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Kooperation mit dem Badischen Staatstheater

Kinderrechte: Gondelsheimer Klasse bringt Ideen für Theaterstück ein

Drittklässler der Gondelsheimer Kraichgauschule thematisieren in einem Theaterstück, dass Kinderrechte in Märchen oft mit Füßen getreten werden.

Theater-Workshop an der Kraichgauschule in Gondelsheim.
Schülerinnen und Schüler der Klasse 3a der Gondelsheimer Kraichgauschule erarbeiten im Rahmen eines Theater-Workshops ein Stück zum Thema „Kinderrechte“. Foto: Ella Heil

Letzte Anweisungen vor dem großen Auftritt. Nervöses Gemurmel zwischen den Reihen. Und dann, alle schreien auf drei: „Kinderrecht ist wichtig!“ und stürmen ins Klassenzimmer der Parallelklasse.

Staatstheater-Team besucht Gondelsheimer Schule

Die Klasse 3a der Kraichgau-Gemeinschaftsschule in Gondelsheim wird für zwei Wochen von einem Team des Badischen Staatstheaters Karlsruhe besucht. Zusammen soll ein Theaterstück für April nächsten Jahres entwickelt werden. Thema sind die Kinderrechtskonventionen, die 2024 ihren 35. Geburtstag feiern.

Doch, wie ist das Projekt überhaupt ins Leben gerufen worden? Die Kraichgau-Gemeinschaftsschule in Gondelsheim hat seit einigen Jahren eine Kooperation mit dem Badischen Staatstheater. Konkret bedeutet dies, dass jede Klasse der Schule einmal im Jahr ins Theater geht oder ein „Klassenzimmerstück“ gezeigt bekommt.

Bei solchen mobilen Stücken kommt eine Theatergruppe an die Schule und spielt ein Stück vor. Die Klasse muss also nicht extra nach Karlsruhe ins Theater fahren.

„Den Kindern gefällt besonders der direkte Kontakt zu den Schauspielern“, betont Antje Kammerer, die Klassenlehrerin der Klasse 3a. Die Kinder könnten das Gezeigte viel näher erleben. Die Schauspieler benutzen keine mitgebrachten Requisiten, sondern suchen sich geeignete Utensilien im Klassenraum. „Das finden die Kinder besonders lustig“, sagt Kammerer.

Durch die Kooperation wurde das Theater auf die Schule aufmerksam und hat der Grundschulklasse einen Workshop zum Thema Kinderrechte angeboten.

Von Kindern für Kinder

Im Rahmen dieses Workshops wirken die Kinder der Klasse 3a beim Entstehungsprozess eines Theaterstücks mit. Das Stück soll Kinder ab acht Jahren über ihre Rechte informieren und sie ermutigen, für diese einzustehen. Der Arbeitstitel lautet „Kinderrechte. Ein Märchen“ und ist noch nicht endgültig.

Regisseurin Sonja Elena Schroeder erklärt, es hätte verschiedene Ansätze zur Entwicklung des Stücks gegeben. Man hätte sich schlussendlich für einen Austausch mit den Kindern entschieden. „So bleibt es zielgruppengerecht“, sagt Schroeder. Durch ihre Impulse könnten die Kinder nämlich maßgeblich das Stück beeinflussen. „Sie helfen durch ihre Ideen der Theatergruppe, eine Geschichte zu entwickeln“, sagt auch Kammerer.

Stefan Hornbach, Autor des Stücks, hat bereits Anregungen aus dem letzten Workshop mit einer fünften Klasse der Anne-Frank-Schule in Karlsruhe-Oberreut bekommen. Durch die Beiträge der Kinder konnte er schon erste Märchenfiguren für sein Stück entwickeln.

„Dort haben wir vor allem visuell gearbeitet“, sagt Bühnen- und Kostümbildner Steve Oelmann. Es wurden Superheldenkostüme auf große Plakate gezeichnet. Hornbach ist fasziniert, wie die Kinder der fünften Klasse so schnell eigene Märchengeschichten schreiben konnten.

Der Autor muss seinen eigenen ersten Textentwurf bis Anfang Februar geschrieben haben. Dann setzt sich das Drama-Komitee des Theaters zusammen und berät über das Stück. Das Komitee repräsentiert das Kinderpublikum und überprüft, ob das Stück auch wirklich kindergerecht ist. Gegebenenfalls muss Hornbach bis Ende Februar noch Änderungen vornehmen.

Angst vor dem bösen Wolf aus Schneewittchen

Die Schülerinnen und Schüler der Klasse 3a haben bereits mit der Theaterpädagogin Virginie Bousquet eine eigene Kinderrechte-Demo einstudiert. In dieser erklären sie als Gruppe dem Publikum verschiedene Kinderrechte, wie den Schutz vor Gewalt oder das Recht auf beide Eltern. Dabei halten sie Plakate mit Zeichnungen hoch.

Am Ende der Demo schreien sie gemeinsam: „Steh für deine Kinderrechte auf!“ Diese Demo haben die Kinder, trotz Lampenfieber, den Parallelklassen und höheren Klassen vorgeführt.

Hornbach schreibt den Slogan „Kein Märchen, alle Kinder haben Rechte!“ an die Tafel. Daraufhin kommen die Schülerinnen und Schüler in einem Stuhlkreis zusammen und sprechen über ihre Erfahrungen mit Märchen. „Märchen sind oft sehr brutal“, betont der Autor und weist darauf hin, dass Kinderrechte in Märchen meistens mit dem Fuß getreten werden würden. Eine Schülerin erklärt, dass sie früher große Angst vor dem bösen Wolf aus Schneewittchen hatte. „Ich dachte, ich könnte ihm überall begegnen, sogar in der Schule“, sagt sie.

Anschließend wird darüber gesprochen, wie man das Märchen „Hänsel und Gretel“ zum Guten wenden könnte. Darin werden nämlich einige Kinderrechte verletzt, wie das Recht auf den Schutz des eigenen Körpers.

Es gibt vielseitige Vorschläge der Kinder zum Schutz von Hänsel und Gretel. Ein Schüler erklärt, die beiden Kinder könnten das ganze Lebkuchenhaus aufessen. Daraufhin gibt es Gelächter aus der Klasse. „Das Projekt macht mir großen Spaß“, sagt Leonie, eine Schülerin der 3a. Die Mitschüler stimmen mit ein. Die anderen Klassen seien wahrscheinlich neidisch auf die 3a. Viele Mädchen erklären, sie haben den Traum, Schauspielerin zu werden.

Das Theaterstück selbst wird von zwei Schauspielern des jungen Staatstheaters getragen und sieht keine Kinderrollen vor. Allerdings sollen vor den Aufführungen Audioaufnahmen oder Videos der Schulkinder, die bei der Produktion mitgewirkt haben, im Theaterfoyer gezeigt werden.

Service

Das Stück soll am 28. April 2024 im Insel-Theater in der Karlstraße 49B in Karlsruhe gezeigt werden. Zudem soll es auch als Klassenzimmerstück aufgeführt werden.

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