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Kommunalwahl

CDU Bretten im Wahlkampf zwischen Lob und Enttäuschung

Das Werben um Wählerstimmen nimmt in Bretten Fahrt auf. An einem Stand in der Innenstadt bat die CDU am Samstag um Anregungen aus der Bürgerschaft für das eigene Wahlprogramm.

Bürgermeister Michael Nöltner und JU-Vorsitzender Simon Merl (beide Mitte) suchten das direkte Gespräch mit Bürgerinnen und Bürgern.
Bürgermeister Michael Nöltner und JU-Vorsitzender Simon Merl (beide Mitte) suchten das direkte Gespräch mit Bürgerinnen und Bürgern. Foto: Florian Ertl

Noch nur einige Wochen sind es bis zu den Kommunalwahlen am 9. Juni. Nach und nach füllen sich die Kandidatenlisten der Parteien und Wählergruppen. Der Wahlkampf nimmt Fahrt auf, die CDU in Bretten macht da keinen Unterschied.

Auf dem Brettener Wochenmarkt zeigte die Union vor dem Melanchthonhaus Präsenz, um dort mit den Menschen der Stadt und dem Umland ins Gespräch zu kommen.

Bürgerinnen und Bürger sollten am Stand ihre Vorschläge und Anliegen für die kommenden Wahlen direkt vorbringen können. Ein kleiner Stand als Plattform für den direkten Dialog zwischen Politikern und Bürgern? Das sei ganz im Sinne des Wahlkampfmottos der CDU Bretten „Ihre Stimme, unser Auftrag“, sagte Simon Merl, Vorsitzender der Jungen Union Kraichgau.

Der 18-Jährige betonte die Bedeutung dieser Aktion: „Es ist uns wichtig, die Stimmen und Ideen der Bürger in unsere politische Arbeit einzubeziehen. Nur so können wir sicherstellen, dass wir die tatsächlichen Bedürfnisse und Wünsche der Brettener in unserem Programm berücksichtigen.“

Auch Frust und Enttäuschung begegnet der Brettener CDU

Zudem merkte Merl an, dass es sich bei den CDU-Ständen auf dem Wochenmarkt nicht um ein reines Wahlkampfangebot handle. Seit Mai 2023 sei die Partei alle zwei Monate mit einem Stand am Ort vertreten gewesen. „Wir möchten auch unabhängig von Wahlen Präsenz zeigen und den Brettenern zuhören“, sagte der Abiturient und Gemeinderatskandidat.

Das dauerhafte Engagement an der Basis könne Vertrauen schaffen und sei für die Menschen glaubwürdiger, als ein sprunghafter Wahlkampf wenige Monate vor einem Urnengang.

Von den Bürgern wurde diese Initiative mit gemischten Gefühlen aufgenommen. So fand der Diedelsheimer Marlon Späth lobende Worte für die Bemühungen der Christdemokraten: „Es ist schön zu sehen, dass sich Politiker regelmäßig hierher begeben, um einfach mal zuzuhören.“

Er habe zwar keine konkreten Ideen für das Wahlprogramm vorgebracht, aber zumindest etwas über die Positionen der CDU zu lokalpolitischen Themen erfahren. „Es fällt schwer, konkrete Forderungen an Kommunalpolitiker zu stellen, wenn die eigentlichen Fehler auf Bundesebene gemacht werden“, meinte Späth.

Jana Petrowa, eine Besucherin des Wochenmarkts, machte laut eigenen Angaben einen großen Bogen um den CDU-Stand. „Es ist ja schön, dass die hier zeigen wollen, dass Politik nicht nur hinter verschlossenen Türen stattfindet. Aber die Bereitschaft zuzuhören, überzeugt mich bei Politikern schon lange nicht mehr“, sagte die Oberderdingerin. Sie habe in Versprechen von Parteien kein Vertrauen und halte auf kommunaler Ebene unabhängige Kandidaten oder Bürgerlisten für die besseren Alternativen.

Wir tragen dazu bei, dass wir die Kommunalwahlen bekannter machen.
Michael Nöltner
Bürgermeister Bretten (CDU)

Die CDU Bretten versprach indes, die während des Wochenmarkts gesammelten Anregungen ernsthaft zu prüfen und in ihr Wahlprogramm für die kommende Kommunalwahl einzubeziehen. „Unsere Stadt lebt von der Vielfalt ihrer Bürgerinnen und Bürger. Daher ist es uns ein Anliegen, dass ihre Stimmen Gehör finden und in konkrete Maßnahmen umgesetzt werden“, erklärte Bürgermeister Michael Nöltner (CDU).

Die Union will die Kommunalpolitik in den Fokus stellen

Die regelmäßige Präsenz auf dem Wochenmarkt hat nach Überzeug des Kandidaten für Oberbürgermeisterwahl aber auch noch einen weiteren Nutzen. „Wir tragen dazu bei, dass wir die Kommunalwahlen bekannter machen“, so Nöltner. In Funk und Fernsehen gehe diese entscheidende Abstimmung oft unter.

Es liege an den örtlichen Akteuren, für diese zu werben. „Die Kommunalpolitik wird oft unterschätzt. Dabei hat sie einen weitaus direkteren Einfluss auf das Leben der Menschen“, ist der Neibsheimer überzeugt.

Der Bau von Kindergärten und Schulen, die Sanierung von Straßen, die Organisation der Müllabfuhr, die Nahversorgung und vieles mehr liege in der Verantwortung kommunaler Gremien. Das sei nicht allen Bürgerinnen und Bürgern bewusst. Es gehe deshalb auch darum, politische Entscheidungsebenen zu erklären.

Tatsächlich vermischten sich in der Wahrnehmung einiger Standbesucher so manches bundespolitisches Thema mit kommunalen Anliegen. So beschwerte sich ein Senior im Anschluss an seine Kritik zum geplanten Ausbau von Freiflächenphotovoltaikanlagen über die eigene Rente. Die reiche nicht mehr für das tägliche Auskommen.

„Wir nehmen solche Rückmeldungen natürlich ernst, müssen aber immer dazusagen, dass wir beispielsweise Kritik an der Rentenpolitik nur an andere Stellen weitergeben können“, sagte JU-Vorsitzender Simon Merl. 

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