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Wiederöffnung zum 1. März

Friseure aus dem Raum Bretten können sich vor Terminanfragen kaum retten

Eine ganze Branche atmet auf: Ab dem 1. März dürfen Friseursalons unter strengen Hygieneauflagen wieder öffnen. Inhaber aus Bretten rüsten sich für den Kundenansturm. Eine Regel sorgt aber für Unmut.

Vorbereiten auf den Kundenansturm: Ab dem 1. März darf Daniel Simmel in seiner „Frisurenwerkstatt“ in Bretten wieder Haare schneiden. Wegen der Zehn-Quadratmeter-Regel wird er aber nicht mehr mehrere Kunden gleichzeitig frisieren können. Foto: Tom Rebel

Seitdem feststeht, dass Friseure ab dem 1. März wieder öffnen dürfen, steht bei Jochen Hofstätter das Telefon nicht mehr still. Auch in den sozialen Netzwerken wird der Friseur aus Oberderdingen mit Terminanfragen überhäuft. „Der Andrang ist riesig“, berichtet er: „Für die ersten Wochen sind wir schon ausgebucht.“

Ab dem 1. März dürfen Friseure unter strengen Hygieneauflagen wieder öffnen. Das haben Bund und Länder vorige Woche verkündet. Viele Kunden können es offenbar kaum erwarten, sich nach elf Wochen Lockdown von ihrer Corona-Mähne zu trennen.

Der 1. März fällt auf einen Montag, eigentlich ein Ruhetag für viele Salons. Hofstätter will trotzdem Haare schneiden. An zwei Tagen in der Woche will der Friseur außerdem zwei Stunden länger arbeiten.

Zehn-Quadratmeter-Regel stellt kleine Salons vor Probleme

„Die Leute gieren danach, wieder zum Friseur zu gehen“, berichtet Petra Müller-Herbich vom Friseursalon „Haarscharf“ in Knittlingen. Der Laden ist frisch geputzt und desinfiziert, die Auftragsbücher sind bereits gut gefüllt. Alles vorbereitet also für die Wiederöffnung.

Euphorie will bei der Friseurin aber trotzdem nicht aufkommen. Grund sind die strengen Hygieneauflagen, an die die Wiederöffnung geknüpft ist: Ein medizinischer Mund-Nasenschutz für Kunden und Mitarbeiter ist Pflicht, Friseurbesuche sind nur mit Termin möglich.

Nach jedem Haarschnitt müssen zudem Sitzplatz, Waschbecken, Kamm und Schere desinfiziert werden. Außerdem soll sich auf zehn Quadratmetern Ladenfläche lediglich eine Person aufhalten dürfen. Das stellt vor allem kleine Friseursalons vor Probleme. Im Friseursalon „Haarscharf“, in dem normalerweise sechs Kunden gleichzeitig bedient werden können, dürfen sich dann nur noch maximal zwei Kunden und zwei der sechs Mitarbeiter gleichzeitig aufhalten. „Wir dürfen nur mit halber Kraft arbeiten“, sagt Müller-Herbich: „Das ist ein Kampf ums Überleben.“

„Früher konnte ich einem Kunden die Haare schneiden, während parallel bei einer anderen Kundin die Haarfarbe eingewirkt hat“, erklärt Daniel Simmel, Inhaber von „Daniels Frisurenwerkstatt“ in Bretten. Weil sein Salon nur rund 35 Quadratmeter groß ist und die Sitzplätze weniger als zwei Meter voneinander entfernt sind, wird Simmel mit den neuen Auflagen nicht mehr mehrere Kunden gleichzeitig frisieren können.

Nach dem Lockdown sind die Haarschnitte aufwendiger

Pro Kunde muss er außerdem mehr Zeit einkalkulieren: Nach elf Wochen Zwangsschließung seien die Frisuren verwachsen, der Haarschnitt daher aufwendiger. Aus rund 15 Kunden pro Tag werden so maximal zehn, schätzt Simmel. Das Desinfektionsmittel steht parat, bereits nach dem ersten Lockdown hat Simmel zusätzliche Handtücher und Friseurumhänge geordert.

Kerstin Pferrer, Inhaberin des Brettener Friseursalons „Style Heaven“, hat sich ebenfalls bereits mit Desinfektionsmittel und Masken eingedeckt. „Alle wollen im März drankommen“, sagt die Friseurin. Wer bereits einen Termin vereinbart hatte, der wegen des Lockdowns abgesagt wurde, werde bevorzugt behandelt.

Pferrer befürchtet, dass der Andrang der ersten Wochen schnell abebbt, sobald alle Kunden frisiert sind. Jetzt gelte es, das Loch zu stopfen, das der Lockdown in die Kasse gerissen hat. Denn obwohl der Salon seit Mitte Dezember dicht war, hat die Friseurin keine Dezemberhilfe bekommen – weil sie in den Wochen vor der Zwangsschließung zu viel Umsatz gemacht hat. „Wir haben Überstunden gemacht und sonntags gearbeitet und werden dafür bestraft“, ärgert sie sich.

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