pinao und die junge Violinistin Elisa Schott. Felchle dankte allen, die an dieser erlebenswerten Ausstellung mitgewirkt haben. „Den Anstoß dazu gab Pastor Wilfried Hartmann von der Süddeutschen Gemeinschaft. Mit einem finanziellen Beitrag ist die Stadt auch Träger der Veranstaltung.“ Hartmann unterstrich in seinem Grußwort die enge Bindung zwischen Grundgesetz und christlichen Werten.

Einzelne Räume sind durch schwarze Vorhänge getrennt

Kurator Tim Behrensmeier gab den Reiseführer. Den Trip durch die historische Geschichte der Demokratie „von Ort zu Ort“ gestaltete er für die angespannt lauschenden Zuhörer zu einem tiefen nachhaltigen Erlebnis. In den durch schwarze Vorhänge geteilten Räumlichkeiten waren berührende und eindrucksvolle Symbole und Schaubilder aufgebaut, die greifbar den Weg vom Elend des verlorenen Krieges bis zur Gegenwart darstellten.

Sie schlugen Brücken bis hin zu biblischen Zeiten und die vom Gott der Christen gewollte demokratische Lebensform aufzeigte. Jeder „Ort“ wurde durch die zeitgerechten Berichte und Schilderungen von Tim Behrensmeier lebendig, Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass jeder Bürger dankbar sein sollte, in einer Gesellschaft mit fundamentalen freiheitlichen Werten leben zu können.

Information

Auskünfte und Anmeldungen zu den 60 Minuten dauernden Führungen unter Telefon (07043) 1030. Die Führungen sind auch besonders für Schulklassen ab Klasse 5 geeignet.

nach oben Zurück zum Seitenanfang