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Drei Fragen an Christian Schick

Der Betriebsrat schaut nur zu: Wie ist es, bei der Firma Deuerer in Bretten zu arbeiten?

Der Brettener Tiernahrungsmittelhersteller Deuerer beschäftigt auch viele Leiharbeiter aus Osteuropa. Diese wohnen häufig auf eigene Kosten unter widrigen Umständen in überteuerten Unterkünften. Und wie geht man am Arbeitsplatz mit diesen Menschen um?

Christian Schick Foto: Sabine Schick

Christian Schick, Sekretär der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätte Mittelbaden-Nordschwarzwald, ist auch für den Brettener Tiernahrungsmittelhersteller Deuerer zuständig.

Im Interview berichtet er BNN-Redakteur Hansjörg Ebert davon, unter welchen Bedingungen die Angestellten bei Deuerer ihre Arbeit verrichten müssen.

Wir bewerten Sie als Gewerkschaft die Arbeitsbedingungen in der Produktion beim Tiernahrungsmittelhersteller Deuerer?
Schick

Die Arbeitsbedingungen an den Maschinen sind vor allen Dingen im Sommer extrem, da es in der Produktion in Rinklingen keine Klimaanlage gibt. Etliche Schichtführer und Abteilungsleiter sind menschlich nicht kompetent, sodass Konflikte vorprogrammiert sind. Fortbildungen und Weiterbildungen für MitarbeiterInnen gibt es so gut wie keine. Bei Konflikten am Arbeitsplatz herrscht das Recht des Stärkeren. Es ist eine Art Basta-Politik, nichts wird hinterfragt und verändert. Es erfolgt danach entweder die Kündigung oder von heute auf morgen die Versetzung an einen anderen Arbeitsplatz. Es gibt aus meiner Sicht keine klare Struktur in der Firma, die den Beschäftigten, ob Leiharbeitnehmern- oder Festangestellten, aufzeigt, wo im Konfliktfall kompetente Ansprechpartner sind. Jeder Beschäftigte muss damit rechnen, selbst in die Schusslinie zu geraten.

Was tut denn der Betriebsrat, um die Arbeitsbedingungen zu verbessern?
Schick

Der Betriebsrat schaut tatenlos zu. Er ist nicht bereit, Konflikte mit der Geschäftsführung auszutragen. Es gibt keine schriftlichen Vereinbarungen zwischen Betriebsrat und Geschäftsleitung über Arbeitszeiten, Schichtpläne, Pausenregelungen, Urlaubszeiten oder Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM). In vielen Fällen erfolgt nicht die ordnungsgemäße Anhörung bei Kündigungen oder Einstellungen. Alles wird oder wurde seitens der Geschäftsleitung so beschlossen und umgesetzt. Der Betriebsrat nimmt dies so hin, ohne das er selbst aktiv wird oder sich mit eigenen Ideen einbringt. Im letzten halben Jahr unserer Kenntnis nach fanden keine Betriebsratssitzungen statt. So ist das Gremium ein stumpfes Schwert.

Wie beurteilen Sie das, wenn Mitarbeiter von einer Leiharbeitsfirma zur anderen hin und her verschoben werden?
Schick

Die Leiharbeiter werden nach dem gültigen Tarifvertrag bezahlt. In der Firma Deuerer gibt es keine tariflich verbindlichen Regelungen, welche zum Beispiel die Höhe der Löhne und Lohnerhöhungen regeln. Es ist fast anzunehmen, dass das Equal Pay (gleicher Lohn für gleiche Arbeit) nicht in Richtung der Festangestellten von Deuerer geht, sondern in Richtung zum Tarifvertrag für die Leiharbeit.

Was die Übernahme von Leiharbeitnehmern in ein festes Arbeitsverhältnis betrifft, so werden oft die Beschäftigten nach Ablauf des Arbeitsvertrags durch neue Beschäftigte ersetzt. So wird quasi das Problem mit einer zukünftigen Festanstellung umgangen.

Als vor einigen Jahren die Missstände bei den Unterkünften der Werkvertragsarbeitnehmer bekannt wurden, änderte die Firma Deuerer schnell ihr System in ausschließlich Leiharbeit. Die MitarbeiterInnen werden durch die Wechsel nie in den Genuss einer Festanstellung kommen. Deuerer hatte damals vor, sukzessive Leiharbeiter zu Festangestellten zu machen. Nach positiven Ansätzen verlief dieses Vorhaben im Sande. bert

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