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Gastronomen leiden unter dem Herbst-Lockdown

Essen zum Mitnehmen wird von Brettenern nur spärlich nachgefragt

Der Take-Away-Service soll den Gastronomen während der verordneten Schließung zumindest ein bisschen Umsatz bescheren. Doch von kostendeckendem Arbeiten sind die meisten Wirte meilenweit entfernt.

Essensausgabe durchs Fenster: Schweizerhof-Inhaberin Nadja Oberdorfer reicht Achim Pfitzner (Mitte) und Max Wolf ihr bestelltes Essen. Pro Tag werden im Schweizerhof etwa zehn bis 15 Essen durchs Fenster seitlich im Gässle ausgegeben. Foto: Christof Bindschädel

Verschlossene Schankräume, keine Gäste, keine Einnahmen: Vor allem die Gastronomie-Branche leidet unter dem neuerlichen Lockdown. Wie im Frühjahr, als Restaurants, Gaststätten, Speiselokale sowie Bars und Kneipen rund zwei Monate lang nicht öffnen durften, bieten auch jetzt wieder einige Gastronomen Essen zum Bestellen und Mitnehmen an.

Allerdings ist das Take-Away-Angebot im November nicht so stark nachgefragt, dass es sich finanziell lohnen würde. Doch der Tenor unter den Gastronomen ist einhellig: Zum einen will man diesen Service den eigenen Stammkunden einfach bieten, zum anderen will man der Öffentlichkeit so zeigen, dass man noch da ist.

Angst vor Corona schreckt die Leute ab

„Es läuft wirklich sehr schleppend, das war im Frühjahr noch ganz anders“, sagt Roland Iwangoff – und der Inhaber des Brauhauses Löwenhof muss es wissen. Während des ersten Lockdowns haben Iwangoff und sein Team erstmals Essen zum Abholen angeboten.

Bis zu 35 Bestellungen täglich gingen damals im Brauhaus ein. Jetzt sind es, so Iwangoff, etwa fünf bis zehn am Tag unter der Woche und am Wochenende etwa zehn bis 15. „Man merkt einfach, dass die Angst bei den Leuten viel größer ist als noch vor einem halben Jahr“, meint der Gastwirt. Erschwerend komme dazu, dass der November ohnehin generell ein schwacher Monat für die Gastronomie sei, betont Iwangoff.

Aktuell kann man beim Löwenhof noch sämtliche Gerichte auf der Speisekarte bestellen, wobei oftmals Rouladen mit Rotkohl und Kartoffelpüree gewünscht sind. Sollten die Gaststätten allerdings auch im Dezember nicht öffnen dürfen, dann werde man das Angebot reduzieren. „Wir werden dann eine kleinere Karte haben, die auf den Winter und dabei vor allem die Weihnachtszeit ausgerichtet ist“, verrät Iwangoff. Die Kunden könnten sich dann auf Hirschgulasch, Ente, Rehbraten und weitere Wildgerichte sowie die passenden Beilagen freuen, meint der Löwenhof-Wirt.

Kostendeckendes Arbeiten ist nicht in Sicht

Neuland ist das Bestell- und Abholangebot dagegen für Nadja Oberdorfer, doch auch die Inhaberin des Schweizerhofs kann nur von sehr verhaltener Nachfrage berichten. „Die Leute wollen uns schon unterstützen, aber das reicht halt nicht. Es ist einfach etwas anderes, wenn man essen gehen kann, als wenn man Essen bestellt und mitnimmt“, meint Oberdorfer, die pro Tag etwa zehn bis 15 Essen durch das Fenster seitlich im Gässle an die Kunden ausgibt. Kostendeckend sei das natürlich nicht, so Oberdorfer, obwohl der Schweizerhof aktuell personell „auf Sparflamme“ sei.

Für uns geht es in erster Linie darum, Präsenz zu zeigen.
Nadja Oberdorfer / Inhaberin Schweizerhof

„Für uns geht es in erster Linie darum, Präsenz zu zeigen“, betont die Schweizerhof-Inhaberin, nachdem man bis dato gänzlich auf ein „Essen to go“-Angebot verzichtet hatte. Während des Lockdowns gibt es allerdings ein reduziertes Speisenangebot.

Achim Pfitzner und Max Wolf jedenfalls sind froh, dass Oberdorfer und ihr Team diesen Service nun anbieten. „Sonst haben wir auf der Baustelle nur Vesper. Aber etwas Warmes zu essen zwischendurch ist schon klasse“, erzählen die beiden Arbeiter der Firma E. + E. Egler aus Knittlingen, die aktuell Fassaden-Arbeiten am Schweizerhof erledigen.

Kunden unterstützen die Gastronomen gerne

„Wir haben letztes Jahr auch schon hier gearbeitet und waren damals einige Mal hier essen – da weiß man einfach, was man bekommt“, erklären Pfitzner und Wolf, die sich für Saure Linsen mit Spätzle und Wienerle sowie Käsespätzle mit Pfannenzwiebeln und Salat entschieden haben.

An diesem Tag holt auch Marcel Henschel für sich und einen Kollegen im Schweizerhof das Mittagessen. „Wir nutzen dieses Angebot fast täglich. Wir sind froh, dass die Gastronomen das machen“, erklärt Henschel: „Es ist gut, dass die Gastronomen diese Möglichkeit haben und so ein bisschen Umsatz machen können – das muss man dann auch unterstützen.“

Über mangelnde Unterstützung seitens der Kundschaft und damit über mangelnde Nachfrage kann man sich diesbezüglich bei der Metzgerei Geist und im Gasthaus zum Hirsch nicht beschweren – ganz im Gegenteil. Wie schon während des ersten Lockdowns gehen auch jetzt wieder bis zu 100 Portionen am Tag beim Mittagessen-Außer-Haus-Verkauf über den Tresen, sagt Inhaber Jürgen Geist.

„Es ist natürlich schön, dass unser Angebot so gut angenommen wird. Das zeigt aber auch, dass der Bedarf da ist. Der Markt braucht das scheinbar ganz dringend“, erklärt der Metzgermeister. Viele ältere Kunden würden das Angebot nutzen. Ein absoluter Renner sei stets Sauerbraten mit Semmelknödel und Rotkraut, so Geist, zuletzt habe man davon 120 Portionen verkauft.

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