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Sanierung ICE-Strecke

Droht Gondelsheim im kommenden Jahr der Verkehrskollaps?

Gondelsheim droht zu Beginn des nächsten Jahres der Verkehrskollaps. Den Ausweichverkehr für die Sanierung der ICE-Strecke Mannheim-Stuttgart will die Bahn durch den Kraichgau führen. Dadurch wächst die Zahl der Züge zwischen Bruchsal und Bretten ins Unermessliche.

Die Bahnstrecke zwischen Bruchsal und Mühlacker wird im kommenden Jahr stark befahren sein, weil die Schnellbahnstrecke Mannheim-Stuttgart saniert wird und deutlich mehr Züge hier durchkommen. Foto: Waidelich

Gondelsheim droht zu Beginn des nächsten Jahres der Verkehrskollaps. Den Ausweichverkehr für die Sanierung der ICE-Strecke Mannheim-Stuttgart will die Bahn durch den Kraichgau führen. Dadurch wächst die Zahl der Züge zwischen Bruchsal und Bretten ins Unermessliche. Das bedeutet andererseits für die Bahnübergänge Schließzeiten von 53 Minuten pro Stunde.

Von unserem Mitarbeiter Arnd Waidelich

Als Reaktion auf diese Situation mache nur eine Vollsperrung Sinn, denn die Autofahrer würden, so die Einschätzung von Bürgermeister Markus Rupp, trotz kurzer Öffnungszeiten versuchen, über den Bahnübergang zu kommen und einen Riesenstau bis weit ins Dorf hinein verursachen. Das könne nur mit einer Vollsperrung verhindert werden.

Parallel wird die B35 nach Bretten saniert

Schon schlimm genug. Doch wenn dann andererseits, wie das Regierungspräsidium jetzt ankündigte, parallel dazu die Sanierung der B35 zwischen Bretten und Gondelsheim laufen sollte, wird in Gondelsheim nichts mehr gehen. Dieses Szenario lässt Rupp graue Haare wachsen. Er versucht derzeit, einen Maßnahmenkatalog zu entwickeln, der das Schlimmste verhindern soll.

Eine unglaubliche Situation, die uns als Verwaltung alles abverlangt.
Gondelsheims Bürgermeister Markus Rupp

Kein Wunder bestimmte dieses Szenario die Gemeinderatssitzung am Dienstagabend. Außerhalb der Tagesordnung eröffnete Rupp die Sitzung mit einigen grundsätzlichen Anmerkungen zu diesem Thema und schloss sie auch damit ab. In seinen 21 Jahren als Bürgermeister habe er so etwas an Krisenmanagement noch nicht erlebt, grauste dem Schultes vor dem ersten Halbjahr 2020.

Es sei eine „unglaubliche Situation, die uns als Verwaltung alles abverlangt“, angefangen von den Schwierigkeiten mit Abellio, dann den Staus, die die Bürger bald nicht mehr ertragen würden, gefolgt von noch düstereren Aussichten. Die neuen Abellio-Züge seien noch anfälliger als die Alten, bleiben sogar auf der freien Strecke liegen. Abellio könne nicht sagen, an was es liege, berichtete Rupp dem Gemeinderat.

Desaster für Schüler

Drei Gruppen seien besonders betroffen. Für die Schüler sei es ein Desaster. Für sie müsse ein Schienenersatzverkehr her. Die Bahn werde zwar eine Fußgängerbrücke am Bahnübergang finanzieren. Die Gemeinde werde Maßnahmen ergreifen, dass von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht wird und die Schüler nicht an der Brücke vorbei die Schienen querten. Die Bahn habe „verdammt noch mal die Pflicht, uns dabei nicht im Stich zu lassen“, griff Rupp zu drastischen Formulierungen. Eine Linderung könne die Flügelung der Buslinie 141 bringen.

Die Bahn hat verdammt noch mal die Pflicht, uns dabei nicht im Stich zu lassen.
Markus Rupp

Wie durch die Berliner Mauer getrennt

Für die Landwirte und den Mühlenbesitzer, beide im Gemeinderat vertreten, sei die Situation nicht weniger schwierig. Auch sie zeigten sich ratlos wie die Lösung für das Rätsel laute, „wie der Schlossbuckel oder die Mühlstraße aus dieser Situation rauskommen“. Schlossbuckel und Mühlstraße seien wie durch eine Berliner Mauer vom anderen Teil Gondelsheims getrennt. Für die Schlossbuckelbewohner werde die Gemeinde 150 Parkplätze diesseits der Bahnlinie einrichten.

Von dieser Katastrophe habe niemand gewusst. Die Gemeindeverwaltung reagiere auf diese Situation. „Wir sind schon tätig, wo die anderen die Reichweite noch nicht erkannt haben“, meinte Rupp und berichtete von einer „Taskforce im Rathaus“, die sich des Themas annehme. So etwas dürfe nicht noch einmal passieren, nicht einmal in 100 Jahren, lautete die Schlussfolgerung des Bürgermeisters.

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