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Drei Fragen

Brettener Internist zum Hausärzte-Impfstart: „Bürokratischer Alptraum“

Nicht so ganz rund wie erwartet verlief der Impfstart in den Hausarztpraxen. Der Brettener Internist Joachim Leitz hat sich dazu geäußert.

Joachim Leitz, Internist und Hausarzt aus Bretten Foto: Tom Rebel

In der vergangenen Woche seien die Praxen darüber informiert worden, dass sie in dieser Woche 18 Impfdosen des Biontech-Impfstoffs als Wochenration zugeteilt bekämen - ziemlich kurzfristig, so Leitz. Am Dienstag sei er geliefert und am Mittwoch komplett verimpft worden.

„Vom praktischen Ablauf her war das ein wahrer Bürokratie-Albtraum“, sagt der Hausarzt. Aufwendig sei auch das kurzfristige Einbestellen der Patienten gewesen, die sich hatten vormerken lassen. Gemäß den Vorgaben seien zunächst die über 80-Jährigen zum Zug gekommen sowie Schwerkranke oder jüngere Patienten mit besonderen Kriterien.

Dann seien die über 70-Jährigen an der Reihe. „Nach der Impfung waren wir alle sehr froh, dass es dann doch gut und reibungslos funktioniert hat“, bekundet Leitz. Und auch die Patienten seien glücklich, dass die Impfungen endlich in den Praxen anlaufen.

Wie lief das Impfen denn bei Ihnen an?
Leitz

Am Dienstag wurden die zugeteilten 18 Impfdosen Biontech als Wochenration angeliefert, am Mittwoch haben wir gleich alle Dosen verimpft. Dazu mussten wir kurzfristig unser Praxisteam aus dem Osterurlaub zusammentrommeln, das dankenswerterweise eingesprungen ist.

Es war kein reibungsloser Start?
Leitz

Die Politiker haben sich einen etwas unglücklichen Zeitraum für den Impfstart ausgesucht. Unglücklich ist auch die Entscheidung, dass der Abstand zur zweiten Impfung, der medizinisch flexibel innerhalb von drei bis sechs Wochen nach der ersten Impfung erfolgen sollte, auf die vollen sechs Wochen ausgereizt werden soll. Was vermutlich bei vielen Praxen die Planungen für den Pfingsturlaub tangieren dürfte. Der Plan, möglichst viele Erstimpfungen zu machen und die Zweitimpfungen weit nach hinten zu schieben, hört sich zwar vernünftig an, die Umsetzung wird aber schwierig, wenn zum aufgezwungenen zweiten Impftermin kein Personal verfügbar ist.

Wünschen Sie sich für die Praxen mehr Bewegungsspielraum?
Leitz

Die Praxen sind verunsichert und würden gerne mehr und schneller impfen, können ohne Flexibilität aber nicht richtig planen. Es macht mehr Sinn, den Praxen eine flexible Handhabung zu überlassen. Bei deutscher Bürokratie und Gründlichkeit dürfen natürlich auch der Aufnahme- und Anamnesebogen sowie die Einwilligungserklärung nicht fehlen, ohne fünf bis sechs Seiten Papier macht es die deutsche Bürokratie nicht. Und das Ausfüllen der Impfausweise und das Ausdrucken der Chargenaufkleber, die unverständlicherweise dem Impfstoff nicht beigefügt waren, kommen noch hinzu. Der Aufwand bei dieser Impfung ist mit den ansonsten üblicherweise verabreichten Impfungen nicht zu vergleichen.

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