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12 Stimmen aus Baden

Heinrich Hollritt aus Bretten: „Ich wünsche mir mehr Geld für ältere Arbeitslose“

Nicht alle über einen Kamm scheren, das fordert Heinrich Hollritt. Deshalb plädiert der Arbeitslose aus Bretten dafür, bei der Höhe des Hartz-IV-Satzes zu unterscheiden: Junge arbeitsunwillige Menschen sollen seiner Meinung nach weniger bekommen.

Das Geld ist knapp: Ein Auto kann sich Heinrich Hollritt nicht leisten. Immerhin hat er einen Roller. Den braucht er zum Einkaufen und um einmal in der Woche Prospekte zu verteilen. Foto: Andrea Fabry

802 Euro haben Heinrich und Marie-Luise Hollritt aus Bretten im Monat zum Leben. Das ist der aktuelle Hartz IV-Satz für ein Paar. Von dem Geld bezahlen die beiden Essen, Trinken, Kleidung, Hygieneprodukte, Telefon, Möbel, Freizeit und den Unterhalt für ihren Roller.

Miete und Heizkosten übernimmt der Staat „Wir haben gelernt, mit unserem Geld auszukommen“, sagt Heinrich Hollritt. „Aber ein bisschen mehr wäre schön.“

Ein bisschen mehr wird es im kommenden Jahr tatsächlich. Eine Zulage von exakt drei Euro pro Person hat die Regierung beschlossen. Kurz vor der Bundestagswahl ist das Thema Hartz IV wieder aktuell.

Reform der Sozialleistung: Das planen die Parteien

Alle im Bundestag vertretenen Parteien planen eine Reform der Sozialleistung. CDU/CSU wollen etwa mehr Anreize zum Arbeiten schaffen. Dazu solle die Anrechnung des Einkommens neu ausgestaltet werden.

Die SPD will unter anderem die Grundsicherung überarbeiten und zu einem Bürgergeld entwickeln. Regelsätze müssten „zu einem Leben in Würde ausreichen“, schreibt sie. Von einem „liberalen Bürgergeld“ spricht die FDP. Dazu will sie alle steuerfinanzierten Sozialleistungen zusammenfassen. Außerdem steht in ihrem Parteiprogramm, dass sie die Hinzuverdienstgrenzen erhöhen will.

Die Grünen wollen unter anderem Hartz IV durch eine Garantiesicherung ersetzen, die vor Armut schützt. Der Regelsatz solle im ersten Schritt um mindestens 50 Euro angehoben werden, danach schrittweise weiter, allerdings individualisiert.

Nur noch auf inländische Konten will die AfD Sozialleistungen überweisen. Außerdem soll die Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes nach ihrem Willen an die Dauer der Vorbeschäftigung geknüpft werden. Hartz IV ganz abschaffen will die Linke. Sie fordert, niemand solle weniger als 1.200 Euro im Monat zur Verfügung haben. Ein Vorschlag, der Heinrich Hollritt zwar irgendwie gefällt, bei dem er dennoch sofort abwinkt: „Das ist doch Utopie. Wir sind froh, wenn wir fünf oder zehn Euro mehr kriegen.“

Auch er ist für eine Reform der Sozialleistungen und hofft auf die kommende Regierung. Hollritt plädiert dafür zu unterscheiden: zwischen Menschen, die nicht arbeiten wollen, und Menschen, die nicht arbeiten können. So sollten junge, arbeitsfähige Arbeitslose seiner Meinung nach weniger bekommen als Sozialleistungsempfänger, die ihr Leben lang gearbeitet haben.

Weitere Informationen zu den „12 Stimmen aus Baden“ gibt es auf der Instagram-Seite der BNN und im dortigen Highlight „#btw21“.

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