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Gedenksteine

Oberderdingen lenkt im Stolperstein-Streit ein

Die Gemeinde Oberderdingen hat auf den Protest von Schülern, Lehrern und betroffenen Bürgern reagiert und die Stolpersteine besser sichtbar und direkt vor dem Wohnhaus verlegt, das für die jüdische Familie Schlessinger der letzte Wohnort war.

Mit Stolpersteine wird an Menschen erinnert, die vom Nazi-Regime verschleppt worden sind. Das Bild zeigt Stolpersteine in Karlsruhe. Foto: N/A

Die Gemeinde Oberderdingen hat auf den Protest von Schülern, Lehrern und betroffenen Bürgern umgehend reagiert und die Stolpersteine besser sichtbar und direkt vor dem Wohnhaus verlegt, das für die jüdische Familie Schlessinger der letzte frei gewählte Wohnort war. Mitarbeiter des Gemeindebauhofs versetzten die Steine rund neun Meter von der Hofeinfahrt in Richtung Wohnhaus, sodass sich diese nun direkt vor dem Haus befinden.

Der erste Standort abseits des Hauses und des Blickfelds hatte für Unmut gesorgt.

Die Stolpersteine sollen als Zeichen des Gedenkens und der Mahnung an die von Nationalsozialisten ermordeten jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger erinnern. So auch vor dem ehemaligen Wohnhaus von Gottschalk Schlessinger, Robert Schlessinger und Fanny Schlessinger in der Bahnhofstraße 3 in Flehingen. 1940 wurden die Schlessingers von dort von den Nazis nach Gurs transportiert und starben in einem Vernichtungslager.

Die heutige Hausbesitzerfamilie hat das Haus, in dem die Familie Schlessinger als jüdische Mitbürger bis 1940 gewohnt haben, Ende der 1950er/Anfang der 1960er-Jahre von einem einheimischen Vorbesitzer gekauft. Vor zehn Jahren hatte es schon einmal einen Versuch gegeben, vor diesem Haus die Stolpersteine zu verlegen. Der war jedoch am Widerstand der Hausbesitzer gescheitert. Seither lagerten die Steine in einer Vitrine in der Flehinger Verwaltungsstelle. Im vergangenen Jahr machte der Geschichts-Leistungskurs des Brettener Melnnchthon-Gymnasiums einen erneuten Vorstoß – diesmal mit Erfolg. Nur dass die Platzierung unglücklich im Abseits gewählt wurde. Dies hat die Gemeinde nun korrigiert.

Letzter Synagogenvorsteher in Flehingen

Robert Schlessinger war der letzte Synagogenvorsteher in Flehingen und wurde wie seine Frau Fanny Schlessinger und sein Vater Gottschalk Schlessinger deportiert und ermordet. Die Tochter einer Nachbarin, die Augenzeugin der Verschleppung wurde, erinnert sich noch an die Erzählungen ihrer Mutter von diesem traumatischen Erlebnis: „Sie hat erzählt wie die Nazis kamen und die Schlessingers an Händen und Füßen gepackt haben und wie einen Sack Kartoffeln auf den Lastwagen geworfen haben“, berichtet die heute betagte Seniorin, die damals vier Jahre alt war.

Ihre Mutter habe dieses Geschehen ihr ganzes Leben lang erfolgt, erzählt die Dame, die durch den Zeitungsbericht aufgerüttelt wurde und sich meldete.

Schülerinnen und Schüler des Leistungskurses Geschichte am Melanchthon-Gymnasium-Bretten beschäftigen sich mit ihrem Lehrer Dirk Lundberg seit rund einem Jahr mit dem Schicksal ehemaliger Flehinger Mitbürger, die von den Nationalsozialisten ermordet wurden. Sie organisierten die Stolpersteinverlegung zusammen mit dem Künstler Gunter Demnig Mitte Februar in Flehingen zunächst an dem Standort, den die Gemeinde mit den Hausbesitzern vereinbart hatten.

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