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Moschee in Bretten gut vernetzt

Grüne Moschee in Bretten am Aktionstag: „Deutschland ist jetzt eure Heimat“

Begegnung statt Abschottung: Die Grüne Moschee in Bretten unterhält vielfältige Beziehungen zu ihren nichtmuslimischen Mitbürgern und ist in der Stadt auch gut vernetzt.

Gut vernetzt in Bretten: Seit drei Jahren ist Ilyas Yildirim (Mitte) als Imam in Bretten, Akin Batmaz lebt seit 30 Jahren hier und ist Vorsitzender der Grünen Moschee. Im Pressegespräch mit BNN-Redakteur Hansjörg Ebert berichten sie von den vielfältigen Kontakten, die die Gemeinde zu den Brettener Bürgern und Institutionen hat. Foto: Tom Rebel

Nein, in diesem Jahr nimmt die Grüne Moschee in Bretten nicht am Tag der offenen Moschee teil. Es ist zwar nicht verboten, und die größeren Moscheen etwa in Bruchsal oder Pforzheim öffnen ihre Gebetsräume für interessierte Besucher.

Doch in Bretten ist man vorsichtig und hat noch immer großen Respekt vor dem Pandemiegeschehen.

Und weil die Räumlichkeiten eher beengt und Abstände nicht so leicht einzuhalten sind, bleibt das Gemeindezentrum in der Bismarckstraße an diesem Sonntag für Besucher geschlossen. Was aber nicht bedeutet, dass die Gemeinde sich abschottet und nur ihr eigenes Süppchen kocht, wie beim Pressegespräch im Kaffeeraum der Moschee deutlich wird.

Beim Friedensmarsch immer dabei

Ganz im Gegenteil: Auch wenn Imam Ilyas Yildirim vorrangig für seine Gemeinde da ist, sind die Kontakte nach draußen dennoch vielfältig. Yildirim trifft Menschen außerhalb der Moschee bei Krankenbesuchen, bei Hochzeiten und Beerdigungen. Begegnungen gibt es auch seit vielen Jahren beim christlich-islamischen Dialog.

Beim Friedensmarsch sind die Brettener Muslime immer dabei, und zum Fastenbrechen kommen im Ramadan auch immer wieder Nicht-Muslime in die Gemeinderäume. Hin und wieder finden sich auch Geflüchtete ein, die in der Moschee Vertrautes und Stärkung suchen.

„Für Jugendliche veranstalten wir Fußballturniere, bei denen nicht nur türkische Kicker mitmachen, die Frauen laden zu ihren Frühstückstreffen auch Bekannte ein, und zu den jährlichen Sommerfesten kommen immer wieder Gäste, die sich über türkische Grillspezialitäten freuen“, ergänzt Akin Batmaz, der Vorsitzende der Grünen Moschee, die ihren Namen schlicht wegen der Farbe der Hausfassade hat.

Rund 200 Mitglieder gehören zu Gemeinde, etwa die Hälfte davon kommt - seit dies wieder möglich ist - zum Freitagsgebet – in normalen Zeiten sind es mehr.

Offen auch für Nicht-Muslime und Atheisten

Der Imam der DITIB-Gemeinde, der vom türkischen Religionsministerium bezahlt wird, ist seit drei Jahren in Bretten. In zwei Jahren geht er mit seiner Familie wieder in die Türkei zurück.

Zu wenig Zeit, um Fuß zu fassen. Sein Deutsch reicht aber mittlerweile soweit, dass er bei den alltäglichen Dingen kommunizieren kann, bei tiefer gehenden Gesprächen wird es allerdings schwierig. Dafür hat er seine Gemeindemitglieder, die sich um gute Kontakte zu ihren deutschen Mitbürgern bemühen.

„Der Islam ist eine Religion der Begegnung ohne Vorbehalte“, sagt Vorsitzender Batmaz. Auch für Nicht-Muslime oder Atheisten stehe die Moschee immer offen, jeder sei herzlich willkommen. Vorbehalte von Seiten der nicht-muslimischen Bevölkerung verspüre man in der Grünen Moschee keine, betont er.

Zum Thema Integration hat Vorbeter Yildirim eine klare Haltung: „Wir sagen unseren Gemeindemitgliedern, sie sollen Deutschland als ihre Heimat ansehen, das Land so akzeptieren, wie es ist, und Sorge für ein gutes Miteinander tragen“, erklärt der Imam, der bei der Einschulung der Erstklässler immer dabei ist und für einen guten Schulerfolg der Kinder betet.

Und auch mit den Kirchen, Vereinen und Institutionen in der Stadt ist die Moscheegemeinde gut vernetzt, in einem Brettener Seniorenzentrum wurde sogar ein kleiner Gebetsraum eingerichtet.

Große Gastfreundschaft

Das gute Miteinander bestätigt auch Gunter Hauser: „Es lohnt sich immer, einmal in einer Moschee vorbei zu schauen und die Gastfreundschaft der Muslimischen Gemeinden zu erleben. Denn die Moscheen sind viel besser als ihr Ruf. Ich erlebe immer große Offenheit“, sagt der Pfarrer, der im evangelischen Kirchenbezirk für das Thema Seelsorge.

Flucht und Migration zuständig ist. Die Grüne Moschee pflege eine sehr gute Partnerschaft zu den christlichen Kirchen in Bretten und versende Grußworte des DITIB zu Weihnachten und Ostern, die den Begriff Geschwisterlichkeit spiegeln.

In der Türkei nur Gäste

Und wie deutsch fühlen sich die hier lebenden Türken mittlerweile? Es gebe Unterschiede bei den Generationen, erklärt Akin Batmaz, der selbst drei erwachsene Kinder hat.

„Wer hier aufgewachsen ist, wird sich in der Türkei nicht mehr zurechtfinden“, bekundet der 53-Jährige, der seit 30 Jahren in Deutschland lebt und in Mühlacker bei einem Automobilzulieferer arbeitet. Seinen Kinder habe er gesagt, dass Deutschland nun ihre Heimat sei und sie hier glücklich werden sollen. In der Türkei würden sie sich heute eher als Gast empfinden.

Zu den DITIB-Gemeinden in Bruchsal und Pforzheim sowie zur Ulu-Moschee in Bretten bestünden gute Kontakte, berichten die Gemeindeleiter. Man besuche sich, sei im Gespräch miteinander und unterstütze sich gegenseitig. Und auch theologisch gebe es keine Unterschiede.

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