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Umfrage

Brettener Wochenmarkt-Besucher halten Lockerungen teilweise für verfrüht

Umfrage in der Brettener Innenstadt: Was halten die Besucher des Wochenmarkts von der Entscheidung der Bundesregierung, dass Grundrechtseinschränkungen für Geimpfte und Genesene bald wegfallen sollen?

Für Corona-Geimpfte soll es demnächst Lockerungen geben. Was sagen die Besucher des Brettener Wochenmarktes dazu? Foto: Christopher Neundorf/dpa

Das Bundeskabinett hat am Dienstag eine neue Verordnung beschlossen, wonach Kontakt- und Ausgangsverbote für Geimpfte und Genesene wegfallen sollen.

Weil das Robert Koch-Institut (RKI) eine Virusübertragung durch Geimpfte aber nicht ausschließen kann, müssen sie die Hygieneauflagen auch weiterhin befolgen. Wenn nach dem Bundestag auch der Bundesrat die Verordnung noch in dieser Woche absegnet, könnten die Lockerungen schon am Wochenende gelten.

Noch haben aber nicht alle Altersgruppen ein Impfangebot erhalten. Bretten hat als eine der ersten Kommunen am Montag erst damit begonnen, die über 60-Jährigen zu impfen. Wie beurteilen die Besucher des Wochenmarkts in der Melanchthonstadt vor diesem Hintergrund den Vorstoß der Bundesregierung?

Erst Impfangebot für alle, dann Sonderrechte

„Wenn es solche Rechte für Geimpfte gibt, sollte auch genügend Impfstoff zur Verfügung stehen“, sagt Esther Mendel. Viele Impfzentren in Deutschland klagten aber immer wieder über eine Unterversorgung, ebenso die Hausärzte. Lockerungen hält die 55-jährige Brettenerin deshalb für verfrüht. „Es sollte erst ein Angebot für alle Altersklassen gegeben haben, bevor man über Sonderrechte diskutiert“, findet sie. Sie selbst hat sich am vergangenen Samstag zum ersten Mal den Wirkstoff von Biontech/Pfizer verabreichen lassen.

Mit der Impfung ist alles bald vorbei: Das glaubt Klaus Rügamer aus Maulbronn. Foto: Philipp Fess

Klaus Rügamer ist aus Maulbronn zu Besuch in Bretten. „Ich bin dafür, dass Geimpfte mehr Freiheiten bekommen“, sagt der 76-Jährige, der Ende Mai seine zweite Biontech/Pfizer-Injektion bekommt. Für den Tübinger Hersteller hat er sich nicht selbst entschieden, „unsere Nachbarin hat für uns direkt einen Termin organisiert, quasi eine Form von Nachbarschaftshilfe“, sagt Rügamer schmunzelnd. Wenn genügend Impfstoff zur Verfügung stehe, spreche aus seiner Sicht nichts gegen eine Lockerung für Geimpfte.

Wir haben bisher knapp sieben Millionen Menschen zweimal geimpft, wenn diese Zahlen weiter steigen, ist die Sache bald gegessen.
Klaus Rügamer

„Wir haben bisher knapp sieben Millionen Menschen zweimal geimpft, wenn diese Zahlen weiter steigen, ist die Sache bald gegessen“, glaubt Rügamer. Die Grundrechte derer, die sich gegen eine Impfung entscheiden, werden ihm zufolge zu Recht eingeschränkt. „Es sterben ja Leute“, sagt der Senior, „die große Frage ist aber natürlich, ob die Impfung auch die Übertragung verhindert.“

Fokus auf die Herdenimmunität: Michael Schwarz zieht Impfungen einer Durchseuchung vor. Foto: Philipp Fess

Auch für Michael Schwarz ist die Ansteckungsgefahr das entscheidende Kriterium für die Einführung von Lockerungen für Geimpfte. „Man kann aber keinen dazu zwingen, sich impfen zu lassen“, sagt der 49-Jährige aus Bretten. Seine Frau hat ebenfalls demnächst den zweiten Impftermin. Um eine Herdenimmunität zu erreichen, zieht er die neue Impfstrategie der alten Durchseuchungsmethode vor, „anders bekommt man das nicht gelöst“, glaubt er.

Kriterien für Öffnungen kaum nachvollziehbar

Mit den Grundrechtseinschränkungen könne er leben, die Kriterien für die Öffnungsstrategien kann er hingegen nicht immer nachvollziehen, betont Schwarz. Zum Beispiel, warum Niedersachsen seine Inseln nur für Einheimische öffnet, obwohl doch eine umfassende Teststrategie in Kraft ist, die eine mögliche Ansteckungen unter allen Menschen verhindern soll, die sich etwa auf Norderney, Borkum oder Langeoog aufhalten.

Ich habe kein Problem damit, wenn für Geimpfte jetzt die Grundrechtseinschränkungen wegfallen.
Tobias Speck

„Ich habe kein Problem damit, wenn für Geimpfte jetzt die Grundrechtseinschränkungen wegfallen“, sagt daneben der 34 Jahre alte Tobias Speck. Benachteiligt oder gar diskriminiert fühlt sich der Brettener nicht, obwohl er mit seinen 34 Jahren zu der niedrigsten Priorisierungsgruppe gehört, die von der Covid-19-Erkrankung am wenigsten betroffen ist. „Ich stelle da eher das große Ganze in den Vordergrund“, erklärt Speck. Wenn alle Menschen ein Impfangebot bekommen haben und wieder ohne Test in die Läden zum Einkaufen gehen können, wird vor allem der aktuell schwer unter den Corona-Maßnahmen leidende Brettener Einzelhandel davon profitieren, ist er sich sicher.

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