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Bilanz aus dem Corona-Lockdown

Lohnt sich der Take-Away-Service für Brettener Gastronomen?

Eines ist unbestritten: Die Gastronomie leidet mit am meisten unter der Corona-Pandemie. Viele Betreiber aus Bretten sind bereits im Frühjahr auf Abhol- und Lieferdienste umgestiegen. Aber ist das überhaupt rentabel?

Nadja Oberdorfer und ihr Mitarbeiter Michael Ledić vom Restaurant Schweizer Hof bereiten die Speisen für den Abholservice vor. Foto: Sylvia Mutter

Die bunte Gastronomie ist eines der Brettener Wahrzeichen, nicht nur rund um den Marktplatz finden sich beliebte Einkehrmöglichkeiten. Gästen bieten sich hier viele Möglichkeiten, vom Imbiss bis zum gediegenen Restaurant mit deutscher, italienischer oder asiatischer Küche.

So verschieden die Lokale auch sind, unter der Pandemie leiden alle gleichermaßen. Immerhin besteht die Chance, Speisen abzuholen oder diese liefern zu lassen. Doch rechnet sich ein Take-Away-Angebot überhaupt? Oder bleibt den Gastronomen die Kosten-Nutzen-Rechnung im Halse stecken, so dass am Ende die Brettener Szene der Lokal-Vielfalt in der Pandemie auf der Strecke bleibt?

Bei der Recherche vor Ort und der Nachfrage bei potenziellen Gästen erhält man häufig positive Resonanz, die Hoffnung macht: „Wir alle hier in Bretten sollten zusehen, dass wir unsere Gastronomie unterstützen. Denn irgendwann ist die Pandemie vorbei und dann sind die Lokale hoffentlich noch da“, sagt Franz Müller, der gerade die ausgehängte Speisekarte am Schweizer Hof studiert.

Zuweilen haben die Gastronomen keine Alternative zum Abholdienst, wie aus dem Schweizer Hof zu hören ist. Das Haus bietet seit dem 2. November die Abholung von Speisen und Getränken an, erklären die Inhaberin des Restaurants, Nadja Oberdorfer, und ihr Mitarbeiter Michael Ledić. Dabei freuen sich beide, dass sich die Nachfrage einigermaßen eingependelt hat, wenngleich nach wie vor ein ständiges Auf und Ab zu beobachten ist.

„Der Betrieb“, so Oberdorfer, „ist nicht rentabel, das Weitermachen ist dennoch ein Muss.“ Sie weist jedoch darauf hin, dass es noch immer treue Gäste gibt, die das Haus in der Fußgängerzone unterstützen, „darunter sind sowohl Stammgäste als auch neue Gäste.“ Als Special bietet Nadja Oberdorfer für Festtage und Feierlichkeiten selbst zusammengestellte Menüs aus einer Extrakarte. Doch auch hier ist das Ziel, den Betrieb kostendeckend zu führen, nicht immer leicht zu erreichen. Und doch ist klar: Aufgeben ist keine Option.

Fußgängerzone ist Handikap für Abholservice

Auch die Pizzeria La Piazetta setzt auf Take-Away. Das Chefinnen-Duo Sabrina Metallo und Arcangela Lamda Vedda machten damit schon im ersten Lockdown ab März Erfahrungen. Man arbeite hier mehr oder weniger für Stammgäste. „Sie für uns und umgekehrt“, bemerkt Sabrina Metallo lächelnd, „es ist ein Geben und Nehmen.“

Das größte Handikap sei das Einfahrtsproblem in die Fußgängerzone. Für die Außer-Haus-Mitnahme stelle es wegen der guten Organisation und souveränen Durchführung aber kein unüberwindbares Problem dar. „Weitermachen!“ lautet auch hier die Devise, auch wenn in der Großfamilie ganz besonders auf die Risiken der Gegenwart geachtet wird, wie Arcangela Lamda Vedda erklärt: „Wir haben Respekt vor dem Virus, nicht nur, weil wir in einer Großfamilie leben.“ Die Familie hat sich immerhin bis zum Dreikönigstag selbst eine ungewohnte Auszeit verordnet. Das Restaurant ist derzeit geschlossen.

Eigens einen Transporter angemietet hat das Sàigòn. Geschäftsführer Toni Kluttig, Küchenchef Rocco und Mitarbeiterin Carolin Langlotz, die für das vietnamesische Restaurant und die Bar verantwortlich sind, bieten Take-Away und Lieferservice, obwohl es im Herbst-Winter-Lockdown ruhiger zugeht als im Frühjahrs-Lockdown.

Geschäftsführer des vietnamesischen Restaurants Sàigòn Toni Kluttig und seine Mitarbeiterin Carolin Langlotz nehmen Bestellungen entgegen. Foto: Sylvia Mutter

Zwischendurch gibt es laut Toni Kluttig „gute Wochentage, sonst läuft das Geschäft eher schleppend.“ Dabei entstehe zwar kein Stress, aber ein hoher Verlust. Immerhin würden staatliche Hilfen einen Teil der Kosten decken. „Es geht gerade so,“ gibt Kluttig zu. „Aufhören ist jedoch keine Option, solange Hilfen kommen. Ein paar Monate werden wir durchhalten, bislang sind wir zuversichtlich.“

Kluttig hofft auf das Frühjahr, wenn das Terrassengeschäft wieder beginnt. „Dann ist das Restaurant wieder rentabel, solange müssen wir durchhalten.“ Er sieht sein zweites Restaurant, die Lunar Fusion Kitchen, als Ergänzung zum Sàigòn. Auch hier wird ein Abhol-Service angeboten.

Das Problem: Das Restaurant sollte am 1. Oktober eröffnet werden, es kam jedoch zu einer Verzögerung. Und nach vier Wochen kam dann der Lockdown. „Der Laden lief gut“, berichtet Toni Kluttig, der 25 Mitarbeiter eingestellt hatte. „Der Erlebnisfaktor im Restaurant ist hoch, dies geht bei Abholung natürlich nicht“, bedauert er.

Geschäft muss weitergehen

Auch die Metzgerei Geist bietet sowohl einen Lieferdienst wie auch den Mitnahme-Service. Derzeit wird das Geschäft, das zu knapp 70 Prozent von Stammgästen getragen wird, durch Werbung gestützt. Die Mitarbeiter zu beschäftigen und Präsenz zeigen, das stehe für Restaurantbetreiber Hammou el Joundi im Vordergrund.

Von einem richtigen Geschäft möchte er freilich nicht sprechen. Immerhin werden in seinem Haus Hotel und Metzgerei parallel betrieben, so entstehen Synergieeffekte. „Sonst wäre es nicht gegangen“, betont er. Doch auch für Hammou el Joundi gilt als wichtigstes Motto: Es muss weitergehen! Wir dürfen die Hoffnung nicht verlieren!

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