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Virtuelle Treffen für den Zusammenhalt

Brettener Theaterschauspieler vermissen ihre Rollen und das Publikum

Digitale Proben funktionieren nicht für alle Theaternarren der Laienbühnen in Bretten. Aufführungen sehnen sie aber sämtlich herbei und sinnieren, wie Freiluft-Auftritte machbar sein könnten. An Hoffnung und Motivation fehlt es also keineswegs.

Nah und fern: Lauschig geht es nicht nur in dieser Szene vor. Das Gugg-e-mol-Theater Bretten ist in einem historischen Kellergewölbe zuhause, das mit maximal 70 Zuschauern „rappelvoll“ ist. Darum sind derzeit weder Proben noch Auftritte drin. Foto: Hajo Wacker

Judith Fritz ist in ihrer Werkstatt. Die Restauratorin gehört zur bunten Truppe des 40-köpfigen Brettener Theaters Gugg-e-mol. Die Schauspielerinnen, Requisiteure, Regisseurinnen oder Spielleiter sind alle ehrenamtliche Theaternarrren. Wie sie, vermissen auch die Ensemblemitglieder des Teatro Gillardo „schmerzlich“ Proben und Auftritte, das „vollständige Eintauchen in andere Menschen“, das einen aus dem Alltag hole und gerade jetzt so guttun könnte, sagt Frank Ebeling vom Gillardo.

Im Gugg-e-mol treffen ein Kommissar, Erzieher oder auch Firmenchefs aufeinander, beim Gillardo ehemaliges und aktives Personal der Firma msg Gillardon und Freude. Bald wieder Figuren ausarbeiten zu können, Stücke zu wählen, die beispielsweise einen Klassiker ins Heute holen, das alles fehle ihr, sagt auch Karin Dohmann vom Teatro Gillardo. Sie ist neben Frank Ebeling für die Kommunikation zuständig.

Wir gehen da mit Anspruch ran.
Judith Fritz, künstlerische Leiterin im Gugg-e-mol-Vorstand

„Wir erarbeiten uns gern ein Gefühl für die Atmosphäre eines Stücks, gehen da mit Anspruch ran“, sagt Judith Fritz, künstlerische Leiterin am Gugg-e-mol. Normalerweise würden zwischen November und Januar rund 13 Aufführungen platziert. Doch lange zuvor finden die Gugg-e-mol-Mitglieder schon zusammen. Sie sind parallel in mehreren Stücken eingesetzt, treffen sich erst im Zwei-Wochen-Rhythmus, vor der Aufführung dann fast täglich. 30 Proben je Stück waren nicht selten. „So sollten Ehepaare in der gleichen Gruppe eingesetzt sein, sonst sehen sie sich fast ein halbes Jahr nicht“. Judith Fritz lacht.

„Für uns funktionieren digitale Proben nicht“, sagt Judith Fritz. „Wir wollen hintergründig sein, Sinnhaftes transportieren, dies oder das in Frage stellen.“ Sie zuckt die Schultern. Nein, auch Auftrittsmöglichkeiten sieht sie auf absehbare Zeit nicht. Das bestätigt, schon für die Proben, Bärbel Eickmeier, Spielleiterin der Guggemotten, des Theaters von und für Kinder.

Bühnenbeziehungen funktionieren nur über den Wechsel von Nähe und Distanz

Die Stadt Bretten habe dem Gugg-e-mol Räume angeboten, in denen Proben, anders als in der Enge des historischen Gewölbes, mit Abstand möglich wären. Aber, so Fritz, das habe Tücken. Denn wie Axel Bajus anmerkt, lebten Bühnen-Beziehungen vom Spannungsverhältnis aus Nähe und Distanz. Fritz: „Wo also Nähe komplett fehlt, ist das schwierig.“

Die Pandemie erfordere auch, das Arbeits- und Privatleben neu zu ordnen. Judith Fritz: „Wir kommen also nicht so richtig weiter“, trotz Suche nach Stücken, die in kleinen Gruppen für eventuelle Freiluft-Aufführungen taugen würden. Beide Theater planen Outdoor-Aufführungen. Das Gillardo war immer wieder auch zu Gastspielen beim Gugg-e-mol.

Ihr fehlten die Glanzlichter der Abendvorstellungen, teilt die Souffleuse des Gugg-e-mol, Eva-Maria Nagora, mit und sie vermisse das Publikum. Bajus, Kommissar im echten Leben, wünscht, die Situation werde nun von Jüngeren genutzt, sich einzubringen. Ebeling vom Gillardo fehlt die Inspiration aktueller Stücke des Profi-Theaters, wie er sie sonst beim Staatstheater in Stuttgart finde. Sein Kollege Uwe Wicklow sieht die Situation derzeit als Chance, die eigene „Rille zu verlassen“.

Wie ein Hörspiel, aber sicher spannend

Da ein großes Stück mit allen acht Schauspielern fürs Gillardo nicht umsetzbar war, treffen sich nun zwei Gruppen. Digital besprachen sie eine zeitgenössische Komödie und einen Klassiker. Nun werde der Text mit entsprechender Dramaturgie in verteilten Rollen gelesen. „Nicht einfach, aber besser als Stillstand“, findet Karin Dohmann. Im Februar schon wollen beide Teilgruppen einander gegenseitig ihre Stücke vorstellen, was einem Hörspiel ähneln könnte, „aber es wird sicher spannend“, so Dohmann.

An Hoffnung und Motivation mangelt es nicht und alle wünschen, ihr Publikum möge ihnen treu bleiben. Als Amateure haben sie im Lockdown keine großen finanziellen Verpflichtungen. Das Gugg-e-mol zahlt neben der Miete des Theaters Nebenkosten-Abschläge und Versicherungen von um die 300 Euro im Monat. Judith Fritz: „So freuen wir uns, dass manche ihre Karten nicht in Geld zurücktauschen sondern spenden.“

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