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Arzt ist unerreichbar

Brettener Hausarzt macht zu: Patienten wollen ihre Akten abholen – und stehen vor verschlossenen Türen

Dass es schwierig sein würde, an die Patientenakten bei Hausarzt Andreas Wipfler in Bretten zu kommen, zeichnete sich schon länger ab. Doch nun zeigt sich: Selbst diejenigen, die telefonisch durchgekommen sind, gehen ohne Akte wieder nach Hause.

Im Schneeregen stehen einige Patienten von Hausarzt Andreas Wipfler beisammen und machen ihrem Ärger Luft. Zugleich diskutieren sie, wie sie nun an ihre Unterlagen kommen.
Im Schneeregen stehen einige Patienten von Hausarzt Andreas Wipfler beisammen und machen ihrem Ärger Luft. Zugleich diskutieren sie, wie sie nun an ihre Unterlagen kommen. Foto: Catrin Dederichs

Der Ärger um die Patientenakten in der Praxis von Hausarzt Andreas Wipfler in Bretten spitzt sich zu. Dutzende Menschen versuchen am Mittwochvormittag, ihre Unterlagen abzuholen. Doch weit kommen sie nicht. Denn die Tür ist verschlossen, die Praxis ist offenbar schon jetzt verwaist. Einen Hinweis, warum das so ist, suchen die Patienten vergeblich.

Die angebliche Abholzeit vom 27. bis zum 30. November von 8 bis 13 Uhr und von 15 bis 19 Uhr veröffentlicht Wipfler auf seiner Homepage und in den sozialen Medien. Zusammen mit der Information, dass er Ende November seine Praxis ganz schließt.

Mit der verschlossenen Türe erreicht der Frust um die unerreichbaren Unterlagen einen neuen Höhepunkt. Denn schon seit Wochen versuchen seine Patienten, telefonisch bei Wipfler durchzukommen. Per Telefon wollte der Hausarzt seinen Patienten ermöglichen, ihre Akten anzufordern.

Das Telefon des Brettener Hausarztes ist dauerbelegt

Allerdings ging so gut wie nie jemand ans Telefon. Und einen Kontakt per Post und E-Mails lehnte er ab. Auch die Brettener Nachrichten probierten mehrfach auf allen Kanälen, den Arzt zu erreichen. Zuletzt an diesem Mittwoch um 14.16 Uhr, aber ohne Erfolg.

Auf dem Bürgersteig vor der Praxis stehen einige Patienten im Schneeregen beisammen und diskutieren. Rufe wie „Der lässt sich nicht mehr blicken“, „Unverschämtheit“ oder „Ich bin geschockt“ werden laut.

Das ist Verarsche nach Strich und Faden.
Petra Beinert
Patientin

„Das ist Verarsche nach Strich und Faden“, sagt Petra Beinert aus Ruit. Ihr Mann Thomas macht seinem Ärger ebenfalls Luft. „Mir steht es bis hier“, sagt er und zeigt sich an den Hals. Er erzählt, dass er seit 30 Jahren Patient in dieser Praxis sei. „Jetzt einen neuen Hausarzt zu finden, wird das größere Problem.“

„Das gibt es doch nicht“, schimpft auch Ralf Wächter aus Diedelsheim. „Acht Tage habe ich versucht durchzukommen. Sogar abends um 8 Uhr war belegt. Und jetzt ist niemand da.“

Gleich am ersten Tag habe ich es 50-mal telefonisch probiert, aber es ging gar nichts.
Josef-Egon Frick
Patient

Ähnlich erlebte es Josef-Egon Frick aus Knittlingen. „Gleich am ersten Tag habe ich es 50-mal telefonisch probiert, aber es ging gar nichts“, sagt er. Nach mehr als 100 Versuchen habe er aufgegeben. Frick hatte gehofft, trotzdem, also ohne Voranmeldung, an seine Akten zu kommen. „Ich bin frisch operiert. Hier liegen meine ganzen Unterlagen und nun komme ich nicht an sie heran.“

Anette Metsch aus Kraichtal-Bahnbrücken hat es dagegen tatsächlich geschafft, telefonisch um ihre Unterlagen zu bitten. Eine halbe Stunde habe sie es versucht, dann sei sie durchgekommen, sagt sie.

Ich bin echt enttäuscht.
Anette Metsch
Patientin

Doch nun steht sie genauso wie alle anderen vor der verschlossenen Praxistür. „Dabei war ich so optimistisch“, sagt Metsch. Am Telefon habe man ihr noch versprochen, die Akten herauszusuchen. „Ich bin echt enttäuscht.“

Neben all dem Geschimpfe tauschen die Betroffenen aber auch Tipps aus, um irgendwie noch an ihre Unterlagen zu kommen. Josef-Egon Frick hat sich bereits bei der Krankenkasse erkundigt, was er nun machen kann. Laut seiner Krankenkasse soll er bis Ende November abwarten, den Arzt von seiner Schweigepflicht entbinden und sich dann an die Ärztekammer wenden.

Das ist in etwa das, was die Ärztekammer auf Nachfrage der Redaktion ebenfalls empfiehlt. Oliver Erens, Ärztlicher Leiter der Ärztlichen Pressestelle Baden-Württemberg, teilt zum einen mit, dass Ärzte auch nach Abschluss der Behandlung „in der Pflicht bleiben“.

Und zum anderen schreibt er, dass beide ärztliche Körperschaften die Patienten unterstützen würden, falls „der Zugriff auf die Patientenakten erschwert sein sollte“. Die ärztlichen Körperschaften sind die Kassenärztliche Vereinigung und regional zuständige Bezirksärztekammern.

Service

Für Bretten ist die Bezirksärztekammer Nordbaden zuständig. Kontakt per E-Mail unter baek-nordbaden@baek-nb.de, telefonisch unter (07 21) 16 02 40. Die Kassenärztliche Vereinigung ist zu erreichen per E-Mail an bdstuttgart@kvbawue.de und per Telefon unter (07 11) 7 87 50.

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