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Ein Viertel war noch nicht geimpft

Enormer Zuspruch: Knapp 400 Über-80-Jährige bekommen in Bretten die Corona-Impfung

Mit so einem Zustrom hatte Martin Wolff nicht gerechnet. Knapp 400 Menschen folgten dem Aufruf des Brettener Oberbürgermeisters und ließen sich impfen. Einige von ihnen warten seit drei Monaten auf einen Termin.

Endlich geschützt: Wilfried Rabe erhält von Martina Reichert eine Spritze mit dem Biontech-Vakzin unter den Augen von Oberbürgermeister Martin Wolff (rechts) und Hauptamtsleiterin Susanne Hess (daneben). Foto: Sebastian Kapp

Auf diesen Augenblick hat Wilfried Rabe mehrere Monate lang gewartet. Genau genommen hat Martina Reichert ihm mit dem kleinen Stich einen Schmerz zugefügt, doch Rabe nimmt dies gerne in Kauf.

Der Impfstoff von Biontech/Pfizer befinden sich nun in seinem Körper wie auch in dem seiner Frau, die mit einem Rollator in das improvisierte Impfzentrum in Bretten gekommen ist. Improvisiert deshalb, weil es nur eine Drei-Tages-Außenstelle des Mobilen Impfteams des Landkreises Karlsruhe darstellt.

Entsprechend sieht es vor Ort aus: ein paar eilig zusammengebaute Zelte, in den Halbfeldern der Turnhalle sind jeweils Wartebereiche. Ein Soldat der Bundeswehr dokumentiert die Vorgänge. In den Zelten stehen dann Reichert und Notarzt Michael Reindl für die eigentlichen Spritzen bereit.

Corona-Impfungen: Drei Tage sind nötig für die Brettener Senioren

Als klar war, dass sich im Landkreis Karlsruhe die Kommunen für solche Mini-Impfzentren bewerben können, griffen Bretten und Wolff sofort zu. Prompt schrieb die Stadt alle 1.700 Menschen über 80 Jahren unter den Brettenern an, wer sich denn über Ostern im Hallensportzentrum „Im Grüner“ impfen lassen wolle.

Ich habe nicht damit gerechnet, dass es so viele sind.
Martin Wolff Oberbürgermeister

Der Zuspruch überraschte selbst den Oberbürgermeister. „Ich habe nicht damit gerechnet, dass es so viele sind“, sagt Wolff. Knapp 400 Menschen meldeten sich. Die Ärzte, die in zwei Teams jeweils 70 Impfungen pro Tag durchführen können, beraumten prompt einen dritten Tag zum Impfen an.

Es sind Zahlen, die Fragen aufwerfen. Ein Viertel der Brettener Alten war nämlich auch drei Monate nach Impfstart noch nicht mit einem Präparat versorgt, mindestens. „Wir haben ja alle angeschrieben, weil wir gar nicht wissen, wer schon geimpft ist“, sagt Hauptamtsleiterin Susanne Hess. Wolff hat eine Vermutung, woran das liegen könnte: „Viele haben keine Unterstützung und sind mit dem Online-Verfahren überfordert.“

Frustration bei der Telefon-Hotline

Impfling Rabe beschreibt es selbst so: „Ich habe es lange versucht. Ich habe bestimmt zig Mal die Hotline angerufen. Aber da wurde man immer weiterverbunden und weiterverbunden.“ Als dann der Brief von der Stadt Bretten kam, habe er seine Frau und sich gleich angemeldet. „Wir haben einen Pflegedienst zuhause, die können das Virus rein tragen. Und wir haben Kinder und Enkelkindern und denen gegenüber eine Verantwortung.“

Wolff weiß nur zu gut, wovon Rabe da spricht. Seine eigenen Eltern wurden erst jetzt mit der Aktion des Sohns beziehungsweise der Stadt Bretten geimpft. „Meine Frau hat nachts dagesessen, um für ihre 92-jährige Mutter einen Termin zu bekommen.“ Das nämlich sei die Lücke im System. „Neue Termine werden immer um Mitternacht freigeschaltet“, erklärt Wolff. Morgens früh seien die allerdings schon zumeist vergeben.

Impftermine bekommt man am einfachsten nachts

Deshalb sei kurz nach Mitternacht die erfolgversprechendste Zeit, um online einen Termin zu beantragen. „Die Schnellsten schlagen die Langsamen.“ Und das seien eben im Zweifel nicht die Senioren. Diese Kette haben die Brettener zumindest für die Ältesten nun durchbrochen. Gerne hätte Wolff die Aktion auch für die 70-Jährigen schon gestartet. Doch das wären zu viele gewesen. „Da hätten wir dann Einzelnen absagen müssen.“

Eine weitere Gruppe der Geimpften, so betont Hauptamtsleiterin Hess, besteht aus solchen, die sich nur in Bretten impfen lassen wollten. „Da haben schon ein paar gesagt: Jetzt, wo das in Bretten ist, gehe ich.“

Ärzte loben die Brettener Verwaltung

Lob erhält das Team um Wolff und Hess von den Medizinern vor Ort. „Wir sind sehr dankbar, dass die Stadt Bretten viel bei der Logistik übernimmt. Das spart uns wahnsinnig viel Zeit“, sagt Notarzt Reindl von den Maltesern. So könne er sich besser auf die Patienten konzentrieren. Wobei er einschränkt, dass dies „Im Grüner“ nicht notwendig war.

„Bisher hatten wir nur gut gelaunte und gut informierte Patienten“, sagt Reindl. Das kenne er aus seiner Arbeit im Mobilen Impfteam auch anders. „Manchmal dauern Patientengespräche auch 15 Minuten. Da haben die Menschen dann – detaillierte und auch nachvollziehbare – Fragen“, berichtet er. Beim früheren Rot-Kreuz-Mitglied Rabe lief das wesentlich unkomplizierter.

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