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Insgesamt vier Infizierte

Brettener Praxis nimmt Corona-Proben auf dem Parkdeck

Die Zahl der an Corona Erkrankten in Bretten ist mittlerweile auf vier angestiegen. Und auch die Besorgnis der Patienten steigt. Im Gesundheitszentrum werden täglich rund 300 Tests gemacht. Die Rechbergklink schränkt ihre Besuchszeiten ein.

Ein Untersuchungszelt für Corona-Verdachtsfälle hat die Klinikleitung vor der Notaufnahme der Brettener Rechbergklinik aufgebaut. Foto: Rebel

Die Zahl der an Corona Erkrankten in Bretten ist mittlerweile auf vier angestiegen. Und auch die Besorgnis der Patienten steigt. Eine Brettener Praxis nimmt mittlerweile Proben auf einem Parkdeck. Die Rechbergklink schränkt ihre Besuchszeiten ein.

Der erste Corona-Fall in Bretten war am vergangenen Donnerstag im Ärztehaus im Kraichgau-Center diagnostiziert worden. Dabei handelt es sich um einen Skifahrer, der in Südtirol Urlaub gemacht hatte.

Mittlerweile gibt es drei weitere Reisebegleiter mit dieser Diagnose. Alle vier Patienten befänden sich in häuslicher Quarantäne und stünden in permanentem Kontakt mit dem Gesundheitsamt. Dies  gestern von der Pressestelle des Landratsamts zu erfahren.

Eigene Quarantäneabteilung

„Wir haben mittlerweile regelmäßige Untersuchungen bei Verdacht auf eine Corona-Erkrankung“, schildert Dr. Wolfgang Stütz die aktuelle Nachfrage in seiner Praxis. Der Internist und Diabetologe, der im Kraichgau-Center praktiziert, hat eigens für solche Patienten eine Quarantäneabteilung mit separatem Zugang geschaffen – komplett abgeschottet vom normalen Praxisbetrieb. Dort würden diese Patienten von Kollegen in kompletter Schutzausrüstung untersucht und behandelt.

„Mitarbeiter, die mit fraglich Infizierten zu tun haben, tragen einen Kopfschutz, eine Gesichtsmaske, einen Ganzkörperanzug sowie Handschuhe“, informiert Stütz über die Sicherheitsvorkehrungen für seine eigenen Leute.

Tests auf dem Parkdeck

Mittlerweile gibt es auf dem Parkdeck des Kraichgau-Centers einen separaten Bereich, wo bei Patienten ein Abstrich durch das Fahrzeugfenster abgenommen werde. In voller Montur, versteht sich. Dieses „Drive-In-Verfahren“ hält der Mediziner für eine gute Idee.

Zum einen, weil sie sein Personal schütze, zum anderen, weil sie den Betroffenen eine gewisse Diskretion ermögliche. Darüber hinaus achte man in der Praxis verstärkt auf Hygienemaßnahmen und desinfiziere Flächen und Hände noch häufiger.

Schutzmasken extrem teuer

Schutzkleidung und Artikel hat das Gesundheitszentrum nach eigenem Bekunden noch in ausreichender Zahl. Nur bei der Beschaffung der Masken gebe es Probleme. „Schutzmasken der Kategorie FFP2, die früher für 60 Cent zu haben waren, kosten auf einmal neun Euro“, berichtet Stütz von geschäftstüchtigen Lieferanten. Auf der anderen Seite müsse die komplette Schutzkleidung nach den Untersuchungsblöcken auch fachgerecht entsorgt werden. Auch das sei kein geringer Aufwand.

