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Bürgermeister zieht Bilanz

„Die Leistungsfähigkeit der Kommunen hat ihre Grenze erreicht“: So steht es um Oberderdingen und seine Zukunft

Bürgermeister Thomas Nowitzki zieht im Oberderdinger Gemeinderat Bilanz für das abgelaufenen Jahr und zeigt auf, was er noch erreichen will.

Regenrückhaltebecken in Oberderdingen.
Dem Hochwasserschutz galt auch in diesem Jahr ein besonderes Augenmerk. Das Hochwasserrückhaltebecken vor der Wohnanlage Weinstraße steht kurz vor dem Abschluss. Foto: Hansjörg Ebert

Der 1. November war der alles überragende Termin im zu Ende gehenden Jahr in Oberderdingen – eigentlich ein Jahrhundert-Termin. Keine Frage, dass der beim Verwaltungsbericht des Bürgermeisters ganz vorne stehen musste.

Denn dieser 1. November war der Tag, an dem die Gemeinde Oberderdingen zur Stadt erhoben wurde. Als achte Gemeinde in Baden-Württemberg, die dieses Privileg in diesem Jahrhundert zugesprochen bekam.

Ernennung zur Stadt als Imagegewinn

„Seit der Entscheidung der Landesregierung zur Stadterhebung wurde über Oberderdingen so häufig bundesweit berichtet, wie in den vergangenen 50 Jahren nicht“, erklärt Thomas Nowitzki (CDU) und betont den Imagegewinn, den die Kommune damit erfährt.

Traditionsgemäß zieht das Gemeindeoberhaupt – jetzt Stadtoberhaupt – in der Jahresabschlusssitzung des Gemeinderats eine Bilanz der Verwaltungsaktivitäten. Es wurde ein einstündiger Parforceritt durch sämtliche Bereiche des kommunalen Geschehens.

Mit einer Fülle von Fakten und Zahlen, auf 47 Seiten zu Papier gebracht. Nowitzki verwies auf die immense Zahl an Herausforderungen, die die Kommunen in einer Zeit zu bewältigen haben, in der die Krise zum Normalzustand geworden zu sein scheine.

Vielfach seien die Städte und Gemeinden angesichts ständig neuer Zusatzaufgaben gezwungen, ihre Pflichtaufgaben bei der kommunalen Daseinsvorsorge nahezu nebenbei zu erledigen. „Die Leistungsfähigkeit der Städte und Gemeinden hat ihre Grenze erreicht“, erklärte der Bürgermeister.

Und er erinnerte daran, dass man auf allen staatlichen Ebenen mit immer weniger Fach- und Arbeitskräften auskommen müsse. Hinzu käme ein hoher Krankenstand – in Oberderdingen mit fast 700 „Krankentagen“ von über 14 Prozent.

Knapp 12.000 Menschen leben in Oberderdingen

11.943 Menschen leben (Stand November 2023) in Oberderdingen, davon 2.400 oder gut 20 Prozent ohne deutschen Pass. Acht Personen sind eingebürgert worden. 55 Familien mit mindestens einem Kind sind zugezogen, die Zahl der Geburten fiel 2023 mit 99 gegenüber 126 im Vorjahr niedriger aus.

Dafür gab es mehr Ehescheidungen, 36 waren es in diesem Jahr, im Vorjahr 29. Die Zahl der Kirchenaustritte blieb mit 119 auf hohem Niveau, 2022 waren es 125. „Insgesamt gibt es in Oberderdingen 845 angemeldete gewerbliche Betriebe“, informierte der Schultes weiter. Aber keine 100 davon zahlten Gewerbesteuer.

Viel Geld hat die Gemeinde in den Hochwasserschutz gesteckt. Rund 250.000 Euro waren es für die Hochwasserrückhaltebecken (HRB) Kohlbach, Kraichbach und Hunsterbach. Der Neubau des HRB Breitwiesen an der Kraich vor der Wohnanlage Weinstraße werde in den nächsten Wochen abgeschlossen, so Nowitzki weiter.

Mit 900.000 Euro Kosten werde gerechnet, knapp 400.000 davon bekomme die Stadt als Förderung. „Damit sind alle nach Landesvorgaben förderfähigen Hochwasserschutzmaßnahmen für ein 100-jährliches Hochwasserereignis plus Klimakomponente in Oberderdingen realisiert“, bekundet der Bürgermeister.

Im Blick auf die angestrebte Klimaneutralität soll im März 2024 die nächste Klimawerkstatt in Oberderdingen stattfinden. Nowitzki referierte den Stand der Überlegungen bei der Windkraft und PV-Anlagen und plädierte aber auch für Technologieoffenheit für Geothermie, Wasserstoff und das Verpressen von CO2.

„Für Oberderdingen gilt es, die Standortfrage für Windkraft zu klären und eine mögliche Wertschöpfung durch solche Anlagen durch die Stadt und ihre Einwohner zu generieren“, so Nowitzki. Wenn man hier Windkraft nutzen wollen, dann sei man selbst gefordert und nicht irgendwelche Investoren.

Für Oberderdingen gilt es, die Standortfrage für Windkraft zu klären.
Thomas Nowitzki
Bürgermeister

Für die Nutzung von Sonnenenergie wurden in Oberderdingen eine Fläche bei der Erddeponie Hasengarten und eine im Bereich Wilfenberg vorgesehen. Eine weitere Freifläche-PV-Anlage bei der Verbandskläranlage im Kraichbachtal ist im Gespräch.

In Oberderdingen wird kräftig gebaut

Obgleich sich die Bauwirtschaft nach Einschätzung Nowitzkis im Sinkflug befinde und das Bauen von fehlendem Wohnraum dringend erleichtert werden sollte, wird in Oberderdingen kräftig gebaut.

Das bisher größte Projekt der Kommunalbau GmbH „Wohnen am Heiliggrund“ mit dem Neubau von 32 Wohnungen geht zügig voran, sodass die Wohnungen planmäßig im Juni 2024 bezogen werden soll.

Mit der Eröffnung des „Kaffeehaus Aschinger“ im Juni 2023 ist laut Bürgermeister die historische Stadtmitte von Oberderdingen aufgewertet worden. Auch die öffentliche Toilettenanlage sei seit November in Betrieb.

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