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Nur wenige richtig alte Exemplare

Bäume sind wichtig fürs Brettener Stadtklima

Sie produzieren Sauerstoff, binden Feinstaub und sorgen dafür, dass sich die Luft abkühlt: Stadtbäume sind enorm wichtig für das Klima in Städten. Wirklich alte Exemplare gibt es in Bretten allerdings kaum.

Ein Bild aus vergangenen Tagen: Die alte Dorflinde in Ricklingen wurde letztes Jahr gefällt - gegen Proteste aus der Bevölkerung. Foto: Waidelich Foto: Arnd Waidelich

Er wurde einmal von der Polizei ausführlich vernommen, als er einen uralten Baum umsägen ließ, erwähnt Brettens Stadtbaudirektor Karl Velte. „Menschen hatten sich an die alte Maulbronner Linde angekettet“, erinnert er sich. Es handelte sich dabei um ein Naturdenkmal im Hof des Unesco-Weltkulturerbes Kloster Maulbronn, und Velte war damals Stadtbaumeister in Maulbronn.

Karl Velte, Stadtbaumeister der Stadt Bretten Foto: Tom Rebel Foto: Tom Rebel

Dabei bedauerte Velte es, die Linde fällen zu müssen: Sie war mit ihren rund 800 Jahren eins der ältesten Naturdenkmale in der Region.

„Auch Bäume haben eine Lebensspanne“, sagt Konrad Beisel. Sicher, manche würden viele hunderte Jahre alt, bei besten Bedingungen. Dass auch Bäume altern, erkenne man am stetig geringeren Zuwachs. Beisel ist am städtischen Bauamt zuständig für die Grünpflege.

Ein rund 200-jähriger Laubbaum oder einer mit einer Blätter-Krone von etwa 17 Metern Durchmesser braucht 600 Liter Wasser täglich. Dann ist sein Output gewaltig: bis zu 10.000 Liter Sauerstoff produziert er. „Das entspricht dem Bedarf von 50 Menschen je Tag“, sagt Beisel. Linden, Buchen oder Eichen unterscheiden sich da nur um wenige Liter, so Beisel. Nadelbäume dagegen liefern nur etwa ein Viertel hiervon.

Fünf alte „Solitäre”

Die Wasserverdunstung ist morgens am Auto zu sehen, hat man es unter einem großen Baum geparkt. Die heimischen und darum robusteren Laubbäume kühlen so ihr Umfeld – auch und gerade in Städten wichtig. Im Brettener Stadtpark stehen einige noch nicht sehr alte Kastanien. „Da warme Luft vom Boden aufsteigt und auf diese Kühlung trifft, entstehen Luftbewegungen“, erläutert Beisel.

Menschen spürten sie nicht, aber sie sind wichtig fürs Stadtklima. Im Übrigen wärmen Bäume auch den Boden unter sich im Winter und gleichen so übers Jahr Temperaturen aus. „Und“, fügt Beisel an: „Ein Baum mit über 15 Metern Krone bindet bis zu 100 Kilogramm Feinstaub, täglich.“ Stirbt er ab, gibt er das Kohlendioxid zurück, in Form von Brennholz oder beim Verrotten.

„Es gibt nicht viele alte Solitäre in Bretten“, so Velte. Er und Beisel kommen auf fünf: Die Sommerlinde am Promenadenweg, die Apotheker-Kastanie, eine Winterlinde auf dem Friedhof und eine Eiche auf dem Holstein-Gelände sowie in Bauerbach den einzigen Nadelbaum: Er steht neben dem Kircheneingang. Und ja, in der Gartenstraße reihen sich rund 80-jährige Platanen zu einer beeindruckenden Allee.

„Fünf sind nicht viele, aber Bretten hat sich baulich oft sehr verändert“, sagt Velte. Die schöne Altstadt sei stets funktional ausgerichtet worden. Er wirft einen Blick in die Zukunft. Auf dem geplanten Gartenschaugelände - die Melanchthonstadt bewirbt sich bekanntlich um die Ausrichtung einer Gartenschau im Zeitraum 2031 bis 2036 - würden viele große heimische Bäume gepflanzt.

Bevölkerung ging auf die Barrikaden

Ohne solche Großplanungen werden selten einzelne Prachtexemplare gesetzt. Die Deutsche Eiche zur Wiedervereinigung zwischen Rathaus und Seedamm ist – oder wird – ein solches und der Ersatz für die rund 260-jährige Linde in Rinklingen, so Beisel. Die Bevölkerung ging auf die Barrikaden, als sie 2019 fallen sollte und letztlich im August fiel. Umbruch- und Sturzgefahr zwangen dazu. Sie war weitgehend abgestorben.

Konrad Beisel, Baubetriebshofsleiter der Stadt Bretten und am Brettener Umweltamt auch Grünpflegekoordinator Foto: Tom Rebel Foto: Tom Rebel

Das Unternehmen Harsch spendierte als Ersatz eine etwa 20-jährige Winterlinde. Häufiger wird sogenanntes Straßenbegleitgrün gepflanzt: Bäume, die im Krankheitsfall in der Regel schlicht ersetzt werden.

Manchmal müssen alte Solitäre baumchirurgisch behandelt werden: Stützen, Verspannungen mit Seilen und ähnliche Maßnahmen gebe es aber nur für ortsbildprägende, wichtige Exemplare. Die Kosten könnten in den fünfstelligen Bereich gehen, so Beisel. „Ohne weitere Kontroll- und andere Folgemaßnahmen.“ Zweimal jährlich kontrolliere sein Team alle Bäume, belaubt und unbelaubt. Gegossen werden die alten Riesen nicht. Sie versorgen sich selbst. Bei ihrem Durst nach aberhunderten Litern braucht es viel Regen.

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