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100 Kilo Äpfel bringen 65 Liter Saft

Brettener beim Apfelsaftpressen: „Die Zeiten ändern sich, da braucht man was im Keller“

Im Viertelstundentakt sind die Kunden des Saftmobils in Bretten-Neibsheim einbestellt. Menschen auch von außerhalb bringen ihr Obst zum Pressen und nehmen frischen Saft mit nach Hause. Und für das, was übrigbleibt, gibt es ebenfalls Abnehmer.

War fleißig: Vier Stunden lang hat Markus Weigele mit seiner Frau Äpfel gesammelt. Im Saftmobil wird nun Apfelsaft daraus. Im Hintergrund stampfen Jäger den Trester fest.
War fleißig: Vier Stunden lang hat Markus Weigele mit seiner Frau Äpfel gesammelt. Im Saftmobil wird nun Apfelsaft daraus. Im Hintergrund stampfen Jäger den Trester fest. Foto: Catrin Dederichs

Gummistiefel an und hinein ins Fass: Mit vollem Körpereinsatz verdichten die Brettener Jäger das, was beim Apfelsaftpressen in Neibsheim übrigbleibt. Die Apfelreste kommen im Winter als Futter für die Rehe in den Wald.

Der sogenannte Trester interessiert die Kunden des Saftmobils aber kaum. Einige beobachten zwar das Treiben, in erster Linie kommen sie jedoch wegen der Presse und natürlich wegen des Safts.

Der örtliche Obst- und Gartenbauverein (OGV) hat das Saftmobil bestellt. Die Vereinsmitglieder packen mit an, wenn jemand Hilfe braucht. Dann holen sie die Äpfel aus Kofferräumen oder von Anhängern und schütten sie in die Presse.

Winterfutter für Rehe: Brettener Jäger schaufeln den Trester in Fässer. Julian Albert (im Hintergrund) hilft ihnen dabei. Anschließend stampfen die Jäger die Apfelreste mit Gummistiefeln fest.
Winterfutter für Rehe: Brettener Jäger schaufeln den Trester in Fässer. Julian Albert (im Hintergrund) hilft ihnen dabei. Anschließend steigen die Jäger in die Fässer und verdichten die Apfelreste. Foto: Catrin Dederichs

Mit der Organisation haben sie dagegen wenig zu tun. Genauso wenig wie mit dem Verdienst. „Für uns ist das eine relativ ruhige Nummer“, sagt OGV-Vorstand Thomas Hauck. „Wir wollen den Menschen etwas anbieten. Wenn wir Geld verdienen wollten, würden wir ein Fest machen.“

Für den Ablauf ist Betreiber Thomas Wiedls verantwortlich. Im Viertelstundentakt bestellt er seine Kunden ein. Gleich am Morgen bringen Anke Doll und ihr Sohn Philip aus Heidelsheim vier Säcke Äpfel von eigenen Streuobstwiesen.

100 Kilo Äpfel ergeben rund 65 Liter Saft

Das Obst schütten Mutter und Sohn in ein Wasserbad. Die Anlage wäscht es und transportiert es über eine Schnecke nach oben. Dort mahlt eine Mühle die Äpfel klein. Sie fallen in einen Schacht und werden gepresst. Nach dem Erhitzen füllen Betreiber Wiedl und seine Mitarbeiter den fertigen Saft in Fünf-Liter-Bags. 100 Kilo Äpfel werden laut Hauck im Schnitt zu 65 Litern Saft.

Für Anke und Philipp Doll kommen am Ende 100 Liter Saft heraus. „Den trinken wir nun über den Winter bis in den Sommer hinein“, sagt die Mutter.

Letzte Station: Betreiber Thomas Wiedls füllt den fertigen Saft in Beutel. Seine Mitarbeiterin verpackt sie anschließend in Kartons.
Letzte Station: Betreiber Thomas Wiedls füllt den fertigen Saft in Beutel. Seine Mitarbeiterin verpackt sie anschließend in Kartons. Foto: Catrin Dederichs

Markus Weigele aus Neibsheim versorgt seine ganze Familie mit frischem Apfelsaft. Zusammen mit seiner Frau hat er vier Stunden lang Äpfel eingesammelt. Mit etwa 300 Kilo Obst steht er am Saftmobil, um es pressen zu lassen. „Omas, Opas, allen schmeckt der Saft sehr gut“, sagt Weigele. „Deshalb geht er auch immer gut weg.“

Die Zeiten ändern sich, da braucht man was im Keller.
Hans Albert, Kunde des Saftmobils

Auch Hans Albert bringt seine Äpfel zum Saftmobil. „Die Zeiten ändern sich, da braucht man was im Keller“, sagt er. Eben deshalb habe er sich in diesem Jahr nach langer Zeit mal wieder zum Pressen entschieden. „Ich sehe das Obst, das daliegt und verdirbt. Das muss ja nicht sein.“

Die Äpfel kommen von eigenen Grundstücken und von Bekannten. Beim Sammeln helfen seine Enkel. Enkelsohn Julian macht mit, weil es ihm Spaß macht, wie er sagt, und außerdem, weil sein Opa dabei ist. Und natürlich, weil er gern Apfelsaft trinkt. „Selber gemacht ist fast alles besser und man weiß, was drin ist.“

Auch am Samstag ist Julian zur Stelle. Stundenlang steht der 13-Jährige auf dem Saftmobil, dort wo die Apfelreste herunterfallen. Dann schiebt er den Trester zur Seite. Oder er schaufelt ihn gleich in die Fässer der Jäger für die Rehe im Winter.

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