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Wildbestand auf „tragbarem Niveau“

Neues Jagdgesetz: So denkt der Brettener Förster über höhere Abschusszahlen für Wildtiere

Der Brettener Förster Ewald Kugler nimmt Stellung zur Forderung des Bundeslandwirtschaftsministeriums, die Abschusszahlen zu erhöhen. Für den Stadtwald in Bretten sieht er, dass Förster und Jäger gut zusammenarbeiten.

Können Schäden im Wald anrichten: Nicht nur Wildverbiss setzt dem Baumbestand zu. Rehböcke reiben ihr Gehörn auch an der Rinde junger Bäume. Foto: Franz Lechner

Von Franz Lechner

„Die pauschale Forderung vom Bundeslandwirtschaftsministerium auf Erhöhung der Abschusszahlen wegen den klimabedingten Kahlflächen und Neuaufforstungen, muss für den Stadtwald Bretten differenzierter betrachtet werden“, erklärt der Brettener Förster Ewald Kugler, wie er zu einem von Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner kürzlich zur Novellierung des Bundesjagdgesetzes vorgelegten Referentenentwurf steht.

Klöckner fordert darin, dass Jäger oder Jagdpächter die Zahl der Rehe in ihrem Jagdrevier so reduzieren, dass der in Zeiten des Klimawandels notwendige Umbau des deutschen Waldes nicht durch einen zu hohen Wildbestand behindert wird. Wie viel Rehe, Wildschweine oder Hirsche verträgt ein Wald?

Förster wollen eher gesunden und ertragreichen Wald

Das ist die Frage, die hinter dem Referentenentwurf der Landwirtschaftsministerin steht. Eine Frage, über deren Antwort schon seit Jahrzehnten gestritten wird. Gerade Förster, private Waldbesitzer und Jäger sind sich in dieser Frage nicht immer einig. Kein Wunder, ist es doch die Aufgabe von Förstern, einen gesunden, ertragreichen Wald zu schaffen, während Jäger manchmal eher an einem hohen Wildbestand interessiert sind.

Rehe und auch Hirsche sind aber Feinschmecker, und die saftigen Triebe junger Bäumchen stehen ganz oben auf ihrem Speiseplan. Die Folge: Naturverjüngung ist in einem Wald mit hohem Wildbestand kaum möglich und eine vom Forst betriebene Wiederaufforstung funktioniert in solchen Wäldern nur mit aufwändigen und teuren Schutzmaßnahmen. Auch die Naturschützer vom BUND fordern daher ein neues Wildtiermanagement.

„Ein zu hoher Rehbestand macht den Umbau des klimageschädigten Waldes in einen möglichst artenreichen Mischwald mit heimischen Baumarten wie Eiche und Elsbeere Vogelbeere Ahorn und anderen Arten nahezu unmöglich“, sagt der Geschäftsführer des BUND-Regionalverbandes Mittlerer Oberrhein, Hartmut Weinrebe, und macht damit deutlich, dass Naturschützer im Gegensatz zu Tierschützern die Bejagung von Reh und Wildschweinen nicht grundsätzlich ablehnen.

Anderswo ein häufiger Anblick: Schutzzäune für junge Triebe. In Bretten sind solche Vorrichtungen jedoch kein Thema, wie Förster Ewald Kugler berichtet. Foto: Franz Lechner

Dass Rehwild im Wald große Schäden anrichten kann, weiß natürlich auch Ewald Kugler. „Nicht nur durch den Verbiss von Jungbäumen, sondern auch weil Rehböcke ihr Gehörn gerne an der Rinde junger Bäume fegen“, erklärt der Förster. Das im Spätwinter jedes Jahr neu wachsende Gehörn ist bei Rehen von einer durchbluteten Haut, dem so genannten Bast umgeben und den streifen Rehböcke durch das Fegen ab.

Wildbestände im Brettener Wald sind auf tragbarem Niveau

Allerdings sei im 2.000 Hektar großen Stadtwald Bretten der Wildbestand derzeit kein Problem, sagt Kugler und ergänzt: „Wir müssen derzeit um keine unserer neu angepflanzten Kulturen einen Schutzzaun errichten, das zeigt, dass die Wildbestände im Brettener Wald auf tragbarem Niveau sind.“

Als Ursache für diesen eher untypischen Idealzustand nennt der Förster vor allem die gute Zusammenarbeit zwischen ihm als Vertreter der Forstwirtschaft und den verschiedenen Jägern, die für die Bejagung des Brettener Stadtwald zuständig sind. „Mittlerweile beteiligen sich alle Brettener Jagdpächter im Herbst an revierübergreifenden Drückjagden“, nennt der Förster ein Bei-spiel für die gute Zusammenarbeit.

So wie viele Jäger glaubt aber auch Kugler, dass nicht nur ein hoher Wildbestand, sondern auch der hohe Freizeitdruck in den Wäldern mitverantwortlich sein könne, für einen starken Wildverbiss. Wenn die Zahl der Hunde, Spaziergänger, Jogger und anderer Sportler immer mehr zunehme, so dass Rehe zwischen der frühen Morgendämmerung und der späten Abenddämmerung nirgendwo außerhalb des Waldes oder auf Lichtungen mehr ungestört äsen können, sei ein erhöhter Wildverbiss an jungen Bäumen die logische Folge, glauben tatsächlich auch viele Jäger.

Ob der Wildbestand in den Wäldern östliche von Bretten, also beispielsweise rund um Oberderdingen, für die Forstwirtschaft ein Problem ist, war leider nicht zu erfahren. Von der für diese Wälder zuständige Forstbehörde im Landratsamt war trotz mehrfacher Nachfrage durch die BNN keine Antwort zu erhalten.

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