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Seit 31 Jahren

Es scheint, als wäre im Kraichgau Märchenwald in Kürnbach die Zeit stehengeblieben

Seit nunmehr 31 Jahren gibt es den Kraichgau Märchenwald in Kürnbach. Dort werden auf einem 800 Meter langen Rundweg in elf Schaukästen bekannte Märchen der Gebrüder Grimm dargestellt.

Die schnelle Waldmaus im Kürnbacher Märchenwald.
Die schnelle Waldmaus ist eine der zahlreichen Attraktionen für die kleinen Besucher des Kraichgau Märchenwalds in Kürnbach. Foto: Florian Ertl

„Es war einmal“: So fangen in den allermeisten Fällen Märchen an. Betritt man den Kraichgau Märchenwald in Kürnbach, dann kommt es einem wirklich so vor, als stoße man in längst vergangene Zeiten vor.

Seit vielen Jahrzehnten ist der kleine Park in der Nähe des Schlosswiesensees unweit des Kürnbacher Ortsrands ein beliebtes Ausflugsziel für Familien. Vieles im Park ist noch genauso wie zur Gründungszeit der Märchenwelt Ende der 1960er-Jahre.

„Als Kind war ich mit meinen Eltern hier. Jetzt bin ich mit meinen Kindern da und ich habe das Gefühl, dass hier die Zeit einfach stehen geblieben ist“, meint Katharina Goeckel, die mit ihrem Mann und ihrem vierjährigen Sohn den Märchenwald mit seinen elf Märchen-Schaukästen am vergangenen Samstagnachmittag besucht hat.

Viele Gäste waren selbst schon als Kinder im Märchenwald in Kürnbach

„Ich erlebe es häufiger, dass Gäste auf mich zukommen und mir erzählen, dass sie schon selbst als Kinder hier waren und nun mit ihren Kindern oder gar ihren Enkelkindern zu uns kommen“, berichtet Marlene Winkler, die zusammen mit ihrem Ehemann Oliver den Märchenwald seit nunmehr 31 Jahren betreibt.

Mein Mann hat sich mit diesem Märchenwald einen Traum verwirklicht.
Marlene Winkler, Inhaberin Kraichgau Märchenwald

„Mein Mann hat sich mit diesem Märchenwald einen Traum verwirklicht. Er ist schon immer ein Handwerker aus Leidenschaft gewesen und wollte selbstständig sein“, erklärt Marlene Winkler. Als ihr Mann, der ursprünglich aus Oberderdingen kommt, davon erfahren habe, dass die Familie Schmidgruber den Park abgeben wollte, da habe er nicht lange gezögert, erzählt die Inhaberin.

Die Winklers erwarben daraufhin für eine Ablöse alle Spielgeräte, Automaten und Hütten auf der Fläche des Waldes. Der Wald selbst ist bis zum heutigen Tag in staatlicher Hand. Probleme habe es mit dem Forstamt, das für die Pflege des Waldes zuständig ist, praktisch nie gegeben.

Pflege des Waldes in Kürnbach ist von großer Bedeutung

Hin und wieder müssten Bäume gefällt werden. In einem Jahr seien es dann sogar mal 80 gewesen, da der Wald verjüngt werden musste, berichtet Marlene Winkler. „Für so etwas haben wir natürlich Verständnis. Der Wald soll ja auch erhalten bleiben und da sind solche Maßnahmen auch einfach notwendig“, meint die Märchenwald-Betreiberin.

Es sei immer mit großem Aufwand verbunden im Märchenwald zu arbeiten und diesen instand zu halten. Viele Arbeiten erledige man in Eigenregie.

Angebot des Märchenwalds in Kürnbach wurde um verschiedene Attraktionen erweitert

Über die Jahre habe man den Park so auch um einige Attraktionen erweitert – etwa um ein historisches Dampfkarussell, das nach Angabe der Inhaber eines der kleinsten der Welt ist. Hinzu kam auch noch eine 250 Meter lange Go-Kart-Bahn, die wegen den aktuellen Hygienebestimmungen aber geschlossen ist. Zusammen mit dem Kürnbacher Achim Schuler bauten die Winklers dann auch noch einen Hindernisparcours.

Zwei Kinder und eine Frau vor einem Häuschen im Wald.
In elf Schaukästen auf dem Gelände werden Märchen und Märchenszenen dargestellt. Kinder verfolgen die Geschichte gebannt. Foto: Florian Ertl

Krisenfest sei man über all die Jahre geworden, meint Marlene Winkler. „Angefangen beim Orkan Lothar, der auch unserem Wald zugesetzt hat, bis hin zur jetzigen Corona-Pandemie haben wir schon so einige schwere Zeiten gemeistert“, betont die Inhaberin.

Aktuell sei dann auch noch der Klimawandel ein Problem: „Wir merken, dass immer mehr Bäume krank werden und sterben. Gerade die Nadelbäume erwischt es. Dann hatten wir in einem Bereich des Waldes auch noch den Borkenkäfer.“ Die extrem trockenen und heißen Sommer der letzten Jahre hätten maßgeblich zu dieser Entwicklung beigetragen, so die Märchenwald-Betreiberin.

Besucherzahlen sind nach dem Lockdown-Ende gestiegen

Zumindest die Besucherzahlen würden mittlerweile, nach den Lockdowns, wieder besser aussehen. Die Besucherresonanz zum Märchenwald falle aber zunehmend gespalten aus.

„Es gibt die, die sich auf das hier einlassen, die ihren Kindern die Märchen zeigen und diese dafür begeistern“, berichtet die 60-Jährige und fügt an: „Auf der anderen Seite gibt es dann auch manche, die mit Märchen nichts mehr anfangen können und die lieber mehr Action haben wollen. Die können mit Nostalgie und Beschaulichkeit wenig anfangen.“

Für die Besucher, die am Samstagnachmittag durch den Märchenwald streifen, scheint das Angebot aber auszureichen. „Manches ist schon etwas in die Jahre gekommen, aber das finde ich jetzt nicht wirklich schlimm, denn die Kinder haben richtig Spaß. Die Wege sind uneben und nicht wirklich für Kinderwagen geeignet, aber darauf haben wir uns eingestellt. Wir gehen ja in einen Wald, da sollte das klar sein“, erklärt die zweifache Mutter Jennifer Nübling.

Das Betreiber-Ehepaar Winkler wünscht sich für die verbleibende Saison, die im Oktober zu Ende geht, noch möglichst viele Besucher. Zudem hoffe man, dass man in naher Zukunft einen Nachfolger für den Märchenwald findet. „Für uns ist aber eigentlich klar, dass wir das hier so lange machen wollen, wie wir es körperlich können und noch Spaß daran haben“, versichert Marlene Winkler.

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