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Nach zwei Jahren Bauzeit

Knittlinger Kieselmannbrücke ist wieder für Verkehr freigegeben

Verzögerungen verlangten den Anwohnern einiges ab. Bei der Wiedereröffnung hob Ministerialdirigent Andreas Hollatz jedoch die lange Lebensdauer des Neubaus hervor.

Mann vor Rednerpult unter dem Brückenaubau
Zufrieden mit dem Ergebnis: Ministerialdirigent Andreas Hollatz, Leiter der Abteilung „Straßenverkehr und Straßeninfrastruktur“, bei seiner Rede unter dem Brückenaubau Foto: Florian Ertl

Über zwei Jahre nach Beginn der Bauarbeiten für einen Ersatzneubau konnte die Knittlinger Kieselmannbrücke am Mittwoch wieder offiziell für den Verkehr freigegeben werden. Die einspurige Behelfsbrücke, über die während der Bauzeit der Verkehr der vielbefahrenen B35 floss, war da bereits abgebaut.

„Die originale Kieselmannbrücke war ein Bauwerk der 60er Jahre und auf weitaus niedrigere Verkehrsbelastungen ausgelegt. Eine Instandsetzung wäre daher unwirtschaftlich gewesen“, erklärte Jürgen Skarke, Abteilungspräsident für Mobilität, Verkehr und Straßen im Regierungspräsidium Karlsruhe vor Bürgern sowie Vertretern aus Landes- und Kommunalpolitik. Die intensive Nutzung der vergangenen Jahrzehnte hätten an der alten Kieselmannbrücke sichtbare Spuren hinterlassen. Schäden und Defizite bei der Tragfähigkeit hätten erst Geschwindigkeitsbegrenzungen und dann konkretes Handeln erforderlich gemacht.

Flutkatastrophe erschwerte Lieferungen

Durch das Einrichten einer Behelfsbrücke habe man eine Vollsperrung der Bundesstraße und Umleitungen durch Knittlingen verhindern können. „Eine Verkehrsmenge von 12.000 Fahrzeugen am Tag wollten wir den Knittlingern nicht zumuten“, so Skarke. Durch die Flutkatastrophe im Ahrtal im Sommer 2021 hätte die einspurige Behelfsfahrbahn nicht pünktlich geliefert werden können. Brücken seien zu dieser Zeit in den überschwemmten Gebieten dringender gebraucht worden.

„Wir wollten ursprünglich ein halbes Jahr früher fertig sein, aber da der Markt für Behelfsbrücken durch die Flut völlig überlaufen war, verschob sich der Abriss der alten Brücke und damit weitere Baumaßnahmen“, berichtete Abteilungspräsident Skarke. Des Weiteren hätte es nach dem Abriss der Bestandsbrücke Probleme bei Bohrungen für 37 Bohrpfähle gegeben. Beim eigentlichen Bau der nun vollendeten Plattenbalkenbrücke sei dann aber alles planmäßig verlaufen. Sogar der Kostenrahmen von geplanten fünf Millionen Euro sei eingehalten worden.

Für die Verkehrsfreigabe hatte sich auch Verkehrsstaatssekretärin Elke Zimmer (Grüne) angekündigt. Aufgrund von Krankheit wurde Zimmer jedoch kurzfristig durch Andreas Hollatz, Abteilungsleiter im baden-württembergischen Verkehrsministerium, vertreten. „Die B35 stellt gerade angesichts der aktuellen Großbaustelle auf der A8 eine wichtige Trasse dar. Durch den Abschluss dieser Maßnahme dürfte sich die Verkehrssituation an vielen Stellen wieder verbessern“, so Ministerialdirigent Hollatz.

Auch Schwertransporte sollten dem Neubau nichts anhaben

Der neuen Brücke schrieb der Abteilungsleiter eine Lebensspanne von 80 bis 90 Jahren zu. „Anders als die alten Brücken sind die Neubauten auch auf Transporte mit 44 Tonnen Gesamtmasse ausgelegt“, sagte Hollatz. Mit dem Neubau einer Brücke sei es für das Land aber noch nicht getan. Die Instandhaltung des Straßennetzes sei herausfordernd.

In ganz Baden-Württemberg gebe es mehr als 7.300 Brücken im Bundes- und Landesstraßennetz. Viele davon seien in den 60er und 70er Jahren entstanden und würden nun baufällig. „Eigentlich müssten wir jedes Jahr 100 Brücken abreißen und neu bauen“, meinte Hollatz. Das sei aber nicht zu machen. Dennoch setze das Verkehrsministerium im Bereich der Sanierungen und Neubauten einen Schwerpunkt. Bundesweit sei Baden-Württemberg bei der Instandhaltung führend.

Verkehrsteilnehmer bat Hollatz um Verständnis für die gestiegene Baustellendichte auf Bundes- und Landesstraßen. „An manchen Stellen gibt es dann einige Monate oder vielleicht auch mal ein oder zwei Jahre Verkehrsbehinderungen. Aber danach hat man dann erstmal viele Jahrzehnte Ruhe. Das sollte man nicht vergessen“, fand Hollatz.

Knittlingens Bürgermeister Alexander Kozel (Grüne), bedankte sich in einer kurzen Ansprache bei Anwohnern der Kieselmannbrücke, die in den vergangenen zwei Jahren dem Baulärm getrotzt hätten. „Wir sind froh, dass die Brücke nun wieder regulär befahrbar ist. Es hat seine Zeit gedauert, aber nun können wir stolz darauf sein, dass dieses neue Bauwerk in Knittlingen steht“, betonte Kozel.

Bürgermeister hofft auf reibungslosen Glasfaser-Ausbau

Der Rathauschef lobte bei der feierlichen Verkehrsfreigabe die gute Zusammenarbeit und Kommunikation mit dem Regierungspräsidium Karlsruhe und dem Verkehrsministerium. „Sollte das bei künftigen Baumaßnahmen genauso funktionieren, wäre das erstklassig“, meinte Kozel. Projekte, die ohne Beteiligung von Bund und Land ausgeführt werden, seien nach diesen Maßstäben umzusetzen.

„Ich hoffe, dass wir in Knittlingen beim anstehenden Glasfaserausbau dann ähnlich gut vorankommen und Verkehrsbehinderungen die Ausnahme bleiben“, merkte das Stadtoberhaupt noch an.

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