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Ordnungshüter geben Auskunft

Corona-Petzer in der Region: Wie viele solcher Anzeigen gibt es wirklich?

Ein Lieferdienst meldet einen Konkurrenten, der sonntags ausliefert. Gäste melden eine Bedienung ohne Maske und Nachbarn teilen der Behörde mit, Oma und Opa feierten im Garten drüben mit: Auch in Bretten kommt es zu solchen Anzeigen wegen Corona-Verstößen.

Der Kommunale Ordnungsdienst kontrolliert in den Grünanlagen der Stadt. Foto: jodo

Ängste vor Ansteckung und Unsicherheit über gültige Regeln führten in der bisher ersten Pandemie-Hälfte zu vermehrten Anrufen, selten aber zu böswilligen oder falschen Anschuldigungen. Das teilen beispielsweise das Ordnungsamt Bretten oder das Polizeipräsidium Heilbronn mit. Dessen Pressesprecher Carsten Diemer, ist auch zuständig für den Bereich um Eppingen, aus dem es laut Lesern mehrere Falsch-Anschuldigungen gegeben habe.

Zehntausende Verstöße hat es in Baden-Württemberg gegen die Corona-Verordnungen bereits gegeben. Zahlen über den Großraum Bretten sind aber nicht zu bekommen. Grund ist, dass Ordnungsbehörden jedem Hinweis folgen müssen, sich aber das meiste vor Ort schnell klären lasse. So werde es nicht aktenkundig und lasse sich nicht statistisch nachhalten. Das erklären übereinstimmend Simon Bolg vom Ordnungsamt Bretten, als auch Bernhard Brenner, Revierleiter der Polizei und Carsten Diemer.

Selbst nachfragen: So ließe sich vieles klären, sagt Simon Bolg, Leiter des Ordnungsamtes Bretten Foto: Rebel

Angeschwärzt: Selten seien Brettener so unfreundlich, sagt Bernhard Brenner, Revierleiter in Bretten. Foto: pr

Anzeigen wegen zerkratzter Autos, die mit auswärtigem Kennzeichen in Anwohnerstraßen standen, als man nicht reisen durfte? Fehlanzeige. Bolg und Brenner berichten von jeweils rund 15 bis 20 Anrufen beim Revier sowie beim Ordnungsamt über die ganzen Corona-Wochen hinweg, manche eventuell deckungsgleich – „aber insgesamt also wenige Fälle pro Woche“, so Brenner.

Es ist unangenehm zu hören, 'habt ihr nichts
Besseres zu tun?'Bernhard Brenner, Revierleiter Bretten

„Immer wieder zeigt sich vor Ort, dass alte Streitigkeiten im Hintergrund existieren“, so Brenner. Die Kollegen wüssten dies aber meist schnell einzuordnen. Meist basierten Anrufe auf Unkenntnis. Laut Bolg meldeten Supermarkt-Kunden einen vermeintlich bekanntermaßen positiv Getesteten beim Einkauf gesehen zu haben. Seine Quarantäne war aber seit Tagen abgelaufen.

Gäste meldeten eine Bedienung ohne Maske, ein Gewerbetreibender zeigte einen Mitbewerber an, der sonntags ausliefere oder Großeltern seien im Nachbargarten an der Familienfeier dabei – vieles ließe sich selbst klären, so die Behördenvertreter übereinstimmend, durch eigene Information oder ein direktes Gespräch beispielsweise.

Es gibt Fälle von Neid und Sozialkontrolle.
Simon Bolg, Leiter des Ordnungsamts Bretten

Der Lieferdienstinhaber wusste nicht, dass sein Konkurrent auch einen Gastronomiebetrieb habe. Er dürfe also sonntags ausliefern. „Die Gäste im Restaurant wussten nicht, dass die Bedienung draußen keine Maske aufsetzen muss“, sagt Bolg. Und die Großeltern dürften mit Familienmitgliedern direkter Linie inzwischen wieder feiern.

Rasantes Verordnungs-Tempo verunsichert

Solches selbst zu klären, so Bolg, anstatt jemandem die Polizei ins Haus zu schicken, könne viel Aufwand ersparen - allen Beteiligten. Andere unnötig anzuschwärzen sei auch „unfreundlich“, so Brenner und koste die Polizei unnötig Zeit.

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Es gebe also Fälle von Sozialkontrolle oder Neid, so Bolg. Man sehe sie aber unter der Prämisse von Existenz- und anderen Ängsten. Auch verstehen die Ordnungshüter, wie schwer es Bürgern fallen müsse, den sich rasant ändernden Regelungen zu folgen.

Es wäre einfacher, wieder nur Verbote festzuhalten
Simon Bolg, Leiter des Ordnungsamtes Bretten, zu Corona-Verordnungen

Bolg: „Es ist ja für uns schon schwer und wir befassen uns dauernd damit. Es begann mit sechs Seiten Corona-Verordnung. Dann kamen Lockerungen hinzu und Änderungen. Inzwischen sind wir bei 23 Seiten angelangt.“ Bolg seufzt. „Es wäre deutlich einfacher, dazu zurückzukehren, nur die Verbote festzuhalten."

„Wenn jemand anderen die Polizei ins Haus schickte, ist es nicht die Regel“, so Revierleiter Brenner, allerdings sei es, so der Polizeibeamte, „unangenehm, für uns, anhören zu müssen, ob wir nichts Besseres zu tun haben und auch für den, bei dem die Polizei unberechtigterweise auftaucht.“

Auch vor Corona gab es immer Hinweise

Martin Zawichowski, Pressesprecher des Landratsamtes Karlsruhe, das auch Ordnungs- und Aufsichtsbehörde ist: „Wir können aus unserer Sicht nicht bestätigen, dass es im Zuge Corona vermehrt Anschuldigungen gibt oder gar Denunziantentum.“ Es gebe im Einzelfall Hinweise auf bestimmte Sachverhalte, die aus Bürgersicht verkehrt liefen, so der Pressesprecher. „Aber das haben wir auch vor Corona immer gehabt.“

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