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Strombedarf steigt

Reicht der Strom in Bretten für alle E-Autos?

Reicht das Brettener Stromnetz aus, dass alle E-Autobesitzer ihre Fahrzeuge problemlos aufladen können? Ja, sagen die Stadtwerke. Doch den steigenden Stromhunger zu stillen, ist eine Herausforderung.

In wenigen Stunden hat Volker Behrends die Batterie seines E-Autos mit der mobilen Wallbox aufgeladen. Probleme mit dem Laden habe es bislang keine gegeben, berichtet der Rinklinger, der seit vier Jahren ein E-Fahrzeug nutzt. Foto: Tom Rebel

Ist das städtische Stromnetz so ausgelegt, dass jeder, der sich ein E-Mobil anschafft, auch sicher sein kann, das er dessen Batterie Tag für Tag wieder aufladen kann?

Diese Frage hatte die Brettener Gemeinderatsfraktion „die aktiven“ bereits im Sommer 2019 bei den Stadtwerken gestellt und darauf die Antwort bekommen, dass aktuell keine Probleme im Brettener Stromnetz zu erwarten seien.

Erst wenn die Durchdringungsrate mit E-Fahrzeugen deutlich Richtung 50 Prozent ansteige – also jedes zweite Fahrzeug einen Elektroantrieb habe – könnte es in einzelnen Leitungsabschnitten zu Überlastungen kommen, lautete seinerzeit die Antwort der Stadtwerke.

Zuletzt ist die Nachfrage nach E-Autos in Bretten deutlich gestiegen. Es seien in jüngster Zeit bei den „aktiven“ Gerüchte angekommen, die Stadtwerke hätten einigen Interessenten Wallboxen, also Ladestationen für E-Autos, mit der Begründung abgelehnt, das Brettener Stromnetz sei dafür zu schwach, bekundet Jörg Biermann von den „aktiven“. Er hat deshalb noch einmal bei Oberbürgermeister Martin Wolff (Freie Wähler), der auch Aufsichtsratsvorsitzender der Stadtwerke Bretten ist, nachgefragt, ob dem so sei.

Der Brettener OB verneint dies. Bislang sei kein Fall bekannt, bei dem ein Kunde keinen Netzanschluss für sein E-Fahrzeug bekommen habe, erklärt das Stadtoberhaupt. Und auch Stefan Kleck, der Geschäftsführer der Brettener Stadtwerke, sagt, dass es keine derartigen Ablehnungen gegeben habe. Gleichwohl stelle eine wachsende Anzahl von E-Fahrzeugen und damit von Ladestationen eine Herausforderung für das Brettener Stromnetz dar.

Stromnetz hat Grenzen

„Wenn in einer Straße jedes Haus eine Wallbox haben möchte, dann kommen wir natürlich irgendwann an Grenzen“, erklärt Kleck. Wenn es nur zwei, drei, vier oder fünf Boxen sind, sei das kein Problem. Bei einer stärkeren Nachfrage werde es aber irgendwann enger.

Deshalb erfasse man jede Anmeldung, um zu wissen, wo es zu Häufungen kommt. In einem nächsten Schritt werde man dies auch digital erfassen und die einzelnen Niederspannungsnetzstränge mit Messinstrumenten ausrüsten, um so rechtzeitig zu erkennen, wenn es in einem Strang eng werden sollte.

Managementsystem in Planung

Klar sei, dass die Zahl der Elektrofahrzeuge in den nächsten Jahren zunehmen wird. „Ich gehe aber nicht davon aus, dass in den nächsten ein, zwei Jahren massiv Belastungen auftreten werden“, sagt der Stadtwerke-Chef.

Alles Weitere hänge dann natürlich von der Nachfrage nach Elektrofahrzeugen ab. Derzeit biete man den Kunden eine maximale Anschlussleistung von elf Kilowatt an. Ergänzend dazu bauen die Stadtwerke laut Kleck die Überwachung der einzelnen Netzstränge aus und planen mittelfristig die Einführung eines Managementsystems für intelligente E-Wallboxen.

Und wenn der Bedarf einmal wesentlich größer werden sollte, dann müsse man das eben managen. Entweder dadurch, dass man nicht mehr allen Kunden die volle Leistung, sondern nur ein reduziertes Angebot mache, oder dies tageszeitlich versetzt tue, da gebe es tausend Modelle, so Kleck. Auch die Politik werde sich zu diesem Thema sicher noch zu Wort melden, es läge ja schon ein entsprechender Gesetzesentwurf vor.

Laden läuft exzellent

„Das mit dem Laden läuft exzellent“, sagt Volker Behrends. Der 65-jährige Physiker aus Rinklingen, der auch Vorsitzender des Initiativkreises Energie Kraichgau ist, fährt seit vier Jahren ein E-Auto.

Das mit dem Laden läuft exzellent.
Volker Behrends E-Auto-Besitzer

„Wir können die leere Batterie mit unserer mobilen Wallbox in vier bis viereinhalb Stunden komplett aufladen“, berichtet er. Zu Hause lade er mit elf Kilowatt, unterwegs an entsprechenden Ladestationen auch schon mal mit 22 Kilowatt.

Und sollte es bei einer enormen Zunahme an E-Fahrzeugen mit den Ladekapazitäten einmal eng werden, dann wäre nach Einschätzung des Physikers der nächste Schritt, mit Ladegeräten zu arbeiten, die miteinander kommunizieren und die Ladeleistung entsprechend anpassen. „Man muss ja nicht mit elf Kilowatt laden, wenn man eine ganze Nacht dafür Zeit hat, dann könnte ja auch eine deutlich geringere Ladeleistung ausreichen“, erklärt Behrends.

Unterschiedliche Strompreise

Eine weitere Frage der „aktiven“ betrifft die Strompreise in der Stadt. Man wolle wissen, ob Kunden der Netze BW (EnBW) mehr für ihren Strom bezahlen als Kunden der Stadtwerke. Das sei richtig, bekundet Oberbürgermeister Wolff.

In den Stadtteilen Neibsheim, Büchig, Bauerbach, Dürrenbüchig und Sprantal sei die Netze BW der Netzbetreiber. „Die Netze BW hat höhere Nutzungsentgelte als die Stadtwerke Bretten GmbH – und diese höheren Entgelte seien in die Preise für die Stadtteile eingerechnet“, erklärt der OB. Alle anderen Preisbestandteile seien identisch. Aufgrund der sehr knapp kalkulierten Margen sei das Einpreisen dieser Mehrkosten allerdings zwingend notwendig.

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