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Förster unterwegs

Warum in Gondelsheim Bäume gezählt werden

Immerhin 343 Bäume von etwa 550 Bäumen in der Feldflur um Gondelsheim konnten Christian Feldmann und Stephanie Bauer bereits erfassen. Jetzt hoffen sie darauf, dass noch mehr Grundstückseigentümer mitmachen.

Einer der schönsten alten Birnbäume auf Gondelsheimer Gemarkung: Förster Christian Feldmann (Mitte) misst den Umfang, Stephanie Bauer trägt das Ergebnis ins Smartphone ein. Mit dabei steht Bürgermeister Markus Rupp. Foto: Foto: Franz Lechner

An acht verschiedenen Tagen waren der Leiter des Forstbezirks Unterland Christian Feldmann und seine Kollegin, die für die Stadt Karlsruhe arbeitende Försterin Stephanie Bauer, im Frühjahr und Sommer rund um Gondelsheim unterwegs.

Ihre Aufgabe: Einen Baumkataster von Gondelheims Bäumen in der Feldflur erstellen. „Wir wollten alle Bäume des Offenlandes kartieren, die einen Stammdurchmesser von mindestens 80 Zentimeter haben, beziehungsweise alle Bäume, die einen hohen Wert für die heimische Natur haben“, berichten die beiden Förster.

Dass die beiden Forstbeamte bei ihrer ehrenamtlichen Arbeit bis jetzt nur von etwa einem Drittel aller Gondelsheimer Grundstückseigentümer die Genehmigung erhielten, auf ihren Grundstücken die Bäume zu erfassen, liegt auch an dem, was Gondelsheims Bürgermeister Markus Rupp (SPD) den „Gondelsheimer Weg“ nennt.

„Wir wollen die Leute nicht mit Verboten und Strafen davon überzeugen, ihre Obst- und andere Bäume im Offenland zu bewahren, sondern wir wollen sie vom Wert, den diese Bäume für unsere Landschaft und unsere Natur haben, überzeugen“, erklärt Rupp.

Gemeinde Gondelsheim bietet Unterstützung bei der Baumpflege an

Dazu gehört auch, dass die Gemeinde den Besitzern von Streuobstwiesen oder anderen Grundstücken bei der Pflege ihrer Bäume Unterstützung und Beratung durch den Gondelsheimer Baumwart anbietet. „Außerdem bezahlen wir die Jungbäume, die anstelle alter, toter Obstbäume neu angepflanzt werden“, erklärt Rupp.

Deshalb war auch die Teilnahme am Baumkastaster freiwillig. „Da wir nicht einfach ohne die Einwilligung der Menschen deren Bäume erfassen wollten, haben wir alle Grundstücksbesitzer angeschrieben und sie um ihre Zustimmung gebeten“, erklärt Rupp, warum bisher nur ein Teil der Bäume erfasst werden konnte.

Immerhin 343 Bäume von etwa 550 konnten Christian Feldmann und Stephanie Bauer bereits erfassen. „Dabei haben wir nicht nur alle einzeln stehenden landschaftsprägenden und die Bäume der Streuobstwiesen in den Kataster aufgenommen, sondern auch deren Gesundheitszustand und die Habitatsstrukturen an den Bäumen“, berichtet Feldmann und seine Kollegin erklärt: „Habitatsstrukturen sind Lebensräume für verschiedene Tierarten, also beispielsweise Baumhöhlen für Fledermäuse und Vögel, Totholzstrukturen für Insekten oder auch Efeu, unter dem Insekten geschützt überwintern können.“

Fast zwei Drittel der Bäume in gutem Zustand

60 Prozent der erfassten Bäume waren in einem guten bis sehr guten Zustand, 23 Prozent leicht und 15 Prozent stark geschädigt, berichten die Förster. Erfreulich, dass fast 60 Prozent aller erfassten Bäume Habitatstrukturen aufweisen. Neben dem ästhetisch-landschaftsprägenden Aspekt sind es diese Strukturen, die die Bäume so wertvoll machen.

„Wir konnten bei unserer Kartierung der Bäume in den verschiedenen Höhlen einen Waldkauz, Fledermäuse, wilde Bienen und auch brütende Singvögel beobachten“, erzählt Bauer. Der Erhalt dieser letzten Naturräume ist es, der Feldmann und Bauer am Herzen liegt. In der um Gondelsheim zu einem großen Teil von intensiver Landwirtschaft geprägten Landschaft sei es wichtig, die letzten Naturrefugien zu erhalten, sind sich die beiden mit Bürgermeister Rupp einig.

Gemeinsam hoffen sie darauf, dass die Zahl der Grundstücksbesitzer, die freiwillig am Gondelsheimer Baumkataster teilnehmen, noch deutlich steigt. „Die Erfassung der Bäume ist ja kein statischer Vorgang, er wird nächstes Jahr sicher noch fortgeführt“, freuen sich Feldmann und Bauer jetzt schon auf die nächsten Touren durch die Gondelsheimer Gemarkung.

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