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I hätt do mol e Frog

Eisenzeitfunde verzögern Baubeginn: Oberderdinger verärgert über Informationspolitik der Gemeinde

Eigentlich wollten sie im Januar mit dem Bau beginnen. Doch nun verzögern Ausgrabungen den Start. Die Bauherren sind verärgert darüber, dass die Gemeinde sie nicht rechtzeitig informiert hat

Baubeginn verzögert: Wegen archäologischer Ausgrabungen im Flehinger Baugebiet Zimmerplatz II müssen Bauherren etliche Wochen warten, bis sie loslegen können. Die Gemeinde hat sie erst vor knapp vier Wochen darüber informiert. Foto: Tom Rebel

Im Flehinger Neubaugebiet Zimmerplatz II verzögern sich die Erschließungsarbeiten. Der Grund dafür sind archäologische Grabungen, die das Landesdenkmalamt zur Sicherung von bedeutsamen Relikten aus der frühen Eisenzeit angeordnet hat.

Ein Umstand der Bauwillige dort in doppelter Hinsicht ärgert: Zum einen, weil die Verzögerungen ihre bisherigen Planungen über den Haufen werfen. Zum anderen aber auch deshalb, weil sie sich von der Gemeinde viel zu spät informiert sehen. Ein Leser will wissen, warum das so ist.

Funde aus der Eisenzeit

Was war geschehen? Während der Erschließungsarbeiten im zweiten Bauabschnitt des Areals Zimmerplatz am nordwestlichen Ortsausgang von Flehingen haben ehrenamtliche Hobbyarchäologen, die im Auftrag des Landesdenkmalamts dort aktiv waren, Keramikscherben gefunden.

Das Denkmalamt hat deshalb im Juni weitere Grabungen veranlasst, bei der zudem Knochen, ein Mahlstein und ein Eisennagel gefunden wurden, die der Bronzezeit und der frühen Eisenzeit zugeordnet werden. Daraufhin hat die Behörde eine Rettungsgrabung zur Sicherung der archäologischen Funde für notwendig erachtet. Die soll nun – sofern das Wetter es zulässt – im Januar beginnen und bis zu zehn Wochen dauern.

Der Gemeinde Oberderdingen war seit Ende Juli bekannt, dass es zu Verzögerungen kommt. Doch erst Mitte Oktober wurden die Bauherren über die anstehenden Grabungen informiert. „Die Baufreigabe erfolgt, sobald die Erschließung gesichert ist und die Grabungsarbeiten abgeschlossen sind“, teilt das Oberderdinger Bauamt mit Schreiben vom 12. Oktober mit. Ebenso, dass das Baukindergeld bis 31. März 2021 verlängert wurde.

„Für uns ist das sehr ärgerlich“, sagt dazu eine Bauherrin, die nicht namentlich genannt werden will. Anfangs habe es geheißen, dass man bereits ab September 2020 bauen könne, doch sehr schnell sei der Baubeginn dann für Januar 2021 festgelegt worden. Darauf habe man dann alle Planungen abgestimmt.

Verzögerung bedeutet Mehrkosten

„Im August haben wir unsere Finanzierung mit der Bank abgeschlossen“, berichtet die Bauherrin. Mit der Verzögerung kämen jetzt deutliche Mehrkosten auf die Familie zu. Denn wenn sie erst ein Vierteljahr später ins neue Haus einziehen könnten, dann müssten sie ja auch länger Miete zahlen. Und gleichzeitig Miete und Bankkredit zu begleichen, sei nicht möglich.

„Hätte uns die Gemeinde frühzeitig informiert, dann hätten wir auch mit der Bank entsprechend verfahren können“, moniert die Bauherrin die allzu späte Information der Gemeinde. Die hätten doch bereits im Juli gewusst, dass Grabungen anstehen, dann hätten sie die Betroffenen doch auch umgehend informieren können, lautet der Vorwurf der Bauherrin.

Die Gemeinde skizziert den zeitlichen Ablauf: Man habe am 30. Juli den Erschließungsträger über die anstehende Grabung informiert. Daraufhin habe das Landesdenkmalamt einen Grabungsplan erstellt, der Erschließungsträger habe dann Angebote von Fachfirmen eingeholt.

Die lagen am 17. September vor, am 23. September bekam die ausgewählte Ausgrabungsfirma den Zuschlag. Dann dauerte es nochmals fast drei Wochen, bis die Gemeinde die Bauherren über die Verzögerung in Kenntnis setzte. Da klingt es schon etwas merkwürdig, wenn die Gemeinde auf Nachfrage mitteilt, man habe die Eigentümer mit Schreiben vom 12. Oktober „unverzüglich über die Funde und Grabungen informiert“.

Gemeinde trägt Grabungskosten

Zusätzliche Kosten von Seiten der Gemeinde oder des Denkmalschutzes kommen auf die Bauherren allerdings keine zu. Da die Gemeinde die Bauplätze im Baugebiet Zimmerplatz II zu einem Festpreis verkauft hat, muss sie die Kosten in Höhe von rund 178.000 Euro selbst tragen.

Rund 30 Bauplätze sollen im Gebiet Zimmerfeld II entstehen. Fast alles sind von den archäologischen Grabungen betroffen. „Die Arbeiten sollen allerdings in verschiedenen Abschnitten vorgenommen werden, sodass manche Bauherren schon loslegen können, wenn die Grabungen in ihrem Abschnitt durch sind“, erklärt Sebastian Gerst von der beauftragten Planungs- und Erschließungsfirma PEG GmbH. Und: Solche Grabungen kämen bei der Erschließung neuer Baugebiete immer wieder einmal vor.

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