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Corona-Pandemie

Brettener Händler setzen im Lockdown auf Stammkundschaft

Mancher macht an diesem Montag mehr Umsätze als am vergangenen Samstag. Doch der Lockdown mitten im Weihnachtsgeschäft ist für viele Einzelhändler eine Katastrophe. Bleibt die Stammkundschaft treu?

Zwei Tage: Ging es in den Shoppingmeilen in Bretten bislang eher so trüb zu wie beim Wetter, hat sich das Geschehen mit der Aussicht auf geschlossene Türen am Montag etwas belebt. Foto: Irmeli Thienes



Er hat „in zwei Stunden diesen Montag mehr Umsatz gemacht als am ganzen letzten Samstag. Das ist außergewöhnlich“, sagt Wolfgang Eberhardt, Inhaber der gleichnamigen Goldschmiede in Bretten.

Seines Erachtens merkten die Menschen jetzt, dass es eng werde mit den Weihnachtskäufen. „Der Lockdown jetzt ist ganz, ganz schlecht, ausgerechnet vor Weihnachten“, sagt er seufzend. „Aber natürlich muss es sein, die Gesundheit geht vor.“ Ob er seine Werkstatt für Reparaturen geöffnet lassen dürfe, wisse er noch nicht, nehme es aber an aufgrund der Erfahrung im Frühjahrslockdown. Hätte man vor Wochen härter durchgegriffen, so Eberhardt, sähe es jetzt wahrscheinlich besser aus. Aber die Politik könne auch nicht alles vorhersehen.

Als schlecht bezeichnet Astrid Doppler ihre Stimmung vor dem harten Lockdown. Dieser schickt den Handel ab Mittwoch, 16. Dezember, wieder in Zwangspause – ausgerechnet im umsatzstärksten Zeitraum im Jahr, wie die befragten Gewerbetreibenden in der Brettener City allesamt betonen.

Ich habe in zwei Stunden diesen Montag mehr Umsatz gemacht als am ganzen letzten Samstag.
Wolfgang Eberhardt, Inhaber der Brettener Goldschmiede

Die Inhaberin des Brettener Schuhgeschäfts Regifine betrachtet ihre geschäftliche Situation als durchaus gefährdet. Winterschuhe und anderes sei seit Langem reduziert, aber kaum mehr etwas gehe jetzt noch in ausreichender Menge über die Ladentheke – und im Januar komme schon die Frühlingsware.

Das entspricht dem, was Heike Böhm vom Bekleidungsgeschäft „Formvollendet“ in der Weißhofer Straße berichtet. Sie möchte ihre Mitarbeiterin nicht wieder in Kurzarbeit schicken und setzt vor allem auf ihre Stammkundschaft. Böhm hofft, dass nicht zu viele jetzt online bestellen. Mehrere Händler haben Zweifel, ob die Regelung am 10. Januar wieder aufgehoben wird.

Hoffen, dass die Kunden treu bleiben

„Aber meine Kunden haben mir auch im Frühjahr die Treue gehalten“, sagt sie. Sie seien in Kontakt geblieben. „Ich bin seit 20 Jahren vor Ort und weiß, was ich wem anbieten kann“, versichert Böhm. Sie will, wie auch Astrid Doppler, wieder Angebote mit Fotos per WhatsApp an ihre Kundinnen schicken und entsprechende Pakete versenden. Böhm hofft, das werde auch dieses Mal gut funktionieren. „Es hätten sich besser mehr an die Regeln gehalten“, sagt sie achselzuckend zu der aktuellen Situation.

Während der Einzelhandel auch am 15. Dezember noch geöffnet haben darf, schauen die Gastronomen bereits seit dem 2. November, als der sogenannte „Lockdown light“ in Kraft trat, in die Röhre.

„Es war abzusehen, dass dieser harte Lockdown kommt, das war letztlich der einzig logische Schritt. Deshalb sehe ich das alles auch relativ entspannt“, betont Ingo Jäger. Auch die vage Hoffnung, dass Restaurants und Gaststätten eventuell doch über die Weihnachtstage öffnen dürfen, hatte der Inhaber des Alten Rathauses am Marktplatz frühzeitig aufgegeben.

Jäger, der für die FDP im Brettener Gemeinderat sitzt, geht davon aus, dass der Lockdown für den Einzelhandel flächendeckend bis Ende Januar verlängert wird. Die Gastronomie, befürchtet Jäger, wird wohl sogar bis Ende März geschlossen bleiben. „Es wäre natürlich schön, wenn wir schon früher wieder öffnen dürfen. Aber ich kann mir das auch mit Blick auf die aktuellen Corona-Infektionszahlen einfach nicht vorstellen“, sagt Jäger.

Das Beste daraus machen

Salvatore Catarraso ist einer der wenigen lokalen Brettener Händler, der auch nach dem 16. Dezember sein Geschäft noch geöffnet haben darf. „Letztlich sitzen wir alle im gleichen Boot – und wir werden alle Federn lassen müssen“, sagt der Inhaber der Kaffeerösterei Nerone zur aktuellen Situation und fügt an: „Man muss einfach versuchen, das Beste daraus zu machen.“

Da zu erwarten sei, dass spätestens nach Weihnachten noch weniger Menschen in der Fußgängerzone unterwegs sein werden als das ohnehin gerade der Fall ist, müsse man sich schon überlegen, die Öffnungszeiten entsprechend anzupassen, so Catarraso. Man muss da einfach flexibel sein, meint er. Geöffnet bleibt sein Geschäft jedoch in jedem Fall, das gebiete schon allein der Servicegedanke. „Die Leute trinken auch weiterhin ihren Kaffee – und den müssen sie ja irgendwo kaufen“, betont Catarraso: „Wir sind für unsere Kunden da.“

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