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Kommentar

Bauprojekt „Melanchthon Höhe”: Zweifel am Investor bleiben

Endlich hat der Investor für Klarheit gesorgt und Belege für seine Bauprojekte geliefert. Zweifel an der Seriosität des Vorhabens aber bleiben - ebenso die Frage, ob dessen Dimension am Brettener Stadteingang angebracht ist. Ein Kommentar von Hansjörg Ebert.

Überdimensional: Der 80 Meter hohe Melanchthon-Tower, der am Stadteingang von Bretten entstehen soll, spaltet die Gemüter. Die Architekten sind skeptisch. Foto: BVA Immobilien-Gruppe/Archtia

Die kritischen Nachfragen beim Investor des Projekts „Melanchthon Höhe“ haben zumindest ein wenig mehr Klarheit in die zahlreichen Ungereimtheiten gebracht. Nach Lage der Dinge hat die Stuttgarter Immobiliengesellschaft schon eine Vielzahl an Projekten realisiert. Das hat deren Geschäftsführer beim Pressegespräch auch nachweislich belegt. Insofern darf man die zeitweilig durchaus berechtigte Befürchtung, es handle sich um einen Luftikus, der lediglich mit Wolkenkuckucksheimen wirbt, bei Seite legen.

Offen bleibt jedoch die Frage, warum sich dieser Investor in vielen belegbaren Fällen ohne rot zu werden mit fremden Lorbeeren schmückt? Das weckt Zweifel an der Seriosität und Vertrauenswürdigkeit des Investors, der es auch geschickt versteht, die Medien gegeneinander auszuspielen. Das genehme Anzeigenblatt wird zum Interview eingeladen, die kritische Tageszeitung nicht.

Und zum versprochenen Exklusivtermin mit den BNN steht plötzlich noch ein regionaler Radiosender auf der Matte. Schade nur, dass sich die Konkurrenz so leicht vor den Karren spannen lässt und ihre Bevorzugung bei der Terminvergabe auch noch als journalistische Rechercheleistung mit Respekt honoriert haben will.

Zurück zum Projekt am Alexanderplatz. Man gewinnt den Eindruck, dass hier ein Zweitligist – und das ist jetzt nicht despektierlich gemeint – in der Champions League mitspielen möchte. Wobei für die Aufwertung des Brettener Stadteingangs ein solider Zweitligist völlig ausreichen würde.

Dass dort städtebaulich etwas passieren sollte und sich dieses Areal für einen Wohnungsbau anbietet, auch wenn es zwischen zwei Bundesstraßen liegt, ist unbestritten. Und auch die Argumentation der Stadt, dass sich dieses Areal deutlich intensiver nutzen lässt, als ein innerstädtisches, hat einiges für sich. Insofern lohnt es sich für alle Beteiligten, das Vorhaben weiterzuführen.

Über das richtige Maß und die angemessene Dimension des Gebäudekomplexes wird zu sprechen sein, ebenso über eine bedarfsgerechte Nutzung. Und auch das Erscheinungsbild als Blickfang und Aushängeschild der Stadt ist bedeutsam. Wobei die Stadt und der Gemeinderat in der Sache mehr Zugriffsmöglichkeiten haben, als derzeit eingeräumt wird. Denn da es für das Areal noch kein Baurecht gibt, müssen Stadt und Rat ein solches erst schaffen – und können dabei Pflöcke einschlagen, an denen auch der Investor nicht vorbeikommt.

Dass der mit der Bebauung am Alexanderplatz Geld verdienen möchte und die Wirtschaftlichkeit in den Vordergrund stellt, ist sein gutes Recht. Dass die Stadt an dieser exponierten Stelle nicht nur eine optisch ansprechende Landmarke haben will, sondern auch einen merklichen Beitrag zu Linderung der Wohnungsnot, das ist ihr berechtigtes Interesse. Insofern gibt es in den kommenden Wochen und Monaten viel Gesprächsbedarf und ein kritisches Auge auf die weitere Entwicklung. Gottvertrauen – so gut das an anderer Stelle auch sein mag – ist an dieser Stelle allerdings zu wenig.

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