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Zwei Tote in Oberderdingen

79-Jähriger erschießt erst seine pflegebedürftige Ehefrau und dann sich selbst

Staatsanwaltschaft und Polizei ermitteln derzeit die Umstände zweier Todesfälle am Montagnachmittag in Oberderdingen.

Das Pflegepersonal hatte kurz das Zimmer verlassen und ist nach den Schussgeräuschen sofort in das Wohnzimmer gerannt. Foto: Silas Stein/dpa/Symbolbild

Zwei Tote hat es am Montagnachmittag in Oberderdingen gegeben. Wie die Staatsanwaltschaft Karlsruhe und das Polizeipräsidium Karlsruhe mitteilen, hat ein 79-Jähriger mutmaßlich zunächst seine 78 Jahre alte Ehefrau erschossen, anschließend hat er sich selbst in den Kopf geschossen.

Die Staatsanwaltschaft und die Polizei ermitteln derzeit die Umstände der beiden Todesfälle, die Rede ist von einem „erweiterten Suizid“.

Die 78-jährige Frau war demnach schwer pflegebedürftig und wurde in der gemeinsamen Wohnung von einem Pflegedienst betreut. Sie sei permanent auf fremde Hilfe angewiesen gewesen. Es ist davon auszugehen, dass die Belastung für den Ehemann sowie für die anderen Angehörigen sehr hoch gewesen sei. Der Verdacht, dass der Mann hier so etwas wie „aktive Sterbehilfe“ leisten wollte, liegt demnach nahe.

Als sich die Pflegerin am Montagnachmittag in einem anderen Raum der Wohnung als das Eheepaar aufhielt, hörte sie plötzlich Schussgeräusche. Daraufhin eilte sie ins Wohnzimmer, wo sie die 78-Jährige und den Ehemann leblos und aus den Köpfen blutend vorfand. Die Pflegerin informierte umgehend die Rettungskräfte, doch für die 78-Jährige kam jede Hilfe zu spät.

Nach bisherigen Ermittlungen soll der 79-Jährige zunächst seine Frau und dann sich selbst mit einer Pistole getötet haben. Wie Staatsanwaltschaft und Polizei weiter mitteilen, wurde der Mann nach einer Erstversorgung vor Ort in ein Krankenhaus gebracht. Dort erlag er kurze Zeit später seinen Verletzungen.

Auch in der 11.300-Einwohner-Gemeinde Oberderdingen ist die Bestürzung über dieses Ereignis groß. „Ein solches Ereignis ist tragisch und erschüttert mich sehr. Den Angehörigen wünsche ich viel Kraft“, erklärt Bürgermeister Thomas Nowitzki auf Nachfrage dieser Zeitung.

„Ich hoffe, dass die Staatsanwaltschaft die Hintergründe, die zu einer solchen Verzweiflungstat geführt haben, aufdeckt, damit die Angehörigen mit Ihrer Trauer besser zu Recht kommen können“, betont der Rathauschef.

Hinweis der Redaktion

Die Badischen Neuesten Nachrichten berichten nicht über Suizide. Grund dafür ist, dass die Berichterstattung über Selbsttötungen erwiesenermaßen zu vielen Nachahmern führen kann. Ausnahmen werden nur gemacht, wenn ein Fall durch bestimmte Umstände besonders relevant ist. Sollten Sie selbst Probleme haben oder über Suizid nachdenken, gibt es in Deutschland 104 Seelsorgestellen, die jederzeit eine anonyme Beratung anbieten. Die kostenlosen Rufnummern lauten 0800 - 1110111 oder 0800 - 1110222 . In Karlsruhe bieten zudem der Kriseninterventionsdienst K.i.D. ( 0721 - 830 36 47 ) und der Arbeitskreis Leben Karlsruhe ( 0721 - 811424 ) Hilfe und Beratung an.

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