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Geteilte Meinungen

Melanchthon-Tower sorgt als zukünftiges Brettener Wahrzeichen für Diskussionen

Ein 80 Meter hoher Turm könnte das neue Aushängeschild der Stadt Bretten werden. In einem modernen Bau direkt am Ortseingang sollen Wohnungen, Büros, Konferenzräume und ein Panoramacafé entstehen. Aber nicht alle Brettener sind von diesem Vorhaben überzeugt.

Visualisierung der Melanchthonhöhe in Bretten: Am Alexanderplatz soll ein dreiteiliger Komplex mit Kongresszentrum, Wohnungen, Büros, Tiefgarage und Panoramacafe entstehen. Foto: Quelle: Archita Architekturbüro Stuttgart

Ein moderner Turm als Aushängeschild der Melanchthonstadt: Das 80 Meter hohe Bauwerk könnte das neue Wahrzeichen für Bretten werden. Am Alexanderplatz möchte eine Stuttgarter Immobiliengruppe in einem dreiteiligen Gebäudekomplex Platz für neuen Wohnraum, ein Kongresszentrum, Büros und Restaurants schaffen. Dabei soll besonderer Wert auf seniorengerechte Wohnungen gelegt werden. Aktuell steht auf der Melanchthon-Höhe noch die alte Muckenfuß-Villa aus den 60er Jahren.

Das Haus steht seit Februar dieses Jahrs leer und soll einem modernen 24-geschossigen Tower und zwei begrünten Bauten weichen. Der Investor rechnet noch im zweiten Halbjahr 2021 mit einer Entscheidung des Brettener Gemeinderats zum Bebauungsplan. Wie denken die Brettener über das Vorhaben: Die BNN haben fünf Passanten (Fotos: Sidney-Marie Schiefer) nach ihrer Meinung gefragt.

Georg Hausner Foto: Sidney-Marie Schiefer

Für Touristen und Einheimische interessant

„Ich finde es toll, so ein Blickfang ist für Bretten sicher nichts schlechtes”, meint Georg Hausner. Der Stadtort des Turms direkt an der B35 ist seiner Meinung nach optimal. Durchreisende würden so eher Notiz von der Stadt nehmen und sich eventuell zu einem Abstecher verleiten lassen, vermutet der Brettener. Er selbst freut sich vor allem auf das geplante Panorama-Café.

Dies ist seiner Meinung nach nicht nur für Touristen interessant, sondern eine spannende Aussicht für die Einheimischen. Auch die geplanten Wohnungen findet er gut. Diese seien vermutlich für ältere Leute und Zugezogene spannend. Auf die Frage, ob er selbst gerne dort wohnen würde sagt er schmunzelnt: „Vielleicht eine Zwei-Zimmer-Wohnung fürs Alter.”

Britta Rasmassen-Frank Foto: Sidney-Marie Schiefer

Turm passt eher in eine Großstadt

Ganz anders sieht das Britta Rasmassen-Frank. Sie hofft, dass der Stadtrat sich gegen das Bauvorhaben entscheidet. „Wir sind hier nicht in Frankfurt”, sagt die Besucherin des Wochenmarktes und führt aus: „In unser Stadtbild passt kein so hoher Turm”. Dem 80-Meter-Tower kann Rasmassen-Frank nichts Gutes abgewinnen.

Ein Besuch im Café hoch über Bretten reizt sie nicht. Wohlgesonnener steht sie den kleineren Bauten rund um den Turm gegenüber. Die Begrünung der Häuser helfe, dass diese besser ins Stadtbild passen. Zwar findet sie es gut, dass über den dringend benötigten Wohnraum in Bretten nachgedacht wird, sie hofft aber, dass dieser anders geschaffen wird. „Ich wüsste nicht, für wen der Turm attraktiv sein sollte”, meint Rasmassen-Frank.

Roland Beck Foto: Sidney-Marie Schiefer

Ähnliche Sorgen hat Roland Beck, der dem Bauvorhaben allerdings auch Positives abgewinnen kann. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Wohnraum bezahlbar wird.” Insbesondere befürchtet er, dass sich die Senioren die altersgerechten Wohnungen nicht leisten können. Dies sei nicht der Wohnraum, der gebraucht wird, meint der Brettener.

Der Optik des Turms steht er zwiegespalten gegenüber. „Einerseits ist es eine Attraktion, anderseits passt es nicht zu unserer mittelalterlichen Stadt”, meint Beck. Am besten an dem Bauvorhaben findet er die Aussicht auf einen Panoramablick: „Eine Plattform oben auf dem Turm, das wäre schon nicht schlecht.”

Marina Mihalik Foto: Sidney-Marie Schiefer

Wohnraum ist nicht für jeden geeignet

Auch für Familien sei der geplante Wohnraum nicht geeignet, meint Marina Mihalik. Die junge Mutter kann sich nicht vorstellen, mit ihrem Kind in den Tower zu ziehen. „Das ist eher was für Singles oder Pärchen ohne Kinder”, meint sie. Mihalik hat sich noch kein umfangreiches Bild über das Bauvorhaben gemacht, ihr scheint der Stadtort der Anlage allerdings auf den ersten Blick passend.

„In der Gegend ist ja sonst nicht so viel, da kann ich mir so einen Turm vorstellen”, sagt sie. Dass der Turm als neues Wahrzeichen der Stadt gehandelt wird, lehnt sie allerdings vehement ab. „Nein, das finde ich auf keinen Fall passend, unser Wahrzeichen sollte etwas Historisches sein”, sagt Mihalik.

Thomas Härdt Foto: Sidney-Marie Schiefer

Standort kommt größtenteils gut an

Regelrecht begeistert reagiert Thomas Härdt auf das geplante Bauvorhaben. „Das war bisher eh totes Gelände”, sagt er. Besonders gut findet er, dass die Fläche am Ortseingang für Wohnraum erschlossen wird. „Ich denke, die Wohnungen sind für Bürger quer durch die Bevölkerungsschichten interessant”, meint Härdt.

Er selbst habe zwar bereits ein Haus aber er kann sich vor allem Senioren und Singles in den Wohnungen vorstellen. Ob die geplanten Zwei- oder Drei-Zimmer-Wohnungen auch für Familien von Interesse sind, kann er nicht einschätzen. Härdt plant auf jeden Fall mit einem Besuch der Anlage, besonders freut er sich auf das Panorama-Café. Er teilt die Meinung des Stadtrates und ist überzeugt, der Turm könne ein toller Blickfang und ein Wahrzeichen am Ortseingang werden.

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