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Betrieb läuft schleppend an

In Bretten bleiben die Kinositze leer: Gibt es noch Hoffnung?

Seit rund einem Monat haben einige Kinos in der Region wieder geöffnet. Doch der Betrieb will nach dem mehrwöchigen Corona-Lockdown nicht so richtig anlaufen. Woran liegt das?

Viele Sitze bleiben leer: Bevor Lars Skoda (rechts) das Licht ausmacht und den Film startet, schaut der Leiter des Brettener Kinos im Saal noch einmal nach dem Rechten – auch wenn nur ein Gast in den roten Sesseln Platz genommen hat. Foto: Rebel

Da die Besucher ausbleiben, ist man von einem kostendeckenden Arbeiten meilenweit entfernt, sagt stellvertretend Lars Skoda, der Leiter des Kinostar in Bretten. Ein Grund für das Ausbleiben der Gäste sei das gute Wetter, meint Skoda, zudem mangelt es derzeit an einem attraktiven Angebot. Da wegen der Corona-Pandemie in den USA noch viele Kinos geschlossen sind, haben die Verleiher viele Starts der großen Blockbuster für mehrere Wochen nach hinten verschoben.

Fehlendes Kino-Wetter sorgt für leere Säle

Der Betrieb in den Kinos in der Region, die nach der langen Corona-Zwangspause seit rund einem Monat wieder geöffnet haben, läuft nach wie vor schleppend. Der Brettener Kinostar, eines der ersten Lichtspielhäuser, das recht früh wieder „on air“ war, bildet da keine Ausnahme. Zwar habe man in der Melanchthonstadt eine deutlich größere Besucherresonanz als in anderen Städten, doch von einem halbwegs kostendeckenden Betrieb sei man meilenweit entfernt, erklärt Theaterleiter Lars Skoda.

Neben der allgemeinen Verunsicherung der Leute machen den Kinobetreibern vor allem zwei Faktoren zu schaffen, auf die sie selbst überhaupt keinen Einfluss haben: Das Wetter und die großen Filmverleiher. „Es ist im Moment kein Kino-Wetter, wir befinden uns quasi schon im Sommerloch“, weiß Skoda.

Die logische Folge dieser Tatsache ist für ihn und viele andere Kinobetreiber denn auch wenig überraschend: „Die Sitzplätze, die uns in Bretten unter Einhaltung der geltenden Abstands- und Hygieneregeln zur Verfügung stehen, sind höchstens 15 Prozent ausgelastet.“

Während in normalen Zeiten in den drei Brettener Kinosälen maximal 379 Personen Platz finden, liegt die Kapazität wegen Corona derzeit bei rund 160 Plätzen. 15 Prozent davon bedeuten, dass durchschnittlich gerade einmal elf Gäste pro Tag in einem der roten Kinostar-Sessel Platz nehmen. Dennoch habe man noch keine Sekunde mit dem Gedanken gespielt, wegen der geringen Besucherzahl wieder zu schließen, versichert Skoda.

„An den Wochenenden sind wir mit der Resonanz eigentlich zufrieden. Auch das Geschäft an Pfingsten hat uns positiv überrascht, wobei da auch das Wetter mitgespielt hat. Aber unter der Woche sieht es manchmal schon ziemlich mau aus“, erzählt Theaterleiter Skoda. Im Corona-Sommerloch kommt es an den Wochentagen durchaus häufiger vor, dass ein Film gänzlich ohne Zuschauer läuft. In einem solchen Fall stoppt Skoda die Vorstellung in der Regel nach 15 Minuten.

Privatvorstellungen sind jetzt gerade gut möglich

Ebenfalls keine Seltenheit ist in diesen Tagen, dass Cineasten in den Genuss einer Privatvorstellung kommen. Nämlich dann, wenn eine Familie oder ein, zwei Paare oder ein einzelner Kinogänger ganz allein im Saal sind. Zudem tritt derzeit offen zu Tage, wie sehr die Kinobetreiber hierzulande am Tropf der Verleiher besonders aus den USA hängen. „Es war schon immer so, dass sich der amerikanische Markt sehr stark auf den deutschen Markt auswirkt – aber jetzt merken wir das extrem.

Da in den USA wegen Corona viele Kinos noch geschlossen sind, wurden etliche Filme einfach nach hinten geschoben“, weiß Skoda. Jüngst entschied sich Disney dafür, den Kinostart der Realverfilmung des Zeichentrickklassikers „Mulan“ aus dem Jahr 1998 um zwei Monate vom 23. Juli auf den 20. August nach hinten zu schieben.

Auch der mit Spannung erwartet Thriller „Tenet“, das neueste Werk von Meisterregisseur Christopher Nolan, flimmert erst am 12. August und nicht wie zunächst geplant am 16. Juli über die Leinwand. „Das ist natürlich sehr schade, da diese beiden Streifen ganz sicher viele Leute ins Kino gelockt hätten“, meint Skoda. So müsse man sich eben noch ein paar Wochen länger mit dem vorhandenen Filmmaterial begnügen.

Große Hoffnungen setzt nicht nur der Brettener Theaterleiter auf eine Amazone, die ab dem 1. Oktober auf der Leinwand für das Gute kämpft. Denn mit „Wonder Woman 1984“ mit Gal Gadot in der Hauptrolle wird der erhoffte heiße deutsche Kinoherbst eingeläutet, nach dem die ganze Branche lechzt. „Wir hoffen natürlich, dass es bis dahin noch einige Lockerungen für die Kinos gibt und wir wieder mehr Plätze haben. Ab Oktober ist die Zeit, in der wir immer eine sehr hohe Auslastung haben“, sagt Skoda.

Kämpferin für das Gute: In den Film „Wonder Woman 1984“ mit Gal Gadot in der Hauptrolle setzen viele Kinobetreiber große Hoffnungen. Foto: Warner Bros. Entertainment

Neben der Amazonenprinzessin aus dem DC-Universum betritt mit der von Scarlett Johansson gespielten „Black Widow“ am 28. Oktober eine weitere Comic-Heldin die große Kinobühne. Am 12. November darf dann endlich Daniel Craig in „James Bond 007: Keine Zeit zu sterben“ die Welt retten. „Auf den neuen Bond-Film warten natürlich alle ganz gespannt“, versichert Skoda.

Bis dahin hoffen die Lichtspielhäuser in Bretten und der Region darauf, dass sie mit ihrem Programm irgendwie über den Sommer und damit über die Runden kommen. „Die Sneak Preview am Samstagabend läuft eigentlich ganz gut, gleiches gilt für das Programmkino und für die Filme, die wir in englischer Originalversion zeigen“, sagt Skoda und betont: „Wir machen das für unsere Kunden und damit wir präsent sind – und so haben die Leute zumindest noch ein zusätzliches Freizeitangebot.“

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