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Stimmung ist angespannt

Brettener Südwestumgehung: Starkes Bürgerinteresse am Infoabend in der Rinklinger Sporthalle

Emotional ging es bei der Bürgerinformation des Regierungspräsidiums zur Südwestumgehung zu. Mehr als 300 Interessierte waren gekommen. Viele waren skeptisch.

Volle Halle
Mehr als 300 Bürgerinnen und Bürger waren in die Rinklinger Sporthalle zur Bürgerinfo zur geplanten Südwestumgehung gekommen. Foto: Tom Rebel

„In 20 Jahren werden uns die Leute fragen, warum wir diese Straße gebaut haben“, gibt ein sichtlich aufgebrachter Bürger zu bedenken. „In 20 Jahren werden uns die Leute vielleicht aber auch fragen, warum wir die Straße nicht gebaut haben“, erwiderte Brettens Bürgermeister Michael Nöltner (CDU).

Die beiden Positionen geben den grundlegenden Konflikt treffend wieder, der bei der Bürgerinformation des Regierungspräsidiums (RP) in der Rinklinger Sporthalle deutlich zutage tritt. Mehr als 300 interessierte Bürgerinnen und Bürger sind gekommen, um den aktuellen Stand der Planung zur Südwesttangente Ortsumgehung Bretten zu erfahren, die große Mehrheit aus Rinklingen.

Die Stimmung ist angespannt. Die Skeptiker, die ihren Unmut über die geplante Trasse am Rinklinger Ortsrand immer wieder zum Ausdruck bringen, sind in der Mehrheit.

Heftige Vorwürfe an Politiker

Die Befürchtungen des Rinklinger Ortsvorstehers Timo Hagino, „dass es drunter und drüber geht“, erfüllen sich allerdings nicht. Doch es gibt energische Wortmeldungen, die Sinn und Notwendigkeit dieser Ortsumfahrung ganz grundsätzlich in Frage stellten, die im Bundesverkehrswegeplan als Projekt Nummer 111 im vordringlichen Bedarf festgeschrieben ist.

Und es gibt heftige Vorwürfe an die Vertreter der Politik, die das Vorhaben auf dem Podium verteidigen. „Der Verkehr wird zunehmen, darum brauchen wir eine Entlastung“, begründet OB Martin Wolff (Freie Wähler) die Notwendigkeit der Maßnahme.

Er weist die Vorwürfe an die Volks- und Behördenvertreter zurück: Die Entscheidung für dieses Maßnahme sei auf demokratischem Wege mit großer Mehrheit getroffen worden.

Im ersten Teil des Infoabends lässt das Regierungspräsidium die Fachleute zu Wort kommen. „Wir bekommen ein Drittel weniger Verkehr in Bretten, wenn wir alle Maßnahmen konsequent umsetzen“, sagt Stefan Wammetsberger vom Büro Koehler & Leutwein, der die Verkehrsprognosen erläutert. Also die Südwesttangente plus sämtliche Vorgaben, die im Mobilitätskonzept der Stadt und für die Gartenschau festgelegt wurden.

Teilumfahrung fällt aus finanzieller Hinsicht durch

Beim Vergleich der Varianten fiel die Teilumfahrung sowohl städtebaulich als auch in finanzieller Hinsicht durch: zu kompliziert, zu teuer und zu wenig leistungsfähig ist sie laut Gutachter.

Die Südumfahrung ist zudem die schalltechnisch günstigere, und bei Bau und Unterhaltung die wirtschaftlichere Variante, heißt es weiter.

Die Umweltverträglichkeitsstudie kommt zu dem Schluss, dass beide Varianten der Ortsumfahrung im Hinblick auf den europäischen Artenschutz zulassungsfähig sind. Einen konfliktarmen Korridor gebe es allerdings nicht.

„Die Südumfahrung setzt die Zielsetzung der Verkehrsentlastung von Bretten ganzheitlich um und ist deshalb die Vorzugsvariante“, fasst Helmut Wößner, der Projektleiter für den Bau der Südwesttangente, die Ergebnisse der Voruntersuchungen zusammen.

Projekt wird grundsätzlich in Frage gestellt

Doch die Zuhörer hatten ganz andere Fragen: Sie wollten wissen, warum sie so einen wertvollen Naherholungsraum für eine Straße opfern sollen, die doch nur weiteren Verkehr anziehe. Ebenso, wie das Straßenbauprojekt das Klima in der Stadt beeinflusst, und warum der geplante Tunnel just beim Waldkindergarten in der Nähe des Grillplatzes endet.

Sie erfuhren, dass nicht Straßen den Verkehr machten, sondern Menschen, dass die Trasse die Kaltluftströme nicht merklich beeinflusse und dass für einen Tunnel, der länger als 1. 000 Meter ist, strengere Vorgaben gelten würden,als für einen kürzeren, und dass man einen Tunnelbau in geschlossener Bauweise anstrebe.

Anwohner der Georg-Wörner-Straße wehren sich

Einen gänzlich anderen Akzent setzt eine Anwohnerin der Georg-Wörner-Straße, die ein vehementes Plädoyer für die Umgehungstrasse abgab. „Wir sind am meisten betroffen vom Lärm und von den Abgasen der Fahrzeuge, die Tag und Nacht keine zwei Meter von meiner Hauswand entfernt, vorbeifahren“, erklärt sie und fragt: „Sind meine Kinder weniger wert?“

Einige Fragen bleiben unbeantwortet. Etwa die, wann denn nun gebaut wird und wie lange. Ein Blick auf den zeitlichen Ablauf des Vorhabens macht jedoch deutlich, dass man noch ganz am Anfang eines sehr langen Prozesses steht.

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