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Menschen mit Behinderung

Inklusion im Sport: Ettlinger Verein startet Modellprojekt für Kinder

Es sind nicht viele Sportvereine, die Menschen mit Behinderung besondere Angebote machen. Für die Meisten gehört Inklusion zum normalen Programm. Dennoch gibt es in der Region einige Gruppen.

Die Rollstuhlsportgruppe des TV 1846 Bretten trifft sich immer mon-tags um 17 Uhr in der Rinklinger Schulsporthalle.
Die Rollstuhlsportgruppe des TV 1846 Bretten trifft sich immer montags um 17 Uhr in der Rinklinger Schulsporthalle. Foto: Kurt Klumpp

Der TSV Weingarten ist kürzlich für sein gesellschaftliches Engagement mit dem „Bronzenen Stern des Sports“ des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) ausgezeichnet worden. Damit werden besonders die inklusive Kindersportschule des Vereins sowie die kostenfreie Aufnahme ukrainischer Flüchtlinge gewürdigt.

Inklusive Sportgruppen in den Vereinen sind allerdings immer noch die Ausnahme. Zum Jahresende 2021 zählte das Statistische Bundesamt 7,8 Millionen Menschen mit einer schweren Behinderung in Deutschland.

Zugleich haben nach dem Sportentwicklungsbericht nur sieben Prozent der fast 90.000 Turn- und Sportvereine Angebote für chronisch kranke Personen oder Menschen mit Behinderung in ihrem Programm.

„In vielen Vereinen ist es allerdings normal, dass Menschen mit und ohne Handicap gemeinsam Sport treiben“, sagt Kim Früh, Inklusionsmanagerin des Badischen Behinderten- und Rehabilitationssportverbandes. Und sie bestätigt, dass diese Vereine in ihrem Verband nicht gemeldet sind, weil dort Inklusion selbstverständlich funktioniert und zum Vereinsleben dazugehört.

Brettener Turnverein hat 33 Reha-Sportgruppen

Wie beim Turnverein 1846 Bretten. Der Großverein unterhält 33 Reha-Sportgruppen. Davon allein 19 orthopädische Kurse für Menschen mit Rückenbeschwerden und sechs für Lungen-Geschädigte.

Drei Gruppen treffen sich jede Woche zum Sport nach Krebs, während zwei Kurse für Diabetiker durchgeführt werden. Angeboten werden auch eine Herzsportgruppe und eine für Menschen mit neurologischen Erkrankungen.

Immer montags treffen sich in der Rinklinger Schulsporthalle zudem Querschnittsgelähmte, Menschen mit Amputationen sowie Multiple Sklerose- und Schlaganfall-Patienten zum Rollstuhlsport. Für die Teilnahme an den Reha-Angeboten des TV Bretten wird die Bestätigung eines Arztes benötigt, während der Verein bei der Krankenkasse die Kostenübernahme prüft.

In Ettlingen läuft ein Modellprojekt für Kindern

Auf Initiative der Lebenshilfe Bruchsal-Bretten und des badischen Handballverbandes wurde 2009 die inklusive Sportgruppe „Die Habichte“ gegründet. Kooperationspartner ist seit dem Vorjahr der Handballbezirk Alb-Enz-Saal.

Immer am Samstagvormittag finden sich die Handballspieler in der Sporthalle der Bruchsaler Stirumschule zum Training zusammen. Die Habichte nehmen an der Runde der „Alten Herren“ teil.

Menschen mit Behinderung erleben durch Sport die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.
Jessica Frank, Lebenshilfe Bruchsal-Bretten

Sie tragen auch Freundschaftsspiele aus. Das Nächste findet am 5. November in Ubstadt statt. „Menschen mit Behinderung erleben durch Sport die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben“, sagt Jessica Frank von der Lebenshilfe Bruchsal-Bretten.

Ein Modellprojekt ist das von der Spiel- und Sportvereinigung Ettlingen initiierte und vom Badischen Sportbund mit dem Zukunftspreis 2022 ausgezeichnete Kinder-Bewegungszentrum (KiBeZ).

Unter der Leitung von Lisa Lorenz haben sich neun Turn- und Sportvereine aus Ettlingen und seinen Stadtteilen zusammengeschlossen, um Kindern im Alter von drei bis zehn Jahren ein vielseitiges Programm zu bieten.

Dazu zählen Schnupperstunden in Sportarten wie Tennis, Faustball, Judo, Basketball, Fußball, Rollkunstlauf, Handball, Turnen, Stockkampf, Badminton und Leichtathletik.

Badischer Verband schult Vereine in Kursen

Seit Anfang September können in einem inklusiven Kurs Sieben- bis Zehnjährige mit und ohne Behinderung an diesem vielfältigen Angebot teilnehmen. „Zur Planung und Umsetzung inklusiver Sportangebote gibt es keine Pauschallösungen“, sagt Kim Früh vom Badischen Behinderten- und Rehabilitationssportverband.

Wichtige Voraussetzungen seien eine Willkommenskultur in den Vereinen und bei den Übungsleitern sowie das Öffnen der bereits bestehenden Angebote für Menschen mit Behinderung. Dabei leiste der Verband wertvolle Hilfen.

Das Starterpaket beinhaltet einen 120-stündigen Workshop mit einem praktischen und theoretischen Teil, an dem bis zu zehn Funktionäre, Übungsleiterinnen und interessierte Mitglieder teilnehmen können.

Im Praxisteil sollen Übungen und Spiele mit Simulations- und Dunkelbrillen für die unterschiedlichen Lebensbedingungen von Menschen mit Behinderung sensibilisieren. Ein Starterkoffer für inklusive Sportgruppen kann zudem beim Verband vier Wochen lang kostenlos ausgeliehen werden.

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