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Mit Stickern Flagge zeigen

Mutter und Tochter aus Bretten starten Kampagne für freiwilliges Tempolimit auf Autobahnen

Gut für uns - gut für die Umwelt: Julia und Eva Hiller aus Bretten haben mit einer selbst gestalteten Website eine Kampagne für ein freiwilliges Tempolimit auf Autobahnen gestartet.

Eindrückliches Bild: Die Karte, die Eva Hiller (rechts) gestaltet hat, illustriert die Problemlage ziemlich gut: In ganz Europa gibt es nur in Deutschland kein Tempolimit. Evas Mutter Julia hat deshalb eine Kampagne gestartet. Foto: Florian Hiller

Wussten Sie, wie viele Länder es in Europa abgesehen von Deutschland ohne Tempolimit gibt? Richtig getippt: keines. Lediglich auf der britischen Isle of Man darf noch grenzenlos gerast werden.

Weltweit befindet sich das Autoland Deutschland beim Fahren ohne Limit mit Afghanistan, Bhutan, Burundi, Haiti, den indischen Bundesstaaten Pradesh und Uttar sowie dem Libanon, Mauretanien, Myanmar, Nepal, Nordkorea und Somalia in bester Gesellschaft.

Wobei die Frage offen bleibt, was die Straßenverhältnisse und die Autos dort hergeben.

Vom Rechercheergebnis überrascht

Die 14-jährige Brettener Schülerin Eva Hiller hat sich des Themas einmal optisch angenommen. Sie hat im Internet recherchiert, in welchen europäischen Ländern es auf den Autobahnen eine Geschwindigkeitsbegrenzung gibt. Mit ihrem Zeichentablet hat sie dann von Google Maps eine Europakarte heruntergeladen und die entsprechenden Länder farblich markiert.

Was dabei herauskam hat sie verblüfft: „Ich wusste, dass es nicht viele Länder ohne Tempolimit gibt, aber dass es in Europa nur Deutschland ist, hat mich überrascht“, sagt die Schülerin. Die Grafik stelle das Problem sehr gut dar, findet sie.

Warum nicht freiwillig?

Der Impuls für das Kartenprojekt kam von ihrer Mutter Julia: „Die hat so eine Aktion für freiwilliges Tempolimit in Deutschland gestaltet und dafür eine Website erstellt und mich gefragt, ob ich dafür eine Karte machen “, berichtet die Neuntklässlerin, die sich in ihrer Freizeit gerne mit Freunden trifft und Bogenschießen als Sport betreibt. Freunde treffen geht in Pandemie-Zeiten zwar nicht, doch mit ihrer Grafik hat sie ins Schwarze getroffen.

Mutter Julia Hiller liegt das Thema Tempolimit schon lange auf dem Magen. „Ich dachte immer, ich müsste mal eine Petition einreichen, weil ich der Meinung bin, dass wir das auch in Deutschland haben sollten, kam aber nie dazu“, berichtet die wissenschaftliche Mitarbeiterin am KIT in Karlsruhe.

Bis ihre ältere Tochter Katja das Thema im Gemeinschaftsunterricht behandelte und selbst an den Petitionsausschuss schrieb. Die Antwort fiel allerdings unbefriedigend aus. Das sei ja schon in Arbeit, hieß es nur. „Da wird viel diskutiert, die Leute sind dafür, aber das so richtig durchzusetzen, traut sich keiner“, so der Eindruck von Julia Hiller.

Da kam ihr die Idee, dass man ja einfach einmal damit anfangen kann. „Ich fahre auf der Autobahn ja üblicherweise nicht viel schneller als 120 und komme mir da schon vor wie ein Störenfried. Da dachte ich mir, ich mache mir jetzt mal einen Aufkleber aufs Auto, dass ich freiwillig 120 fahre und jeder das auch sehen kann“, berichtet sie weiter. So fragte sie bei der Rinklinger Mediengestalterin Julia Böckle an, ob die ihr nicht so einen Aufkleber gestalten könne.

Tempovarianten zur Auswahl

Die wiederum wollte wissen, ob das für eine Kampagne sei, und brachte Julia Hiller damit auf die Idee, ein derartiges Projekt zu starten. Und so gestaltete sie eine Homepage, bei der jeder, der will, mitmachen kann. Auf der Homepage findet sich die Druckvorlage, die jeder, der möchte, herunterladen und sich bei einer Druckerei oder zuhause ausdrucken kann. Zur Auswahl stehen die Tempovarianten 100, 110, 120 und 130 als Stanzvorlagen. „Ich mach mit“ und „Gut für uns, gut für die Umwelt“ steht auf dem Sticker.

Die Texte auf der Homepage hat Julia Hiller selbst geschrieben. Sie verweist auf Umfragen, die besagen, dass mehr als die Hälfte der Befragten ein Tempolimit begrüßen würden. Doch warum warten, bis das einmal gesetzlich vorgeschrieben ist? „Es steht doch jedem frei, seine Fahrgeschwindigkeit schon ab heute zu reduzieren“, sagt die Ingenieurin.

„Richtiger Schandfleck“

Opa Achim Hiller ist von der Karte seiner Enkelin begeistert, besser könne man das Problem gar nicht darstellen. „Ich bin der Meinung, dass der rote Fleck im Herzen von Europa ein richtiges Schandfleck ist“, sagt der Senior und findet auch deftige Worte für den deutschen Sonderweg: „Wir sind die einzigen Deppen in Europa, die noch nicht kapiert haben, was das Rasen auf der Autobahn mit Umweltschutz, CO2-Ausstoß und Klimawandel zu tun hat“, erklärt Hiller. Und dann würden immer mehr PS-starke SUVs gebaut, als ob es keine Klimaerwärmung gäbe.

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