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Handwerker übt Kritik

Mangelhafter Corona-Schutz: „Viele halten sich auf der Baustelle nicht an die Regeln“

Abstand halten und Maske tragen - Fehlanzeige! Auf vielen Baustellen geht es zu, als ob es eine Corona-Pandemie nicht gäbe. Dabei gibt es von den Innungen und der Berufsgenossenschaft klare Regeln.

Mit Maske: Die Fliesenleger im Bauprojekt der Brettener Firma Harsch arbeiten mit Mund-Nasen-Schutz. Das Bauunternehmen legt großen Wert auf die Einhaltung der Corona-Regeln. Foto: Tom Rebel

„Da machen sie große Vorschriften, doch keiner hält sich dran“. Der Brettener Handwerksmeister, der viel auf Baustellen zu tun hat und anonym bleiben will, redet Klartext.

„Ich bin oft der Einzige auf der Baustelle, der eine Maske trägt und komme mir manchmal vor wie ein Exot“, sagt er. Auch Abstände würden nicht eingehalten: Da stünden vier Arbeiter ohne Gesichtsmaske in einem acht Quadratmeter kleinen Bad, das könne ja nicht gutgehen.

„Und wenn man etwas sagt, wird man belächelt“, erklärt der Elektromeister, der seinen Koffer wieder einpackt, wenn er merkt, dass an seinem Arbeitsplatz die Vorgaben nicht eingehalten werden.

Maximal die Hälfte trägt Maske

Der Elektriker ist mit seiner Einschätzung nicht allein. Ein Kollege von der Heizungs- und Sanitärsparte sieht das ähnlich: „Weniger als die Hälfte der Handwerker tragen eine Maske“, ist seine Beobachtung.

Wobei das bei schweren Arbeiten ja auch nicht so einfach sei. „Verbesserungsbedürftig“ sei die Sache aber allemal. Die bestehenden Regeln reichen seiner Meinung nach aus, sie würden nur nicht ausreichend beachtet. „Das kontrolliert ja niemand“, lautet seine Einschätzung.

Sensibilität für das Thema wächst

Es gibt auch andere Stimmen: „Wenn wir für Reparaturarbeiten zu Kunden ins Haus gehen, tragen wir immer Masken, bei internen Besprechung und Abstimmungen mit dem Bauleiter ebenfalls“, sagt ein Elektromeister aus einer benachbarten Kommune. Auch die Fahrt zur Baustelle erfolge immer mit Maske.

Im Rohbau mit einer überschaubaren Zahl von Handwerkern, die in verschiedenen Räumen arbeiten, trage man meist keine Maske. Bei körperlich schweren Arbeiten sei dies auch kaum möglich. „Und wenn wir ganz nah anpacken müssen, dann versuchen wir einander nicht ins Gesicht zu atmen“, erklärt der Firmenchef. Doch soweit wie möglich achte man darauf, einen Abstand von zwei Metern einzuhalten. Seine Beobachtung: „Die Sensibilität für das Thema habe zugenommen, die Handwerker achten stärker auf den Corona-Schutz“.

FFP2-Masken für alle Mitarbeiter

Ziemlich vorbildlich setzt die größte Brettener Baufirma die Corona-Vorschriften um. Unterm Strich laufen die Schutzvorkehrungen beim Traditionsunternehmen Harsch laut Juniorchef Mario Harsch folgendermaßen: Der Publikumsverkehr in der Zentrale ist auf das Allernötigste beschränkt. Jedes Büro ist nur mit einem Mitarbeiter besetzt, die Firma stellt Masken und Halstücher, die man bei Bedarf über Mund und Nase ziehen kann, für alle zur Verfügung. FFP2-Masken sind bestellt. Auf der Baustelle sind die Kolonnen strikt getrennt, für die Anfahrt werden zusätzliche Fahrzeuge bereitgestellt, auch dabei besteht Maskenpflicht. Daneben wurden zusätzliche Pausencontainer geordert, in denen maximal drei Leute zeitversetzt pausieren können.

Ich bin oft der Einzige auf der Baustelle, der eine Maske trägt und komme mir manchmal vor wie ein Exot.
Ein Elektromeister

„Die Masken im Bus haben sich bewährt“, erklärt Firmenchef Rolf Harsch. Beim Fall eines mit Covid-19-Infizierten Mitarbeiters, der umgehend in Quarantäne kam, wurden die Mitfahrer nicht angesteckt. Auf der Baustelle meide man auch den Kontakt zu anderen Firmen. Zwei Gewerke gleichzeitig - das habe auch schon vor Corona nicht funktioniert. In der Regel arbeiteten die Gewerke getrennt, so dass es nur wenige Berührungspunkte gebe.

Probleme vor allem beim Innenausbau

„Wir müssen unterscheiden zwischen den Baugewerken wie Hochbau, Straßenbau oder Pflasterer und den Innenausbaugewerken wie Maler, Gipser, Fliesenleger oder Schreiner“, sagt Reiner Schaber, der Obermeister der Bauinnung Karlsruhe-Bruchsal.

An der frischen Luft sei das Problem nicht so groß, im Innenausbau müssten die Firmen sicher stärker auf die Einhaltung der Corona-Regeln achten, ist auch Schabers Eindruck. Da scheine die Gefahr von Covid-19 noch nicht in allen Köpfen angekommen zu sein. Ein Grund dafür liege wohl auch im zeitlichen Druck, den die Bauherren und Architekten auf die Firmen ausüben, um möglichst schnell möglichst viel zu machen.

„Wir können aber nicht mit zehn Leuten auf die Baustelle gehen, das geht aktuell nur mit kleinen Kolonnen von drei bis vier Leuten“, sagt Schaber. Der Obermeister hat selbst eine Baufirma und will vermeiden, dass seine Leute gefährdet werden. Von Seiten der Auftraggeber vermisst er nicht selten die nötige Sensibilität für die Gefahren, die von der Pandemie ausgehen.

Der Verband der Bauwirtschaft Baden-Württemberg habe schon vor geraumer Zeit eine Million FFP2-Masken bestellt, die die Betriebe kostenlos an ihre Mitarbeiter weitergeben können, erklärt Schaber. Und auch die Berufsgenossenschaft Bau unterstütze die Betriebe mit entsprechenden Verordnungen bezüglich Arbeit in Kleingruppen, Maskenpflicht und Abstandsregeln, die man dann uneinsichtigen Auftraggebern auf den Tisch legen könne. Seine Mitarbeiter lässt er nur zu zweit ins Auto steigen.

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