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Händler sortieren seit Corona weniger aus

Bei den Tafeln im Raum Bretten werden die Lebensmittel knapp

Bei der Tafel können sich Bedürftige für kleines Geld mit Lebensmitteln eindecken. Seit Beginn der Pandemie geht den Tafeln im Raum Bretten allerdings die Ware aus. Das hat mehrere Gründe.

Lebensmittel für kleines Geld: Eva Bajus, Karin Sperka und Christian Radel (v. l.) bedienen die Einkäufer im Brettener Tafelladen. Wegen Corona stehen diese immer öfter vor leeren Regalen. Foto: Tom Rebel

Obst, Gemüse, Brot, Milchprodukte und Konserven: Im Brettener Tafelladen in der Weißhoferstraße wandern Lebensmittel über die Theke, die sonst in der Tonne landen würden, obwohl sie noch gut sind. Für kleines Geld können sich Bedürftige dort mit dem Nötigsten eindecken. Das Problem: Seit Beginn der Pandemie stehen die Einkäufer oft vor leeren Regalen. Der Tafel geht die Ware aus.

Das hat zwei Gründe. Zum einen fehlen die Fahrer, die aussortierte Lebensmittel bei den Händlern und Discountern in der Umgebung abholen. Vor Corona seien die Tafel-Mitarbeiter in zwei bis drei Kühlfahrzeugen unterwegs gewesen, berichtet Eva Bajus, Leiterin des Brettener Tafelladens. Man habe Händler in Maulbronn, Oberderdingen, Flehingen, Berghausen und Söllingen angefahren. Weil es nicht genügend Fahrer gibt, ist momentan nur ein Kühlauto mit zwei Fahrern im Einsatz.

„Seit Corona holen wir die Waren nur noch von Discountern und Einzelhändlern in Bretten ab“, erklärt Bajus. „Im März und im Mai werden wieder zwei Fahrer aufhören, die mit 70 Jahren zur Risikogruppe gehören“, ergänzt sie: „Wir haben dringenden Bedarf an neuen Fahrern.“

Supermärkte sortieren seit Corona weniger Lebensmittel aus

Der zweite Grund: Seit Beginn der Pandemie sortieren die Supermärkte weniger Lebensmittel aus. „Die Leute sind viel zu Hause und können nicht essen gehen. Deshalb kaufen sie mehr Lebensmittel ein“, vermutet Achim Lechner, Leiter des Diakonischen Werks in Bretten, das Träger der Brettener Tafel ist.

Bei der Tafel in Oberderdingen das gleiche Problem: „Vor einer Woche hatten wir für 26 Familien keinen einzigen Joghurt“, berichtet Tafel-Leiterin Ellen Leitenberger. Auch Pudding und Käse seien Mangelware. Das könnte an den Hamsterkäufern liegen, die seit Beginn der Pandemie die Regale in den Supermärkten leerräumen, vermutet Leitenberger. Aber nicht nur bei den Händlern fällt weniger Ware ab, auch private Spenden seien seit Corona zurückgegangen. Gestiegen sei dagegen die Nachfrage: Seit der Pandemie hätten mehr Menschen als vorher einen Tafel-Ausweis beantragt, so Leitenberger. Je rund 30 Familien kaufen an den drei Öffnungstagen bei der Oberderdinger Tafel ein, schätzt sie.

Ob mehr oder sogar weniger Menschen in Bretten zur Tafel gehen, könne man im Augenblick noch nicht sagen, erklärt indes Lechner: „Die Zahlen sind noch nicht ausgewertet.“ Die Einnahmen seien konstant geblieben. „Den großen Run gibt es nicht“, so Lechner. Etwa 40 Familien kämen an jedem Öffnungstag, schätzt Lechner.

Es kommen andere Kunden als vor Corona

Die Kundschaft sei allerdings eine andere als vor der Pandemie: „Es kommen vermehrt Menschen, die wegen einer Betriebsschließung ihren Arbeitsplatz verloren haben oder in Kurzarbeit sind“, sagt Lechner. Ältere Kunden blieben aus Angst vor einer Ansteckung eher zu Hause.

Die Brettener Tafel hat daher eine Einkaufshilfe eingerichtet: Telefonisch, per E-Mail oder über ein Online-Formular können die Kunden Ware bestellen, die die Tafel zusammen mit dem Roten Kreuz und ehrenamtlichen Helfern an Über-70-Jährige ausliefert. Zehn bis 20 Lebensmittelpakete liefere man an jedem Verkaufstag, schätzt Tafel-Leiterin Bajus.

Einkaufen geht nur mit Termin

Wegen Corona ist der Brettener Tafelladen nur an drei statt an fünf Tagen in der Woche geöffnet. Für ältere Kunden hat die Tafel einen zusätzlichen Einkaufstag eingerichtet. Einkaufen ist nur nach Terminvereinbarung möglich. „Die Kunden erhalten ein Zeitfenster, zu dem sie ihren Einkauf erledigen können“, erläutert Bajus. Um die nötigen Abstände einhalten zu können, dürfen sich höchstens drei Kunden gleichzeitig im Laden aufhalten. Es gilt eine Maskenpflicht, die Mitarbeiter tragen Handschuhe. Der Kassenbereich ist mit Plexiglas abgeschirmt.

Statt rund 20 sind laut Bajus seit der Pandemie pro Tag nur zwei bis drei Ehrenamtliche im Tafel-Laden im Einsatz. Ein-Euro-Jobber, Praktikanten und Menschen, die ihre Sozialstunden bei der Tafel abbauen, dürften zurzeit nicht eingestellt werden. Dadurch habe sich der Pool an Helfern von rund 40 auf etwa 20 Personen reduziert.

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