Das sichere Anmeldeverfahren hat sich laut Stütz mittlerweile fest etabliert. Auch die Kollegen in Bretten handhabten dies genauso: Die Leute mit Symptomen wie Fieber, Husten, Schnupfen und Gliederschmerzen rufen vorher an. Dann wird abgeklärt, wer kommen soll und was zu tun ist. Wer Kontakt mit Risikogruppen hatte, soll zuhause bleiben. Die Unsicherheit bei den Patienten ist offenkundig sehr groß: „Unser Labor in Karlsruhe untersucht derzeit rund 300 Proben am Tag, ein Dutzend davon stammen aus unserer Praxis in Bretten", informiert Corona-Kenner Stütz weiter. Und auch am Telefon gebe es großen Beratungsbedarf.

Praxen schützen sich

„Wir machen mittlerweile gar keine Tests mehr“, ist in einer anderen Praxis zu erfahren. Und Patienten mit Verdacht auf eine Corona-Infektion lasse man zum Schutz der anderen Patienten gar nicht erst in die Praxis. Sie bekämen die nötigen Infos übermittelt und müssten sich ans Gesundheitsamt wenden.

„Wir hoffen, dass für die Tests bald eine Infrastruktur außerhalb unserer Praxen aufgebaut wird“, erklärt ein anderer Hausarzt aus einem Brettener Stadtteil.  Man müsse jetzt unter den Patienten die wirklich Schwerkranken herausfischen und dürfe auch nicht vergessen, dass es daneben auch noch viele echte Grippe-Fälle gebe. Sich und seine Kollegen seien gut informiert und würden von den entsprechenden Stellen täglich auf dem aktuellen Stand gehalten. Die Patienten seien seiner Einschätzung nach schwer verunsichert. Die Kapazitäten zur Untersuchung und Behandlung hält er derzeit für ausreichend: "Jeder, der getestet werden muss, wird auch getestet", betont er, die Schwerkranken müssten in den Kliniken versorgt werden.

Drive-In auch beim Kinderarzt

Auf die Drive-In-Methode hat sich auch der Knittlinger Kinder- und Jugendarzt Cuma Özmen verlegt. „Wer in den Faschingsferien in die Risikogebieten inklusive Südtirol war, soll die Praxis in dieser Woche nicht betreten – egal ob mit oder ohne Symptome“, teilt der Mediziner per Aushang und per Facebook mit. Dies gelte auch für bereits vereinbarte Routinetermine wie Vorsorgeuntersuchungen oder Impfungen. Wer schwerer krank sei, und einen Abstrich benötige, könne zu den Randzeiten der Sprechstunden kommen.

„Dann werde ich durch die Fensterscheibe des Autos den Abstrich vornehmen“, erklärt Özmen. Falls das Kind noch kranker sei und tatsächlich körperlich untersucht werden müsse, sollen die Eltern die 116117 anrufen, damit dies im Covid-19-Container in Pforzheim oder Karlsruhe erfolgen könne.

Besuchszeiten eingeschränkt

Vor der Notaufnahme der Brettener Rechbergklinik hat die Klinikleitung ein Aufnahmezelt aufgebaut. Damit will man verhindern, dass Patienten mit Corona-Verdacht in Kontakt mit anderen Patienten kommen. Als zentrale Anlaufstelle will man sich allerdings nicht verstanden wissen. „Die Leute sollen sich zunächst an ihren Hausarzt wenden, der den Fall dann an das Gesundheitsamt weitergibt“, erklärt Susanne Stalder, die Regionaldirektorin der RKH Kliniken. Das Gesundheitsamt kontaktiere dann die Patienten und schicke sie zu ausgewählten Behandlungsstellen.

Die Brettener Rechbergklinik hat übrigens wegen der Corona-Epidemie die Besuchszeiten eingeschränkt. Pro Patient darf pro Tag nur noch ein Besucher ins Krankenhaus kommen.

Service

Hinweis der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels stand, dass in einer Brettener Praxis täglich 300 Coronavirus-Tests abgenommen werden. Die Zahl 300 bezog sich aber auf das Karlsruher Labor, das die Tests aus Bretten auswertet. Aus Bretten selbst sind es täglich nur ein Dutzend solcher Tests. Wir haben das korrigiert.

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