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Synode des Evangelischen Kirchenbezirks

Kirchenvertreter aus dem Bezirk Bretten-Bruchsal ringen um Zukunftsstrategie

Dramatische Veränderungen stehen in den kommenden Jahren im Kirchenbezirk Bretten-Bruchsal an. Denn die Gemeinden müssen mit 30 Prozent wenigen Personal, Finanzmitteln und Gebäuden auskommen. Ein Strategieprozess soll zeigen, wie das funktionieren kann

Schwieriger Strategieprozess: (von links) Axel Wermke, Vorsitzender der Bezirkssynode, Klaus Vogel, Stellvertreter von Dekanin Ulrike Trautz (Mitte) sowie Oberkirchenrätin Cornelia Weber und Schuldekan Walter Vehmann im Gespräch auf der Synode in der Stettfelder Mehrzweckhalle. Foto: Martin Heintzen

Relevanz-Verlust, Mitgliederschwund und weniger Finanzmittel angesichts immenser kirchlicher und gesellschaftlicher Herausforderungen: Es ist eine dramatische Situation, mit der sich der Kirchenbezirk Bretten-Bruchsal konfrontiert sieht, und es sind drastische Schritte, die er gehen muss, um weiter Kirche für die Menschen zu bleiben.

Denn um 30 Prozent müssen die Gemeinden des Bezirks ihre Ausgaben bis 2032 reduzieren und sich dazu neu ausrichten und neu aufstellen. Wie das gelingen kann, darüber haben die rund 100 Kirchenvertreter auf der Synode des Kirchenbezirks am Freitag in der Stettfelder Mehrzweckhalle intensiv gerungen.

Viele Pfarrer gehen in den Ruhestand - und werden nicht ersetzt

Am Ende gab es trotz mannigfacher Fragen und Bedenken Zustimmung zu dem Strategieprozess, den die Badische Landeskirche entwickelt hat, um die Kirche zukunftsfähig zu machen.

Oberkirchenrätin Cornelia Weber benannte die besondere Herausforderung, die auch die kirchlichen Gebäude betreffen, für die ein sofortiges Bau- und Sanierungsmoratorium besteht. Von den Pfarrerinnen und Pfarrern gehen bis 2032 viele in Ruhestand, die nicht ersetzt werden. Denn auch beim Personal sollen 30 Prozent eingespart werden. Für den Kirchenbezirk Bretten-Bruchsal bedeutet dies sieben Pfarrstellen weniger, also 20 statt 27, und auch bei den Diakoninnen und Diakonen fallen von fünf Stellen 1,5 weg.

Wie aber lässt sich mit derart beschränkten Mitteln und Möglichkeiten die frohe Botschaft in die Welt tragen? „Transformation und Reduktion“ nannte Pfarrer Daniel Völker, der Koordinator des Strategie-Prozesses, als Marschroute und sprach es offen aus: „Das ist eine Zumutung, aber notwendig“.

Regionen als neue Einheiten für die evangelische Kirche im Brettener Raum

Eine Schlüsselaufgabe bei diesem Transformationsprozess kommt den Regionen zu, die ihn gleichsam als neue Einheiten umsetzen sollen. Fünf Regionen gibt es im Kirchenbezirk, jede umfasst eine Reihe von Pfarrgemeinden, die künftig enger miteinander kooperieren und ein gemeinsames Budget an Mitteln und Personalstellen bekommen.

Jede Region hat nun bis Ende 2023 Zeit, ein Konzept zu erstellen und Schwerpunkte zu setzen, um mit reduziertem Personal möglichst viele Angebote zu erhalten. Unterm Strich soll eine verlässliche Präsenz der Kirche vor Ort sichergestellt werden. Das müsse nicht immer die Kirche sein, erklärte Völker. Auch eine Kita, ein Weltladen oder ein christliches Café könnten so ein Ort sein, meinte Völker. Neue Formen der Zusammenarbeit auch in der Ökumene seien zu entwickeln, mitunter genüge eine Arbeitsteilung, etwa bei der Krankenhausseelsorge.

Am Ende könnten in den Bezirken ganz unterschiedliche Modelle entstehen, die allerdings die Akzeptanz der Gemeinden finden sollten. Bei allem werde man auch darauf achten, dass Aufgaben und Personalstellen gerecht verteilt werden, erklärte Völker und warb für Mut zu einer positiven Vision.

Abschied von Liebgewordenem: Tiefe Einschnitte angekündigt

Dass dieser Prozess schmerzhaft sein wird, räumte Klaus Vogel, der Stellvertreterin der Dekanin, offen ein: „Es müssen tiefe Einschnitte vollzogen werden“, sagte er, man werde Abschied von Liebgewordenem nehmen und Trauerarbeit leisten müssen. Die neuen Strukturen müssten aber auch mit weniger Personalstellen und finanziellen Mitteln tragfähig sein. Daneben müsse die Kollegialität gestärkt und die Hauptamtlichen von Verwaltungsaufgaben entlastet werden. Und wenn ein neues Gremium installiert werde, müsse ein altes in den Ruhestand gehen.

„Wenn wir uns bemühen, kriegen wir das hin“, bekundete Dekanin Ulrike Trautz zuversichtlich. Wichtig sei aber auch, dass die Gemeindemitglieder den Prozess verstehen und mitbedenken. Darum habe man für die Öffentlichkeitsarbeit eine halbe Stelle geschaffen, die für den Informationsfluss und die nötige Transparenz sorgen soll.

Die Vorstellung des Strategieprozesses stieß im Kreis der Pfarrerinnen und Pfarrer wie auch bei den Ehrenamtlichen auf ein geteiltes Echo. Wie soll ein Aufbruch mit reduziertem Personal gelingen? Wie soll man den Berg von Arbeit bewältigen? Wie bekommt man die alten Strukturen weg, wenn man neue schafft? Und gibt es eine Verteilungsgerechtigkeit? So lauteten die eher sorgenvollen Fragen.

Positiv empfanden die Synodalen die Erinnerung daran, dass die Botschaft des Evangeliums nach wie vor gebraucht werde, weil sie Hoffnung und Lebensperspektiven vermittle, dass die Kirche wieder stärker zu den Menschen gehen soll und dass man auch über durch Spenden finanzierte Stellen nachdenken könne. Neues wagen, niederschwellige Angebote machen und die guten Erfahrungen, die man in der Pandemie-Zeit mit kreativen Ideen gesammelt hat, beibehalten, lauteten weiter Impulse. Ein Statement brachte die Stimmung auf den Punkt: „Not macht solidarisch!“

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