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Brettener Baufirma Harsch mit Pilotprojekt

Brettener Baufirma Harsch arbeitet mit gutem Erfolg mit dem neuen System „Lean Construction“

Ineffiziente Abläufe und kostspielige Terminverzögerungen - wie vielfach in der Baubranche beklagt - gehören bei der Brettener Baufirma Harsch der Vergangenheit an. „Lean Construction“ heißt das Zauberwort für die Prozessoptimierung bei sämtlichen Bauvorhaben.

Vorzeigeprojekt unter vielen: 14 Reihenhäuser in Rheinstetten sind das jüngste Vorhaben der Brettener Baufirma Harsch. Andreas Neff und Mario Harsch (rechts) zeigen das Modell, das wie das Brettener Projekt im Steinzeugpark per „Lean Construction“ umgesetzt wird. Foto: Tom Rebel

Ineffiziente Abläufe und kostspielige Terminverzögerungen gehören bei der Brettener Baufirma Harsch der Vergangenheit an. „Ich weiß heute schon, in welchem Zimmer der Maler in vier Wochen arbeitet und kann auf Monate hinaus taggenau planen, wann die Monteure welche Fertigteile verbauen“, erklärt Andreas Neff, einer der Geschäftsführer des Traditionsunternehmens.

„Lean Construction“ heißt das Zauberwort dafür. Dabei wird die Prozessoptimierung, wie sie bereits seit vielen Jahren im „Lean Management“ der Industrie Anwendung findet, auf die Bauwirtschaft übertragen. Die „schlanke Produktion“ soll vor allem die Verschwendung verhindern, und zwar von Zeit, Geld, Material und Arbeitskraft.

Brettspiel als Pilotprojekt

Pilotprojekt der Firma Harsch für die neue Arbeitsweise ist der Rückbau des ausgedienten Altenpflegeheims Im Brettspiel verbunden mit dem Neubau von Wohnungen. Mit der Bebauung im Steinzeugpark geht es in gleicher Weise weiter. „Alle unsere Projekte werden ab sofort per Lean Construction umgesetzt“, unterstreicht Neff. Wie das genau funktioniert, erklärt der für die Neugestaltung zuständige Personal- und Marketingleiter Mario Harsch.

Muster für die Zukunft: Beim Wohnungsbauprojekt Im Brettspiel hat die Baufirma Harsch erstmals das neue Konzept durchgängig angewandt. Foto: Katharina Grünling

„Wir nehmen bei der Planung das ganze Projekt in den Blick und stimmen sämtliche Arbeitsprozesse aufeinander ab“, bekundet er. Die Projektplanung erfolge auf Monate im Voraus bis ins Detail. Dabei versuche man, Probleme von vorneherein zu vermeiden. Denn Lean Construction beinhalte keine Problemlösungs- sondern eine Problemvermeidungskultur.

„Bevor der Bagger beim ersten Spatenstich in den Boden greift, weiß ich schon, wann der Elektriker in welchem Geschoss die Leitungen zieht“, erklärt Harsch. Das bringe Planungssicherheit für alle am Bau Beteiligten.

Überzeugungsarbeit nötig

Im September 2019 hatte sich die Geschäftsleitung mit ihren Führungskräften in einem Workshop zusammengesetzt, und das neue Produktionskonzept vorgestellt und diskutiert. Mit der obligatorischen Skepsis gegenüber Neuerungen ging die Führungsmannschaft an die Umsetzung und ist heute durchweg begeistert von den positiven Folgen.

Auch bei den Nachunternehmen und den Handwerkern waren viel Überzeugungsarbeit und Schulungen nötig, bis der Wandel der Arbeitskultur in den Köpfen angekommen war. Doch seither geht es laut Andreas Neff auf der Baustelle wesentlich entspannter zu: „Jeder weiß genau, was er heute zu tun hat.“

Jeden Morgen bespricht der Bauleiter mit allen aktuell am Bau Beteiligten, was an diesem Tag ansteht. Dabei wird auch überprüft, ob der Zeitplan passt oder nachjustiert werden muss.

Saubere Baustelle

„Den Rohbau Im Brettspiel haben wir im Juni taggenau fertiggestellt“, berichtet Harsch und unterstreicht damit, dass das System funktioniert. Danach ging es nach dem gleichen Strickmuster mit dem Innenausbau weiter. Weitere positiven Nebeneffekte: Auf der Baustelle liegt immer nur Material für exakt eine Woche, und sie ist sauber, wenn ein Handwerker sein Gewerk abgeschlossen hat.

Denn der Polier unterschreibt nach erfolgter Arbeit den sogenannten „Müllschein“, der der nächsten Truppe einen sauberen Arbeitsplatz garantiert. Vorbei die Zeit der Kippen und leeren Kaffeebecher in der Ecke.

Das Lean-Prinzip wendet die Firma Harsch übrigens auch in ihrem Fertigungswerk in Gondelsheim an. Auch dort werden alle Prozesse standardisiert, der Materialnachschub läuft prozessgesteuert, unnötige Wege und ineffiziente Arbeitsschritte werden vermieden. Und immer seltener müssen die Bauleiter und Capos als Feuerlöscher einspringen.

„Etwas andere Architektur“ im Steinzeugpark

Die neue Arbeitsweise soll auch im Steinzeugpark Verwendung finden. Dort sind das Baufeld 1 und 2 bereits realisiert. Jetzt steht das Baufeld drei an, das sich neben den beiden fertig gestellen Gebäuden als Mischgebiet zur Steinzeugstraße hin anschließt. Dort sollen zwei Gebäude entstehen, eines zum Wohnen und eines für Gewerbezwecke.

Dabei will die Baufirma, die im vergangenen Jahr ihren 100. Geburtstag gefeiert hat, eine „etwas andere Architektur“ favorisieren. Unter 60 Fassadenvorschläge habe man drei ausgewählt und arbeite nun am Feinschliff, sagt Geschäftsführer Neff. Gebaut werden in vier Geschossen vorwiegend Wohnungen zwischen 60 und 80 Quadratmeter. Dazu gibt es eine Penthaus-Wohnung.

Das Gewerbegebäude bekommt eine Parkgarage im Erdgeschoss und drei weitere Geschosse für Dienstleister wie Steuerberater oder Ingenieurbüros.

Wohnturm noch nicht vom Tisch

Wie das Baufeld 4 aussehen wird - ob Einzelgebäude oder ein Komplex - ist noch offen. Ob dort, wie ursprünglich einmal geplant, ein Wohnturm entsteht, ist noch nicht vom Tisch. Für eine Wohnnutzung müsste allerdings der Bebauungsplan geändert werden. Eine Veranstaltungshalle sowie ein Fitnesscenter sind ebenfalls vorgesehen.

Fest steht, dass auf dem Plateau gleich links neben der Einfahrt in den Steinzeugpark eine Kindertagesstätte für vier Gruppen entsteht. Träger soll die Kita Schneckenhaus sein. Ins zweite OG zieht das Landratsamt mit einer Inklusionseinrichtung ein.

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