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O Tannenbaum!

Alles Wichtige zum Weihnachtbaum: In Bretten ist die Nordmanntanne am beliebtesten

Brettener Umweltschützer empfiehlt nachhaltige, regionale Tannen als umweltfreundliche Alternative zu Kunstbäumen.

Seit vielen Jahren verkauft Thomas Maier Weihnachtsbäume. Dabei steht er seinen Kundinnen und Kunden mit Rat und Tat zur Seite, um den für sie passenden Baum zu finden.
Seit vielen Jahren verkauft Thomas Maier Weihnachtsbäume. Dabei steht er seinen Kundinnen und Kunden mit Rat und Tat zur Seite, um den für sie passenden Baum zu finden. Foto: Nina Tossenberger

In den kommenden Wochen leuchten in vielen Wohnzimmern Weihnachtsbäume, eine Tradition, die für viele nicht wegzudenken ist. Besonders auf Kinder übt der geschmückte Baum nach wie vor eine große Faszination aus. Für manche Menschen aus der Region stellt sich jedoch die Frage, ob es mit Waldsterben und Klimawandel sinnvoll ist, einen echten Baum in die gute Stube zu stellen. Schließlich währt die Freude an dem Baum im besten Fall nur wenige Wochen.

Die Mehrheit der Weihnachtsbäume, die Thomas Maier seit über zwanzig Jahren für die lokalen Kunden verkauft, sind Nordmanntannen, der beliebteste Weihnachtsbaumsorte der Deutschen. Über 30.000 Hektar Land wird für den Anbau genutzt, vor allem im Sauerland (Nordrhein-Westfalen), in Schleswig-Holstein, in Bayern und Baden-Württemberg.

„80 Prozent unserer Bäume kommen aus Neresheim auf der Schwäbischen Alb, etwa 20 Prozent importieren wir aus Skandinavien“, erzählte Maier, der hauptberuflich Polizist ist. Die Vorteile dieser Bäume lägen unter anderem in ihren dunkelgrünen, glänzenden und optisch ansprechenden Nadeln.

Ein weiterer großer Vorteil sei, dass die Nadeln auch in beheizten Wohnzimmern länger am Baum bleiben. „Blaufichten werden weniger gekauft, da befürchtet wird, dass sie schneller nadeln. Mit abgeschnittenem Stamm und ausreichender Bewässerung halten sie jedoch genauso lange“, versichert Maier.

Stecken noch Pestizide im Baum?

Ein großes Problem sieht Gerhard Dittes, Vorstand der Ortsgruppe Bretten des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), im Einsatz von Pestiziden. „Eine Untersuchung des BUND hat gezeigt, dass zwei Drittel der Weihnachtsbäume mit Pestiziden belastet sind, manchmal sogar mit bienengefährdenden Mitteln“, erklärt Dittes.

Selbst das in der EU zugelassene schädlichste Pestizid Lambda-Cyhalothrin wurde nachgewiesen und reichert sich in anderen Organismen an. Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) bestätigt, dass die in den Kaukasuswäldern beheimatete Nordmanntanne in Deutschland oft mit intensiven landwirtschaftlichen Methoden angebaut wird, einschließlich des Einsatzes von Düngemitteln. Diese Praktiken können die Bodenqualität beeinträchtigen, zu Wasserverschmutzung beitragen und die biologische Vielfalt in der Umgebung der Plantagen schädigen, sagt Dittes.

Lieber gar keinen Baum als einen künstlichen.
Thomas Maier,
seit 20 Jahren Weihnachtsbaumverkäufer

„Um umweltbewusst zu handeln, bieten sich als Alternative regionale Bäume aus ökologisch bewirtschafteten Kulturen oder zertifizierte Bio-Weihnachtsbäume an“, betonte Dittes. Bio-Weihnachtsbäume unterscheiden sich von konventionellen durch den Anbau ohne Pestizide und Kunstdünger. Zertifizierungen von Organisationen wie Naturland oder Demeter garantierten, dass diese Bäume nach strengen ökologischen Standards gezogen wurden.

Es lassen sich übrigens auch Bäume mieten – diese überleben üblicherweise das Fest. Die Idee eines Weihnachtsbaumes im Topf sei jedoch nicht in allen Fällen gute Wahl. „Mein Sohn hat einen Weihnachtsbaum im Topf gekauft, der jedoch nicht darin gezogen wurde, sondern im Boden. Beim Ausgraben wurden die Wurzel beschädigt“, berichtete eine Käuferin. Auch das Selbstschlagen ist möglich, bei speziellen Höfen und landwirtschaftlichen Betrieben, die das ermöglichen.

Schuften auf dem Acker – die Böden sind durchnässt, so dass sie nicht befahren werden können. Das bedeutet für die Weihnachtsbaumernte erheblich mehr Handarbeit als in einer normalen Saison.
Es ist eine Industrie auf dem Acker: Die Weihnachtsbäume für den deutschen Markt kommen nach Angaben der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald auch zum großen Teil von hier. Foto: Waltraud Grubitzsch/dpa

Die Gesamtökobilanz von Weihnachtsbäumen sei im Vergleich zu anderen weihnachtlichen Aktivitäten gut. Nach Untersuchungen der Umweltberatungsfirma ESU-Services verursache ein dreigängiges Fleischmenü für zwei Personen in der Herstellung einen deutlich höheren CO₂-Ausstoß als ein Weihnachtsbaum.

„Der Baum kann nach der Weihnachtstage kompostiert werden, allerdings soll bei der Entsorgung darauf geachtet werden, dass kein Lametta und Weihnachtskugeln mehr am Baum hängen“, betonte Dittes.

Ein Kunstbaum hält länger, hat aber andere Nachteile

Künstliche Weihnachtsbäume verursachen während ihrer Lebensdauer zwar keine direkten Umweltbelastungen, doch der Plastik sei, wie die NABU berichtet, nur schwer abbaubar. „Viele Plastik-Christbäume, die es in Deutschland zu kaufen gibt, stammen zudem aus China und haben deshalb einen langen Transportweg“, bestätigte Dittes.

„Lieber gar keinen Baum im Wohnzimmer als einen künstlichen“, sagt Maier, der diese Einstellung auch bei seinen Kunden feststellt, die sich zunehmend von den Plastikbäumen abwenden. Ein echter Baum gehöre für viele zum Fest dazu.

„Obwohl die Preise für die Bäume im Verhältnis zum Anstieg der Lebensmittelpreise stabil geblieben sind, liegen sie immer noch über dem Niveau vor der Energiekrise“, betonte Maier. Für ihn sei es ein besonderes Gefühl, in diesen Tagen in die erwartungsvollen Augen der Kinder zu schauen, die sich auf Weihnachten freuen.

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