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Härtetests unter Corona-Verordnung

Erzieherinnen berichten von schweren Bedingungen im Kindergarten in der Corona-Pandemie

Kratzen am Hals oder Schnupfennase sind laut Landesgesundheitsamt keine Gründe, ein Kind aus der Betreuung auszuschließen. Kitas und Kindergärten spüren allerdings heftige Auswirkungen der Corona-Pandemie.

ARCHIV - 24.04.2019, Brandenburg, Wandlitz: Ein Junge spielt in einem Kindergarten auf dem Boden. (zu dpa «Krisenetat mit Prinzip Hoffnung - wofür 2021 Geld ausgegeben wird») Foto: Monika Skolimowska/dpa-Zentralbild/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ | Verwendung weltweit Foto: Monika Skolimowska picture alliance/dpa

Ständige Fragen sind: Kommt zum Schnupfen Fieber dazu? Bleibt das Kind besser daheim? Selten war gute Kommunikation mit den Eltern wichtiger, zeigen Gespräche mit Betreuungseinrichtungen im Brettener Raum.

So sagt Sandra Gamer, Leiterin des Krabbennests in Ruit: „Wir arbeiten täglich unter widrigsten Bedingungen. Wir können nicht jede Schnupfennase abweisen, auch wenn versteckte Infektionsgefahr bestehen kann.“

Eltern hatten viel Verständnis für Corona-Maßnahmen

Dass es nicht nur eine Schnupfennase war, die Ende Oktober zur Schließung einer Gruppe unter dem Dach des Trägervereins Schneckenhaus führte, ist durch Corona-Test belegt. Aus Datenschutzgründen ist nicht zu erfahren, wer positiv war. Aber, so Claudia Uhr: „Wir waren alle geschockt.“

Die stellvertretende Vorsitzende des Trägervereins berichtet, eine Mitarbeiterin habe tags zuvor ihren Opa besucht und inständig gehofft, ihn nicht angesteckt zu haben. Eine Andere hatte niemanden, der sie in der Quarantäne, in die alle gingen, versorgt hätte. „Natürlich halfen wir“, so Uhr.

Als eine Erzieherin anrief, sie habe Kontakt mit einem Nummer-eins-Kontakt gehabt, musste man für zwei Wochen die Betreuung sichern, „ohne die Gruppen zu mischen, was die Verordnung verbietet“, so Uhr. Die Eltern holten ihre Kinder an einigen Tagen je zwei Stunden früher. Uhr lobt ihr Verständnis. „Aber die Logistik bedeutete viel Mehrarbeit.“

Corona-Fälle und andere Krankheiten machen den Kindergärten Probleme

Nicht anders wohl, als laut Stadt im Kindergarten Neibsheim einmal Kindergartengruppen geschlossen wurden. Allerdings blieb die Krippe offen. In St. Stephanus Diedelsheim wurden zwei Krippengruppen geschlossen, der Kindergarten war nicht betroffen. Man sehe bei der Stadt als Träger, dass auch Krankheitsfälle neben Corona zu personellen Engpässen führen könnten, bis hin zur kompletten Schließung. Finanzielle Hilfen gab es aber bislang zwischen April und Juli. Weiteres regelten die Einrichtungen selbst.

Die Nerven aller sind dünner
Claudia Uhr Trägerverein Schneckenhaus

Zum ohnehin gegebenen Mangel an Fachkräften schränke die Corona-Verordnung die Vertretungsmöglichkeiten im Team sehr ein, hält auch Margrit Müller-Burkhard von der Erzdiözese Freiburg fest, Träger von St. Albert in Bretten. So müssten Gruppen früher geschlossen werden, zumal übliche saisonale Infekte grassierten.

Dennoch bleibe den Einrichtungen wichtig, den Alltag für die Kinder so normal wie möglich zu gestalten. „Tut sich eines weh, trösten wir es, körperliche Nähe ist da ganz natürlich“, so Uhr.

Erzieherinnen schickten Kindern Videos, um in Kontakt zu bleiben

Um den Kleinen nah zu bleiben, schickten Erzieherinnen aus der Quarantäne Videos. Eine führte ein kleines Kunststück mit ihrem Retriever vor. Eine andere sang „Ich trag mein Licht, ich fürcht´ mich nicht, rabimmel, rabammel, rabumm“. Und Leiterin Yvonne Lappe habe Claudia Uhr berichtet, sie seien nach der Quarantäne sehr zusammengewachsen. Da werde klar, wie wichtig aktuell Flexibilität sei.

„Es ist eine Gratwanderung“, sagt Gamer. Es gelte laut Claudia Uhr, plausibel zu machen, dass es bei der harmlosen Frage, ob das Kind die Einrichtung besuche, um richtig viel Verantwortung gehe: dem eigenen Kind, der Familie und der Einrichtung gegenüber. „Schon grundsätzlich gehört ein krankes Kind nicht in die Einrichtung. Das ist Stress.“ Allerdings hätten es Eltern derzeit auch schwer. Bringen und holen, alles ende an der Tür. „Und die Nerven aller sind dünner“, sagt sie.

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