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Herzstück ist das Zerstörungszentrum

Wo Erlkönige geschreddert werden: In Oberderdingen entsteht eine Recyclinganlage für Prototypen

Für 16 Millionen Euro baut die Schwarz Rohstoff GmbH eine Recycling-Anlage für Elektro- und Hybridfahrzeuge. Das Besondere: Dort sollen Erlkönige, also Prototypen neuer Automodelle zerlegt und geschreddert werden.

Von besonderer Bedeutung für Verkehrsbetriebe ist die Firma Schneider Bahntechnik GmbH, die seit 13 Jahren im Interkommunalen Gewerbegebiet in Flehingen angesiedelt ist.
Von besonderer Bedeutung für Verkehrsbetriebe ist die Firma Schneider Bahntechnik GmbH, die seit 13 Jahren im Interkommunalen Gewerbegebiet in Flehingen angesiedelt ist. Foto: Tom Rebel

Strengste Geheimhaltung ist angesagt auf der Baustelle im Interkommunalen Gewerbegebiet Oberderdingen. Denn dort entsteht ein Recylingzentrum, in dem künftig Erlkönige der Automobilindustrie in ihre Bestandteile zerlegt und kleingeschreddert werden. Das sind diese geheimnisumwobenen Prototypen neuer Automodelle, die gut getarnt zu Testzwecken über deutsche Autobahnen flitzen.

Um welchen oder welche Hersteller es sich dabei handelt, darüber halten sich die Betriebschefs bedeckt. Die künftigen Mitarbeiter müssen sogar eine Schweigeklausel unterschreiben. Nichts von dem, was in den riesigen Hallen ab November passiert, darf nach außen dringen. Eine eigene Sicherheitsfirma des Fahrzeugherstellers wacht in der Anlage darüber – denn die Konkurrenz schläft nicht.

Gleich zwei „hidden champions“ – also außergewöhnliche Firmen – hatte Oberdingen Bürgermeister Thomas Nowitzki (CDU) für den turnusgemäßen Gemeindebesuch von Landrat Christoph Schnaudigel (CDU) für eine Besichtigung ausgesucht. Das innovative Fahrzeug-Recycling der Schwarz Rohstoff GmbH ist eines davon. Auf einer Fläche von 15.000 Quadratmetern entsteht dort gerade ein Hallenkomplex, in dem insbesondere Prototypen von Elektro- und Hybridfahrzeuge recycelt werden sollen.

Fünf Männer
Landrat Christoph Schnaudigel (Mitte) besichtigt mit Bürgermeister Thomas Nowitzki (rechts) und Gemeindevertretern das entstehende Recyclingzentrum der Schwarz Rohstoff GmbH. Harald Linder sowie Rouwen und Axel Schwarz erläutern das Projekt. Foto: Tom Rebel

Rund 16 Millionen Euro haben Seniorchef Axel Schwarz und sein Sohn Rouven, Prokurist und Projektleiter, sowie Geschäftsführer Harald Linder dafür in die Hand genommen. Im Gewerbegebiet sind sie bereits seit rund zehn Jahren mit ihrem Recyclingunternehmen und den Beschäftigten angesiedelt. Rund 30 neue Arbeitsplätze sollen entstehen, für den 1. Dezember ist der Betriebsstart festgeschrieben.

In Oberderdingen wird bald alles vom Auto recycelt

„Wir recyceln vom Fahrzeug alles, von der Felge bis zum Lenkrad“, erläutert Rouven Schwarz, der die Besuchergruppe durch die Hallen führt. 98 Prozent der gewonnenen Rohstoffe würden wiederverwendet, in gut zwei Stunden sei ein Fahrzeug komplett zerlegt.

Großen Wert legt der Firmenchef auf die Feststellung, dass hier nicht nur Fahrzeuge effizient recycelt werden, sondern auch sämtliche Arbeitsprozesse nachhaltig sind: Alle Maschinen würden elektrisch betrieben und zu 80 Prozent mit Strom aus der eigenen Photovoltaikanlage versorgt.

Im Pufferlager gibt es Platz für 48 Fahrzeuge, die in einem Hochregal auf ihre Verarbeitung warten. Vorher werden allerdings die Airbags pyrotechnisch behandelt, sprich gesprengt. Im Vorbereitungscenter werden auf vier Hebebühnen alle Flüssigkeiten aus den Fahrzeugen gesaugt.

Herzstück der Anlage ist das Zerstörungszentrum. Mithilfe eines Demontageroboters werden die Erlkönige zerlegt, die Einzelteile dann sortenrein in bis zu 35 Qualitäten kleingeschreddert und wiederverwertet. „Wir streben an, aus einer Stoßstange beinahe soviel Rohstoffe zu gewinnen, wie für eine neue benötigt werden“, erklärt der Juniorchef.

„Und wie sieht es mit den Lärmemissionen aus“, will einer der anwesenden Gemeinderäte wissen. Die hielten sich sehr in Grenzen, wie auch ein Lärmgutachten belege, erfuhr er. Die Schredderanlage sei im übrigen täglich nur zwei bis drei Stunden in Betrieb, der Fahrzeugverkehr beschränke sich auf zehn bis 20 Lastwagen pro Tag.

Schneider Bahntechnik GmbH liefert nicht nur Ersatzteile

Station Nummer zwei der Besichtigungstour ist die Firma Schneider Bahntechnik – ein kleines Unternehmen mit Kunden weltweit. 2009 ist die Firma aus einem Brettener Stadtteil nach Oberderdingen ausgewandert. Dabei deckt das Unternehmen eine Nische ab, die vor allem für Verkehrsbetriebe von großem Interesse ist.

Einer der Kunden ist die Deutsche Bahn AG, ein anderer sind die Berliner Verkehrsbetriebe, aber auch die Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG) nutzt die Dienste des Flehinger Bahntechnik-Spezialisten. Zuletzt bei der Umrüstung und brandschutztechnischen Ertüchtigung von 344 elektrischen Kupplungen für den Tunnelbetrieb.

Dabei liefert die Schneider Bahntechnik GmbH nicht nur Ersatzteile für bahntechnische Komponenten, sondern repariert und modernisiert Mittelpufferkupplungen, also die Elemente, die Zugwaggons miteinander verbinden. Besonders gefragt ist die Firma bei Unfällen: Denn dann muss es schnell gehen mit der Reparatur beschädigter Teile, damit der Bahnbetrieb nicht allzu lange beeinträchtigt wird.

„Aufarbeitungen machen wir deutschlandweit, Ersatzteile liefern wir europaweit, und spezielle Kunden bedienen wir sogar weltweit“, sagt Geschäftsführer Michael Schneider, der den Betrieb von seinem Vater Günther übernommen hat. Weitere Stationen der Besichtigungstour mit dem Landrat waren die Seniorenwohnanlage in Flehingen sowie der Wohnpark Kupferhalde.

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