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Ganzes Festwochenende lang

Brettener Peter-und-Paul-Fest findet wegen Corona virtuell statt

Das Peter-und-Paul-Fest fällt in diesem Jahr zwar corona-bedingt ausfällt Doch zumindest ein virtuelles Pendant mit historischen Aufnahmen und aktuellen Live-Einspielungen soll das große Brettener Mittelalterfest bekommen.

Einmarsch nur digital: Das Brettener Peter-und-Paul-Fest wird in diesem Jahr coronabedingt nur online gefeiert. Annette Frank, die IT-Spezialistin der Vereinigung Alt-Brettheim, und VAB-Marketingchef Gerhard Franck stecken mit einer Vielzahl von Mitstreitern derzeit bis über die Ohren in den Vorbereitungen. Foto: Rebel

Die Nachricht, dass das Peter-und-Paul-Fest in diesem Jahr corona-bedingt ausfällt, hat die Mittelalterfreunde im Südwesten ziemlich getroffen. Doch so ganz müssen die Peter-und-Pauler auf das historische Spektakel nicht verzichten. Auch wenn real nicht gefeiert werden kann, soll es zumindest ein virtuelles Fest geben.

Über 96 Stunden will die Vereinigung Alt-Brettheim (VAB) das mittelalterliche Treiben online aufleben lassen: mit Live-Einspielungen, aktuellen und historischen Bild- und Videosequenzen und Dokumentationen.

Und dies über das ganze Festwochenende – zwar nicht tagesfüllend, aber stundenweise und auf allen verfügbaren Kanälen. Insbesondere über YouTube sollen die Beiträge live oder als Konserve gestreamt werden, auch Facebook und Instagram werden bemüht.

Zu schade für den Papierkorb
Oberbürgermeister Martin Wolff

„Wir standen vor der Frage, machen wir was oder lassen wir es ganz bleiben“, berichtet Stadtvogt Peter Dick. Und dabei kam die Idee auf, das Fest analog zum geplanten Realprogramm digital nachzuspielen. „Zu schade für den Papierkorb“, befand auch Brettens Stadtoberhaupt Martin Wolff.

„Zunächst war klar, dass wir das Fest von der Eröffnung bis zum Schluss mit vorhandenem Material fast komplett abbilden können“, sagt Annette Franck, die IT-Spezialistin der VAB. Dann sei die Idee dazugekommen, über YouTube Live-Sequenzen einzuspielen. Daran wird derzeit mit Hochdruck gearbeitet.

Ausreichend Bildmaterial vorhanden

Die teilnehmenden Gruppen wurden angefragt, was für Bild- und Filmmaterial sie zur Verfügung stellen können. Etliche Rückmeldungen liegen bereits vor. Der Fanfarenzug hat ein Video vom Einmarsch in Hockenheim geschickt, die Bürgergruppe den Einzug in die Garküche als Bildsequenz, die Puppenspieler haben eine Szene eingereicht. Auch vom Großen Zapfenstreich gibt es Bildmaterial. Und dann natürlich Videos von den großen Schlachtszenen.

Aus der Konserve: Analog zum geplanten realprogramm stellt die VAB Filmsequenzen vergangener Peter-und-Paul-Fest ergänzt mit Livesequenzen ins Netz. Foto: Rebel

„Material haben wir genug, gerade wurden 25 Dokumentationen fürs Stadtarchiv digitalisiert“, informiert der Stadtvogt weiter. Auch den Tross von 2004 oder die Präsentation von 2018 könne man aus dem Regal holen. Das Material werde gerade gesichtet, so Dick weiter, für den die virtuelle Variante nicht nur eine Notlösung darstellt. „Die Sache hat einen besonderen Charme“, meint er.

Live-Sequenzen werden eingespielt

Die Idee, an den Festtagen Sequenzen direkt aufzunehmen und ins Netz zu stellen, kam vom Garküchen-Gründer und Schwarzerdt-Chronisten Leo Vogt. Zum Beispiel die festliche Eröffnung, irgendwo in einem Studio oder an einem geheimen Ort aufgenommen, um nicht ungewollt Schaulustige anzulocken. Oder moderierte Beiträge, Theaterstücke, Podiumsdiskussionen oder Live-Gespräche.

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So entstand das Konzept, über YouTube quasi einen eigenen Fernsehkanal abzubilden. Die Beiträge werden anmoderiert und dann eingespielt, mal eine musikalische Darbietung, mal ein Schwertkampf, mal die Vorstellung einer Gruppe im Studio – und das alles ohne Publikum. „Wir sagen ja nicht das Fest aus gesundheitlichen Gründen ab, um dann mit kleinen Festen die gleiche Gefahr heraufzubeschwören“, erklärt Dick, warum Zuschauer in diesem besonderen Fall unerwünscht sind.

Filmmaterial gesammelt: Fabian Schäfer sowie Annette und Gerhard Franck präsentieren das vorhandene Bildmaterial. Foto: Rebel

Für die technische Umsetzung ist Fabian Schäfer zuständig, der nicht nur eine leidenschaftlicher Paravicini ist, sondern auch Medien- und Veranstaltungstechniker. Der rollt mit Übertragungswagen, Kameras und Tonmischgerät an, um das Spektakel über 96 Stunden von der Festeröffnung über die Schlacht und den Zapfenstreich bis zum Schwartenmagenumzug in alle Welt zu senden. „Alle Gruppen, die Beiträge beisteuern, bekommen klare Ansagen wie sie sich bei den Vorbereitungen und Aufnahmen verhalten müssen“, erklärt Gerd Bischoff.

Finanzierung in der Corona-Krise ist noch offen

Noch nicht abschließend geklärt ist die Finanzierung. Die Stadt habe bereits Unterstützung zugesagt, und auch die BNN sind Medienpartner. Doch es werden noch Sponsoren gesucht, deren Namen dann im Vor- oder Abspann der vorbereiteten Sequenzen in der einen oder anderen Form auftauchen. Klar ist auch: Je umfangreicher das Programm wird, umso teurer wird es. „Wir versuchen, im vierstelligen Bereich zu bleiben“, sagt der Schatzmeister.

Klar ist indes, dass das Feuerwerk nicht stattfindet. Da hätte man ja plötzlich wieder eine Großveranstaltung, heißt es zur Begründung. Das bereits georderte Material wird eingelagert.

Auch Feuerwerk explodiert online

Doch auch für das ausgefallene Lichtspektakel gibt es einen digitalen Ersatz. Das Video vom Feuerwerk 2018 wird – auf You Tube mit entsprechender Musik unterlegt – online abgefeuert. Einen kleinen Trost hat Stadtvogt Peter Dick für die vielen Mittelalterfreunde aus Bretten und Umgebung noch parat: „Wir gehen davon aus, dass wir das Peter-und-Paul-Fest im kommenden Jahr wieder in echt feiern können“, sagt er. Wenn es einen Impfstoff und wirksame Medikamente gebe, dann sehe die Sache doch sicher wieder anders aus.

Das virtuelle Fest ist ab Freitag, 3. Juli, auf der Seite des Peter-und-Paul-Fests zu sehen.

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